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Cassis Story (2)

"Und, alles klar bei euch?" frage Ruki, als er vom Sofa aus Kim und Uruha zur Tür reinkommen sah.

Wie immer hielten sie sich nicht an den Händen, so, wie man es vielleicht gehofft oder erwartet hatte.

Dennoch schienen beide sehr ausgelastet und entspannt zu sein.

Darauf, dass Uruha`s Hosenstall offen war, konnte man wohl behaupten, dass sie nach dem Essen irgendwo Sex hatten.

Den Gedanken schienen wohl alle zu haben.

Reita räusperte sich grinsend, während Aoi anfing zu pfeifen.

Uruha und Kim selbst war das Verhalten der anderen irgendwie unbegreiflich.

"Wir wollen nachher grillen. Geht ihr noch mal los und besorgt Grillkohle und Anzünder?" fragte Kai, der wohl plötzlich ein Problem damit zu haben schien, dass zwischen Uruha und Kim alles nach heiler Welt aussah.

"Warum habt ihr das in der Zwischenzeit nicht schon selbst erledigt?" fragte Uruha leicht irritiert zurück. Alle Blicke ruhten auf Kim und ihm, als würde jeder von ihnen durch sie hindurchsehen können.

"Wir haben ja Kim versucht auf ihrem Handy zu erreichen, um nachzufragen, ob sie das Zeug nicht mit Uruha noch erledigen könnte. Aber sie hatte es wohl mit Absicht bei Kai liegen gelassen. Warum überhaupt bei Kai?" äußerte sich nun auch Kanae etwas enttäuscht. Was war bloß passiert?

"Mann, Leute. Es reicht jetzt. Es ist doch okay, wenn zwischen den beiden wieder alles in Ordnung ist. Da muss ich mir wenigstens nicht weiter Uruha`s Geheule von wegen, ich weiß nicht, was mit mir los ist und was soll ich machen, anhören." beschwerte sich Ruki dann.

Er grinste Uruha daraufhin an. "Deine Hose ist offen, mein Schatz.".

Alle lachten, bis auf Kai.

Dieser verzog sich plötzlich förmlich fluchtartig in seinem Zimmer.

Uruha war ein wenig rot angelaufen, bevor Ruki ihn dann weiter hochleben ließ.

"Soll ich deiner Kleinen mal erzählen, was du früher für ein Hecht gewesen bist?" grinste Ruki.

Was er wohl damit meinte?

Uruha lachte, nachdem er den Reißverschluss seiner Jeans geschlossen hatte.

"Meintest du dich damit? Ich im Gegensatz zu dir war mit vierzehn noch Jungfrau." erwiderte Uruha, ohne zu Ruki‘s Äußerung "Deine Kleine" in Bezug auf Kim noch etwas zu sagen.

"Stimmt, du hast erst mit achtzehn angefangen Und seit dem bist du in meinen Augen auch ein Gigolo, ein Hecht, der Angst vor der Liebe hat, weil die Frauen ihn ausnutzen könnten. Sie haben ihn benutzt, weil der nicht so gut aussehende Uruha plötzlich durch die Musik berühmt wurde und seinen Style änderte, irgendwie dann auch doch unverschämt gut aussah und Geld hatte, wie Sand am Meer.

Er war mit achtzehn in ein Mädchen verliebt, die ihm lediglich die Unschuld genommen hat, bevor sie ihn wieder abgeschossen hat, weil er ihr Geschmack nicht war. Seitdem verliebte er sich nicht mehr. Im Gegenteil. Irgendwann drehte er den Spieß einfach um. Er hatte mit vielen Frauen Sex. Mit solchen, die behaupteten, ihn zu lieben. Nachdem er aber mit ihnen schlief, sah er zu, dass er sie loswurde. Keine blieb bis zum Frühstück..." erzählte Ruki, bevor er dann recht aggressiv von Uruha unterbrochen wurde.

"Halt endlich die Klappe. Es ist doch egal, was früher war. Das geht keinen etwas an. Also, halt gefälligst deine Fresse." keifte Uruha, der sich erneut seine Autoschlüssel von der Kommode im Gang zur Haustür schnappte und mit den Worten " Ich geh Grillkohle, und so, kaufen. Bis später." verschwand.

"Muss ich mir das anhören , Kana?". Flehend sah Kim in Kanae’s erschrockenes Gesicht.

Man konnte gut erkennen, dass Kim einige Tränen über die Wangen rollten.

Es war verständlich für Kanae. Sie hätte vermutlich genauso reagiert.

"Nein, musst du natürlich nicht." sagte Kanae, bevor Kim dann auch schon in Uruha`s Zimmer verschwunden war, obwohl sie eigentlich nicht wirklich wusste, warum sie dort hin ging.

Sie stand mitten im Zimmer vor seinem grauen Stahlregal, auf dem sie von einer ca. A5 großen violetten, satinüberzogenen Hartpappeschatulle angelächelt wurde, die leicht geöffnet war, weil das offene Ende einer Silberkette herauslugte. Es war ja nicht so, dass sie in seinen Sachen herumwühlen wollte. Das würde sie niemals tun. Aber dennoch war sie neugierig.

Also hatte sie sich doch gewagt, mit klopfendem Herzen, diese Schatulle ganz zu öffnen.

Zu Gesicht bekam sie die Halskette mit dem "K" - Anhänger, welche sie ihm zum Geburtstag geschenkt hatte, drei eingeschweißte Kondome, was sie belächelte, als sie diese in den Händen hielt und irgendwelche Fotos, die sie so neugierig machten, dass sie die Schatulle mit der Kette und den Kondomen zurück aufs Regal stellte, um sich den Fotos zu widmen.

Sie stellte erschrockener Weise fest, dass es alles nur Fotos von ihr waren. Es waren Fotos, die gemacht wurden, als Kim bei den Jungs bereits ein und ausging.

Kim hasste Fotos. Sie hasste es genau so, wie, als wenn man sie fotografieren würde, ohne, dass sie davon wusste und am meisten, wenn sie ungestylt war.

"Gott, warum lieb ich dich bloß so?" schluchzte Kim erneut los, als sie die Fotos auf den Boden fallen ließ und im gleichen Moment die Zimmertür aufging.

Kai stand im Zimmer, schloss die Tür hinter sich und kam auf sie zu.

Er sah irgendwie traurig aus. Und jedes Mal, wenn sie ihn so sah, zerriss es sie fast. Sie würde ihn jedes Mal am liebsten in den Arm nehmen und festhalten. Das war schon eine ganze Weile so und beide wussten auch, dass sie starke Gefühle füreinander hatten, in fast jeder Hinsicht.

Aber Kim würde niemals wollen, dass Kai wegen ihr traurig war. Diese Tatsache ließ sie jedes Mal von allem, was Uruha betraf, abschweifen. Kai wusste nichts von ihren Gefühlen - nur von seinen eigenen. Und die waren sehr stark.

"Warum lieb ich dich bloß so?" fragte Kai nun auch, als er vor ihr stand, sie wehleidig ansah und mit den Fingerspitzen seiner rechten Hand ihr Gesicht berührte.

Ihr Herz klopfte schnell. Sie wusste , dass es falsch sein würde, sich zu nähern. Jeden Augenblick könnte Uruha auftauchen. Seine Eifersucht konnte immens sein und darauf wollte Kim verzichten. Selbst wenn sie es bald sein würde, die alles beendete.

"Nein, Kai. Bitte..." seufzte Kim, die seine Hand gegriffen, diese aber keineswegs abgewehrt hatte. Sie hielt sie einfach nur fest und sah ihm gequält ins Gesicht

Prompt spürte sie allerdings seine warmen Lippen auf ihrem Mund. Sie wehrte sich nicht, auch wenn sie wusste, dass es falsch war. Aber war es denn wirklich so falsch?

Er drückte seine Hände fest gegen ihren Rücken, drückte sie an sich, als er aufgehört hatte und vergrub sein Gesicht an ihrem warmen Hals.

"Ich halt das nicht mehr aus, Kimi. Warum kann ich dich nicht haben?".

Kim schluchzte. Sie mochte es nicht, wenn Kai sich so selbstbemitleidend benahm.

Und jedes Mal machte es sie schwach. So oft hatte sie schon gesagt, dass er es irgendwann könne. Jetzt würde sie ihn doch gar nicht glücklich machen können.

Und wenn doch, wäre sie selbst vielleicht unglücklicher, als er es gewollt hätte.

Er ließ dann von ihr ab und sah sie an. Er lächelte plötzlich. " Es tut mir leid." sagte er dann.

"Ich werde auf dich warten, ja?".

Noch immer weinte Kim, als sie dann angefangen hatte, die Fotos aufzusammeln.

"Wir wussten alle von den Fotos, durften aber nichts sagen. Ich weiß nicht, ob er sich dafür schämt oder es ihn aufgegeilt hat." meinte Kai dann, während er das Treiben von Kim auf dem schwarzen Teppichboden beobachtete.

Fassungslos sah sie zu ihm auf. Man könnte ja fast meinen, sie hätte mit einem Uruha zu tun, der kurz davor war, zum Stalker zu werden, sobald sie ihn verlassen würde.

Sie hatte Angst. Konnte das denn Liebe sein?

Kai lächelte wieder. "Er meint, er sieht dich viel zu gern an. Er hat deshalb die Fotos gemacht, damit er dich auch sehen kann, wenn du nicht da bist.".

Dabei klang es ja beinahe schon verrückt.

"Das ist doch irre, Kai. Das gibt`s doch gar nicht." begann Kim zittrig zu wimmern.

Kai kniete sich zu ihr herunter und riss sie an sich.

"Wie bist du überhaupt an diese Fotos gekommen? Hast du in seinen Sachen gewühlt?" fragte er dann. Kim riss sich von ihm los und stand auf. "Das spielt doch überhaupt keine Rolle mehr..." begann sie hysterisch zu schluchzen.

"Ich bin auch nur eine vieler Frauen, mit der er Sex hat. Er liebt mich nicht. Das Einzige was er hat, sind Verlustängste. Er gibt sich nur aus reiner Gewohnheit mit mir ab. Vielleicht, weil er so besser ausnutzen kann, dass ich ihn liebe. Vielleicht, weil ich die Einzige bin, die nicht locker gelassen hat. Vielleicht, weil ich bis jetzt geglaubt habe, dass man mich nicht so einfach abwimmeln kann. Was weiß ich. Ich will das nicht mehr, und doch..." schluchzte sie laut.

"...liebst du ihn, obwohl er dir so wehtut. Du denkst dabei nicht an dich, sondern nur an ihn und deshalb fällt es dir so schwer, ihn zu verlassen." beendete Kai ihren Satz, bevor erneut die Tür aufging und Ruki mit Kanae im Schlepptau im Zimmer stand.

"Wir wollen Happi Happi machen." grinste Ruki, um die momentane Situation etwas zu vertuschen.

Er sah Kim mit den Fotos in den Händen.

"Du denkst, es ist pervers, stimmt`s ?" fragte er dennoch.

"Das ist jetzt egal." meint Kim, die sich Mühe damit gab, nicht vor Wut zu schreien.

"Im Übrigen hab ich vorhin noch gar nicht zu ende erzählt." sagte Ruki, als er näher an Kim heran trat. Kai war währenddessen zum Fenster gegangen. Er wünschte sich in diesem Moment nichts sehnlicher, als von all dem, was zwischen Kim und Uruha passierte, nichts zu wissen..

"Das ist mir egal. Ich will davon nichts mehr wissen. Erzähl mir nichts, okay?". Kim schien verstört zu sein. Ihre Hände zitterten und ihre Augen waren angeschwollen. Außerdem stotterte sie etwas, wenn sie redete.

"Ich sag`s dir trotzdem. Du bist die Erste, die wirklich Interesse an ihm, so wie er als Mensch ist, hat. Du bist die Erste, wegen der er wirklich eifersüchtig wird, wenn sie mit einem anderen Typen flirtet. Und du bist bis jetzt die Einzige, die immer wieder gekommen ist, egal, ob dann nur Sex zwischen euch stattgefunden hat. Und du wirst auch jemals die Einzige sein, die es schaffen wird, seinen harten Kern zu knacken. Er hat mir mal erzählt, dass er eines Nachts mal davon geträumt hat, dir bei einem Bühnenauftritt vor versammelter Menge einen Heiratsantrag zu machen. Er hat Gefühle für dich, zweifelt nur selbst daran, weil er Angst davor hat, dich zu verletzen. In seinen Augen bist du die Einzige bis jetzt, die es am wenigsten verdient hat, wegen ihm oder allgemein, zu leiden.".

Alle waren still. Kim war die Einzige, die am lautesten atmete. Man könnte meinen, sie bekäme keine Luft. Ihre Augen weiteten sich. Und man konnte jede einzelne Träne beobachten, die Kim aus den Augen lief und über ihre zartrosa Wangen rollte. Man konnte genau beobachteten, wie Kim`s Augenlider zu zucken begannen, es so aussah, als würde sie die Augen verdrehen. Dabei sah man lediglich nur noch ihre weißen Augäpfel, bevor sie die Augen schloss und zu Boden sackte.

Kai kam vom Fenster zu ihr gestürmt, begann an den Händen zu zittern und zu weinen, bevor er Ruki anschrie. "Warum bist du bloß so rücksichtslos? Sie hat doch gesagt, dass sie es nicht hören will!" schrie er, der Kim`s Kopf auf seinen Schoß legte. Jeder sah, dass Kai sie liebte.

Kanae kniete nun ebenfalls bei Kim am Boden, während sie ihren Puls fühlte und ihre Hände streichelte. "Ruft bitte einen Arzt." begann Kanae zu schluchzen. Ihr wurde plötzlich klar, dass sie sich immer mehr von Kim zu entfernen schien. Nie war sie für sie da, wenn etwas nicht stimmte. Sie dachte nur an sich und an die Probleme mit Ruki. Kim selbst fand das nicht schlimm. Sie war der Meinung, sie solle erst einmal zu sehen, dass zwischen Ruki und ihr wieder alles in Ordnung käme, bevor sie sich um andere Dinge kümmerte.

"Sie hätte die Wahrheit sonst nie erfahren, begreifst du das nicht, Kai? Egal, wie sehr du sie liebst, sie wird immer und egal unter welchen Umständen, Uruha lieben." sagte Ruki, während er zusammen mit Kai Kim auf Uruha`s Bett gelegt hatte. Er hatte ja Recht. Und es wäre vielleicht auch gar nicht so schlimm, wenn es nicht so wehtun würde.

 

Ein Arzt meinte später, Kim hätte einen zu hohen Blutdruck, worauf das Zusammenbrechen begründet zu sein schien. Natürlich. Sie hatte sich vorher auch zu sehr aufgeregt.

Kim lag noch immer bewusstlos in Uruha`s Bett, während der Arzt ihr ein Beruhigungsmittel verabreicht und verschrieben hatte, bevor er dann gegangen war. Im Flur kam Uruha ihm noch nickend und überrascht entgegen. "Was ist passiert?" fragte Uruha, als er die anderen im Wohnzimmer antraf.

"Kim ist zusammengebrochen. Es ist aber nichts weiter. Sie hat sich ziemlich aufgeregt, hat rumgeschrieen, worauf sie dann aufgrund eines zu hohen Blutdruckes umgekippt ist." sagte Kanae, während die anderen lediglich nur mit ihrer körperlichen Erscheinung anwesend zu sein schienen.

"Sie kennt jetzt die ganze Wahrheit..." sagte Ruki, als Uruha bereits an der Tür zu seinem Schlafzimmer stand.

"Und die Fotos." fügte Kai monoton hinzu.

Somit saß Uruha kurz darauf bei Kim am Bett und sah sie an.

Vorher hatte er die Fotos, die auf dem Boden lagen, wieder in die violettfarbige Schatulle zurückgelegt. Er war nicht sauer, dass sie an seine Sachen gegangen war, nicht mehr.

Denn anscheinend war es für ihn jetzt nur noch umso unbegreiflicher, dass sie ihn so liebte.

"Ich hab dich doch gar nicht verdient. Warum machst du das?".

Er streichelte ihr Gesicht, als er sich über sie beugte.

Sie regte sich, zuckte erschrocken zusammen, als sie ihre Augen öffnete und in das Gesicht von Uruha sah.

Alles schien plötzlich anders zu sein.

"Ich kann das nicht einfach so sagen, aber von dir höre ich es gern. Also musst du es zu mir sagen." sagte Uruha lächelnd und schien dabei gar nicht er selbst zu sein.

Kim war noch gar nicht richtig zurechnungsfähig, wusste überhaupt nicht, wo ihr der Kopf stand.

Irritiert sah sie ihn an. "Wovon redest du denn bloß?" fragte sie ihn.

"Davon, dass ich von dir hören möchte, dass du mich liebst." antwortete er sanft.

Wurde er jetzt verrückt?

"Uruha...".

Sie war überrascht.

Er küsste sie. "Sag`s mir!" forderte er flüsternd. Kim musste lächeln. Vielleicht war es ja doch nur die Ruhe vor dem Sturm...

 

"Ich liebe dich."

 

In der Küche wurde mit dem Geschirr geklimpert. Kim war zu dieser Zeit wieder einigermaßen fit auf den Beinen.

"Ist der Grill schon an?" rief Kai von der Küche aus, während Reita und Aoi sich im Garten mit dem Grill und der Kohle beschäftigten.

"Nee, warum?" rief Aoi von draußen.

"Weil ich die Fleischsachen schon in warmes Wasser legen will." rief Kai zurück, während Kim am Tisch saß und Brot zurechtschnitt, bevor sie die Scheiben in das strohähnliche Körbchen legte, welches vor ihr stand. Mit den Gedanken schien sie nicht ganz anwesend zu sein, während Uruha, Ruki und Kanae das Geschirr aus der Küche nach draußen holten.

Das klirrende Geräusch von zerbrochenem Glas riss Kim aus den Gedanken.

"Uupsi!" kicherte Kai, als er das Glas zusammensuchen wollte, sich aber in den Finger schnitt.

"Guck ma`, Kimi..." sagte er, als er ihr seinen blutigen Finger zeigte. Er sah wie ein dummer Junge aus, so wie er dann vor ihr stand und sich von ihr mit einem Pflaster den Finger verbinden ließ.

"Du kannst ja deinen Schwanz auf den Grill legen. Meinen brauch ich noch." gab Uruha kichernd von sich, als er sich auf dem Weg in die Küche mit Aoi unterhielt.

Es hinterließ ein eigenartiges Bild, Kim und Kai da so dicht voreinander stehen zu sehen. Er sah nicht, dass sie ihm den Finger verband.

"Das Essen kann auf den Grill." unterbrach er die beiden in ihrer Zweisamkeit.

Erschrocken ließen die beiden voneinander ab.

Kai hatte sofort fluchtartig mit dem Fleisch in einem Keramiktopf die Küche verlassen. Das kleine Herz klopfte wie verrückt in seiner Brust. Er wusste, dass er seine Gefühle schon nicht mehr verstecken konnte. Und er wusste, dass er beim nächsten Mal nicht weglaufen würde.

"Entschuldige, falls ich euch gestört hab." sagte Uruha zu Kim, die mit gesenktem Kopf hinter ihm stand, während er nach der Schale mit dem geschnittenen Brot griff.

"Hast du nicht. Ich hab ihm nur ein Pflaster auf den Finger geklebt." erwiderte Kim, als Uruha sich umdrehte. Manchmal sah es schon komisch aus, dass Uruha um einiges größer als Kim war.

 

"Happi, Happi!" ertönte es von draußen.

"Lass deinen Schwanz in der Hose, du Ekelafter." hörte man Reita lachen.

 

29

 

Ja, irgendwie schien die Welt so in Ordnung zu sein.

Warum konnte man diesen Moment nicht einfach festhalten?

Warum konnte es nicht immer so sein?

Es war ein friedliches beieinander.

Alle lachten, als Ruki versehentlich Ketchup auf seiner Hose verkippt hatte und es so aussah, als hätte er seine Tage bekommen.

"Soll ich’s ablecken?" rief ihm irgendwer aus der Runde hinter her, als Ruki fluchtartig im Haus verschwunden war.

"Ist zwischen dir und Ruki wieder alles in Ordnung?" fragte Kim, die Kanae gegenüber saß. Unwissend zuckte sie jedoch nur mit ihrem Schultern.

"Weiß ich nicht.". Kanae hatte wirklich keine Ahnung, was nun war. Ob nun zwischen Ruki und ihr wieder alles in Ordnung war. Wahrscheinlich ist es auch nur eine kurze Phase und vielleicht würde es gar nicht mehr so lange dauern, bis es wieder Streit zwischen den beiden geben würde. Dennoch sollte man es nicht so laut hinausschreien…

"Wir haben lediglich Sex." sagte Kanae dann noch und alle lachten wieder.

"Ja, ihr seid dabei immer verdammt laut." seufzte Kai.

"Wenn sie sich doch lieben, dass lass sie doch." meinte Aoi, der aufgestanden war und die letzten Sachen vom Grill holte. Aber alle waren bereits satt und wahrscheinlich würde der Rest im Kühlschrank landen.

"Hört auf, dass ist jetzt egal." meinte Kanae und nippte an ihren Glas Mineralwasser.

Die Runde schwieg, bis Ruki laut pfeifend wiederkam.

"Schweigt nicht so laut, sonst bekomme ich Ohrenschmerzen." meinte er und ließ sich auf seinem Platz neben Kanae nieder.

Kanae räusperte und stand auf. "Ihr seid sicher alle satt, oder? Dann kann ich ja den Tisch abräumen." meinte sie dann und begann, schweigend das Geschirr ins Haus zu tragen.

Sekunden später hörte man nur ein lautes Klirren, was verriet, dass Kanae etwas zerbrochen haben musste.

Aoi warf sich nur die Hände vors Gesicht und seufzte, ja jammerte fast schon. "Das war das Geschirr. Das schöne Geschirr."

Aus der Küche konnte man es nur laut fluchen hören.

"Die Arme." meinte Kim kichernd.

"Ja, das arme Geschirr." erwiderte Aoi und stand auf. Er wollte gerade in Richtung Wohnzimmer steuern, als Kim sich plötzlich ihm in den Weg stellte.

"Du bleibst schön da. Ich geh zu ihr." meinte Kim und schob Aoi zurück an seinen Platz. "Ihr könnt ja hier draußen schon mal aufräumen." fuhr sie fort und verschwand dann auch nach drinnen.

Aoi seufzte. "Jetzt lass ich mich schon von Frauen herumkommandieren.".

Alle lachten nur darüber, während Kim sich zu Kanae in die Küche gesellte. Sie beobachtete ihre Freundin amüsant dabei, wie sie die Scherben von zerbrochenen Gläsern aufsammelte. Dabei hatte Kanae sich am Vorabend schon die Hände aufgeschnitten, weil sie ins Glas gefallen war.

"Pass auf, dass du dir nicht in die Finger schneidest." meinte Kim, die sich nun gegenüber von Kanae gehockt hatte und ihr beim Einsammeln der Scherben half..

"Auf das eine Mal mehr oder weniger kommt es nicht drauf an." erwiderte Kanae wenig später und warf die letzten Scherben in den Mülleimer, ´betrachtete anschließend ihre Hände.

"Hast du irgendetwas?" fragte Kim dann und sah abwartend in das Gesicht von Kanae.

"Wie kommst du denn darauf? Nur, dass ich gerade feststelle, wie egoistisch ich doch eigentlich bin." meinte Kanae und ließ sich auf einen der Küchenstühle nieder. Ja, sie stellte in der Tat fest, dass sie egoistisch war.

Kim war eigentlich immer für sie da, war immer zur Stelle und Kanae kümmerte sich , seit sie Ruki kannte, nur noch um sich selbst. Sie wechselte lediglich ein paar Worte mit Kim über deren Probleme und dann war das Thema für Kanae gegessen.. Doch sie stellte fest, dass das falsch war - denn Kanae hatte das Gefühl, sich selber mehr und mehr von ihrer besten Freundin, die eigentlich bisher ihr Leben darstellte, zu entfernen.

"Findest du nicht auch, dass ich egoistisch bin und nur an mich denke?" fragte Kanae und sah abwartend in Kim’s Gesicht. Kim verwirrte es sichtlich.

Was war denn nur auf einmal los?

Kanae erschien vorher so unbeschwert und glücklich, doch nun sagte sie so was.

Kim hockte nun vor Kanae, hatte ihre Arme auf ihren Schoß gelegt und sah Kanae einfach an.

"Was haben sie dir ins Essen getan, Kana?" fragte Kim nur.

Kim war Kim, das stellte Kanae immer wieder fest - es war ihre Kim und von einer Sekunde zur nächsten war alles anders und plötzlich hatte sie so wenig Zeit für diesen Menschen. Früher redeten sie Stunden über Stunden, meist über das gleiche Thema. Aber wieder bohrte sich die Tatsache heraus, dass ihr Leben durch die Begegnung mit den Jungs anders geworden war - man verbrachte einfach mehr Zeit mit dem Menschen, den man liebte und mit dem man auch Sex hatte. Aber die Mädchen entfernten sich dabei immer stärker voneinander, Kanae mehr und Kim weniger.

 

"Beantworte meine Frage!" forderte Kanae ungeduldig, sah Kim nach wie vor abwartend an. "Du bist nicht egoistisch geworden. Ich frage mich überhaupt, wie du auf so einen Blödsinn kommst, Kana." sagte Kim lächelnd.

Doch Kanae schüttelte ihren Kopf - vielleicht kam es wirklich plötzlich und auch etwas spät, doch sah sie es wenigstens ein und lief nicht blind weiter.

Sie sah es, sie spürte es und nun wollte sie es loswerden, wollte es beenden bevor es irgendwann einmal zu spät dafür sein könnte.

"Vorhin…als du da so am Boden gelegen hast, wurde mir vieles klar...

Mir wurde plötzlich klar, dass ich mich immer mehr von dir zu entfernen scheine. Nie war ich für dich da, wenn etwas nicht stimmte. Ich dachte nur an mich und an die Probleme mit Ruki. Du selbst findest das vielleicht nicht schlimm. Du bist der Meinung, ich solle erst einmal zu sehen, dass zwischen Ruki und mir wieder alles in Ordnung kommt, bevor ich mich um andere Dinge kümmerte.

Aber…Aber das ist falsch. Völlig falsch." erklärte Kanae und warf sich die Hände vors Gesicht, schüttelte ihren Kopf. "Dabei müsste ich doch für dich da sein. Du hast mehr Schwierigkeiten als ich." fuhr Kanae fort.

"Was redest du denn da? Natürlich warst du für mich da. Du warst für mich da, als ich Probleme mit Toshi hatte. Du warst immer für mich da, Kana. Immer." widersprach Kim mit schüttelnden Kopf und zog Kanae die Hände aus dem Gesicht.

"Nein." erwiderte Kanae und stand auf. Kim folgte ihrem Beispiel und beobachtete Kanae dabei, wie sie fast schon verstört in der Küche hin- und herlief.

"Das ist nicht wahr. Was habe ich denn schon großartig getan? Das musst du mir erst einmal erklären." fuhr Kanae fort und nach einander rollten ihr Tränen über die Wangen.

"Du hast mir immer eine Schulter zum Ausweinen gegeben, hast mir Trost gespendet und mir eine Familie beschert. Du hast mir ein Dach über den Kopf besorgt und mir den Menschen in mein Leben gebracht, den ich liebe. Kanae, das ist viel. Das ist sogar sehr viel." antwortete Kim nur darauf, als sie Kanae an den Schultern gepackt hatte . Sie war nicht sanft, wie sie es sonst war. Sie war ausnahmsweise grob und hatte Kanae sogar gegen den langen Küchenschrank gedrückt. "Wieso behauptest du also, dass das nichts ist? Wieso Kanae?" fragte Kim dann. Selbst ihr waren Tränen in die Augen gestiegen, versuchte sie aber zu verdrängen und hatte ihren Kopf auf Kanae’s rechter Schulter sinken lassen.

"Du hast gelogen. Alles war gelogen. Und wieso belügst du dich selber? Macht es dir etwa Spaß, dir selber nur unnötig wehzutun? Hast du nicht schon genug Schmerzen erleiden müssen? Warum artet es in Streit aus? Wir hatten nie Streit, Kanae, also sag mir warum." forderte Kim und krallte sich nun regelrecht an Kanae’s Oberarmen fest. Sie richtete ihren Kopf wieder auf und sah nun fast schon flehend in Kanae’s Augen.

Ja, warum artete es auf einmal in einem Streit aus?

Sie stritten nie - war es ein böses Omen?

 

"Du bist zu Kai gegangen, als du wegen Uruha geweint hast…Ich dachte: Was habe ich falsch gemacht? Bin ich nicht mehr gut genug für sie? Habe ich ausgedient?. Dabei war ich doch eigentlich diejenige, die sich von dir entfernte. Ich habe dann nach jemanden gesucht…aber es ist nicht wie bei dir, auch wenn es trotzdem schön ist." schluchzte Kanae nun wie ein kleines Kind. Aber was redete sie da für wirres Zeug?

"Ich kann dir anscheinend nicht das geben, was du brauchst, was du aber bei Kai findest. Ja, mit Kai hast du die richtige Wahl getroffen. Er ist lieb und hört dir immer zu…aber ich weiß auch, dass er dich liebt." fuhr Kanae fort und irgendwie hatte Kim das Gefühl, ein dummes Kind vor sich stehen zu haben, was nur wirres Zeug von sich gab.

"Kanae, es reicht." wurde Kim nun etwas laut und verpasste Kanae tatsächlich eine Ohrfeige. Es war etwas, was sie nie getan hatte und umso erstaunter war Kim über sich selbst und es brachte sie dazu, in Tränen auszubrechen - einfach deswegen, weil sie Kanae nie geschlagen hatte. Sie wollte sie nicht schlagen und sie bereute es zu tiefst, es getan zu haben. Und statt wütend darüber zu reagieren, hatte Kanae nur ein Lächeln aufgesetzt, während sie mit der rechten Hand ihre Wange berührte.

"Verzeih mir, Kana." schluchzte Kim nun und hatte Kanae einfach an sich gerissen.

"Verzeih mir, bitte." wiederholte Kim.

"Kim, ich hab es verdient." meinte Kanae nur und schob Kim vorsichtig von sich.

"Du bist so dumm, Kanae. So dumm." murmelte Kim und sie hielt Kanae in ihren Armen, als wollte sie jemand von Kim wegreißen.

"Was macht ihr hier? Lebt das Geschirr noch, oder is‘ alles zu Bruch gegangen?" ertönte Aoi’s Stimme in der Küche. Kim hatte ruckartig von Kanae abgelassen, Aoi kurz angelächelt und war dann fluchtartig in eines der Zimmer verschwunden.

Kanae hatte sich rasch die Tränen aus dem Gesicht gewischt, als Aoi ihr auch schon ein Stück Haushaltsrolle gereicht hatte.

"Habt ihr gestritten?" fragte er sofort und Kanae nickte.

"Weswegen?" fragte Aoi weiter, doch Kanae schwieg dann nur.

"Kanae, bitte." seufzte er und sah Kanae abwartend an.

Sie wischte sich erneut die Tränen aus den Augen.

"Es war so vieles und doch eigentlich viel zu wenig." sagte Kanae unter Tränen und hielt einen Moment lang inne, bevor sie weiterredete.

"Weißt du…ich entferne mich von ihr, obwohl ich es doch gar nicht will." fuhr Kanae dann fort und lächelte gequält, bevor sie sich die Hände vor ihr Gesicht warf.

"Du meinst Kim? Wieso das denn?" fragte Aoi nur, der Kanae gerade noch auffangen konnte, bevor sie auf die Knie gefallen wäre. "Ihr seid doch sonst immer so unzertrennlich, warum sollte das jetzt anders sein?" fragte er weiter und verfrachtete Kanae auf einen Stuhl, setzte sich dann auch ihr gegenüber.

"Es hat bereits damit angefangen, als wir euch kennen gelernt haben. " antwortete Kanae.

Aoi lachte auf. "Willst du etwa damit sagen, dass unsere Jungs daran schuld sind? Dann hättet ihr von Anfang an nicht herkommen dürfen." meinte er dann und fuhr sich seufzend durch die Haare. Es sah in Kanae’s erschrockenes Gesicht, sah, wie sie energisch ihren Kopf schüttelte.

"Nein, so meinte ich das nicht." erwiderte sie dann und griff nach Aoi’s Händen, die er aber rasch wieder von ihr wegzog - was war nur auf einmal?

"Dann sprich endlich Klartext." reagierte Aoi schon regelrecht schroff.

Kanae begriff nicht, warum er plötzlich so war. Er wirkte abweisend, ja fast schon kalt.

War er wegen gestern etwa doch sauer?

"Ich kümmere mich mehr um meine Probleme mit Ruki, als um Kim’s Probleme. " versuchte Kanae zu erklären und sie saß dabei auf dem Stuhl wie ein kleines Schulmädchen.

"Lächerlich. Das ist einfach lächerlich, Kanae. Das ist doch nur ein dummer Mädchenstreit, nichts weiter. Du hast doch nur Angst, Kim wegen Uruha zu verlieren. Du hast ganz einfach nur Verlustängste. Es liegt doch klar auf der Hand und es passiert meistens immer dann, wenn du mit Ruki Stress hast." meinte Aoi - dabei stimmte das doch gar nicht und das wusste er auch ganz genau.

Außerdem war gerade soweit alles in Ordnung mit Ruki…wieder mal.

"Das stimmt doch gar nicht, Aoi! Ich will nur meine beste Freundin nicht verlieren. Sie ist wie eine Familie für mich." widersprach Kanae und brachte Aoi jedoch nur erneut zum Seufzen. "Wie war das doch gleich? Getroffene Hunde bellen? Egal. Jetzt muss eben einer den Kürzeren ziehen, schließlich bist du in’ner Beziehung und Kim ebenfalls." sagte Aoi, als er dann aus dem Flur auch schon Kim sagen hörte "Bezeichne das nicht als Beziehung, Aoi!", bevor sie dann wieder im Garten verschwunden war.

"…wie dem auch sei. Ihr haltet ganz einfach Distanz, weil ihr mehr Zeit mit eurem Partner verbringen möchtet. Und was ist daran jetzt so schlimm?" fragte Aoi dann, obwohl er die Antwort doch schon kannte und Kanae es ihm auch oft genug gesagt hatte.

"Wieso unterhalte ich mich eigentlich mit dir darüber? Du verstehst mich doch sowieso nicht." meinte Kanae, die ruckartig aufgestanden war und dabei den Stuhl, auf dem sie saß, umkippte.

"Du verstehst mich einfach nicht, Aoi." fuhr sie fort und wollte im Flur verschwinden, wenn Aoi sie nicht festgehalten und zurück in die Küche gezogen hätte.

Grob drückte er sie gegen die Küchentür.

"Wie soll man jemanden wie dich noch verstehen? Dein Leben ist ein reinstes Chaos, du kommst doch schon selber nicht mehr mit dir klar." fuhr er Kanae an und sah dabei ihren erschrockenen, gleichzeitig verletzten Gesichtsausdruck.

Sie schubste Aoi von sich weg. Sie verstand nicht, wie er auf einmal so sein konnte.

"Wieso hast du mir auf einmal etwas vorzuwerfen? Seit wann, Aoi?" fragte Kanae und sah Aoi abwartend an. Natürlich war diese Frage berechtigt - sonst hatte Aoi ihr nie etwas vorgeworfen und wenn er es tun wollte, so ließ er es doch, weil er genau wusste, wie empfindlich Kanae reagieren konnte.

"Bist du frustriert, weil du mich nicht ins Bett gekriegt hast? Ist es das, ja?!".

Das war falsch.

Und es verletzte sogar Aoi, dass Kanae ausgerechnet so etwas von ihm dachte.

Die ganze Zeit war es nie so.

Die ganze Zeit waren sie sich nie so nah.

Aoi lachte und drückte Kanae erneut gegen die Tür. Sein Blick verriet, dass er wütend und gleichzeitig auch verletzt war. Ja, es tat ihm weh - weil sie ausgerechnet so etwas dachte.

Vielleicht war es ganz am Anfang so. Kanae war ein Mädchen, hübsch, schlank und ihr Kleidungsstil ließ nun mal sehr viel Haut hervorblitzen und von daher spielte selbst Aoi hin und wieder mit dem Gedanken, Kanae ins Bett zu kriegen. Es waren aber nur Gedanken. Gedanken, die er nie wagte auszusprechen oder in die Tat umzusetzen.

Vorige Nacht hätte er die Gelegenheit dazu gehabt, wenn Kanae ihn nicht aufgehalten hätte. Sein Knie wanderte nahe ihrem Schritt, sein Druck an den Handgelenken tat schon regelrecht weh und es war Kanae unangenehm.

Man konnte es deutlich in ihrem Gesicht erkennen.

Aoi ignorierte es.

Aber warum sollte es schon wieder eskalieren?

Warum gab es nicht eine andere Möglichkeit außer Streit?

Warum ließ man die Dinge nicht einfach auf sich beruhen?

 

Aoi drohte davor, auszubrechen und ihr die Wahrheit zu sagen - seine Gefühle und die Angst davor, das zu verlieren, was er doch eigentlich in Wahrheit liebt.

Ein Phase, die hoffentlich bald aufhört.

Es schien von gestern auf heute einfach da gewesen zu sein. Es muss verschwinden.

Er will sich nicht weiter belügen müssen, er will Reita nicht belügen.

Er brauchte Klarheit, er brauchte Abstand und Zeit.

Aoi wollte es nicht und umso schwerer würde es ihn fallen, Kanae zu verletzen - aber es war wohl im Moment die einfachste Möglichkeit.

Vielleicht würden sich die Zeiten ändern und diese Phase endet.

"Weißt du was? Soll ich dir die Wahrheit wirklich ins Gesicht sagen? Ich glaube nicht, dass dir das gefällt. Aber so hört dieser schmerzhafte Druck in mir auf." begann Aoi und er flüsterte schon regelrecht.

Wovor hatte er Angst?

Das sie jemand belauschen könnte?

"Du weißt, wir waren uns damals nicht wirklich grün und das es nicht wirklich zwischen uns funktioniert hat. Aber eines wollte ich von Anfang an, es war nicht gleich die Freundschaft. Ich wollte dich eigentlich bloß ficken." fuhr er fort und sah, wie sich Kanae’s Augen schlagartig mit Tränen füllten, wobei sie gerade dabei war, sich zu beruhigen. Sie hörte es das erste Mal aus seinem Mund. Fühlte sich plötzlich ausgenutzt und es schmerzte. Es schmerzte höllisch und am liebsten hätte Kanae ihn verflucht, verdammt, geschlagen und zusammengetreten wenn ihr das möglich gewesen wäre.

Aber sie hatte keine Kraft mehr, alles fühlte sich wie Gummi an, bis auf diesen verbalen Schlag ins Gesicht.

Wenn Aoi ehrlich war, dann meistens zu ehrlich. Genau wie Reita, spürte Kanae es jetzt.

"Warum konnte ich mir das schon denken? Ihr seid doch alle gleich. Ihr wollt alle bloß Geld und Sex." schluchzte Kanae und drehte ihren Kopf zur Seite, damit sie Aoi nicht mehr länger ansehen musste.

"Kleine Kinder reden immer gern dazwischen, nicht? Aber weißt du, was auch immer ich getan hätte, es blieb doch nur ein Gedanke. Aber daraus wurden von Zeit zu Zeit Gefühle. Ich begreif es selbst nicht. Vielleicht entstanden sie auch nur so, weil es mit Reita momentan nicht besonders funktionierte. Vielleicht ist es nur eine Phase. Vielleicht ist sich morgen schon wieder vorbei.". Behauptete Aoi, sich in Kanae verliebt zu haben?

Es war ein Ding der Unmöglichkeit.

Seine Worte waren wie eine Schlinge, die sich immer fester um Kanae’s Hals zog und ihr die Luft zum Atmen nahm.

"Ich will dass nicht hören, Aoi." wimmerte Kanae wie ein kleines Kind.

Sie fühlte sich so wehrlos in diesen Moment.

Und sie wollte das alles einfach nicht wahrhaben.

"Du wirst mir jetzt aber zu hören, wenigstens dieses Mal." widersprach Aoi - er bereute es schon wieder, so zu handeln. Aber musste irgendetwas tun, bevor es schlimmer werden würde. "Du wirst mich jetzt auch ansehen und dann wirst du mich hassen. Du sollst mich hassen, damit es endlich aufhört." fuhr er fort, als er Kanae’s Handgelenke losließ und nun ihr Gesicht zwischen seine Hände nahm, dass er dann in seine Blickrichtung drehte.

Er wusste aber, dass sie es nicht konnte.

Kanae verstand den Grund nicht, warum sie ihn jetzt auf einmal hassen sollte.

"Lass den Unsinn. Warum sollte ich dich jetzt hassen? Ich bin wütend und enttäuscht, aber ich kann dich nicht hassen." meinte Kanae.

Sie sah Aoi an, musste es ja und eigentlich auch nicht.

Sie sah dass er plötzlich verzweifelt war und keinen Ausweg mehr wusste.

Das stimmte, er fand keinen Ausweg - bis auf das hier zu tun.

Aoi küsste Kanae, bevor er sie wieder einfach nur ansah.

"Würde Reita das hier jetzt live miterleben, dann würde er mich umbringen…dabei war es gestern noch anders. Ich frage mich gerade, wen ich hier eigentlich betrüge, wenn ich dir sage, dass ich mich in dich verliebt habe? Und wahrscheinlich war ich im Unrecht, als ich sagte, dass du nicht mehr mit dir selber klarkommst. Das war falsch, dass war einfach falsch. Ich bin es, der mit sich nicht klarkommt." stammelte Aoi regelrecht und wirkte dabei auf einmal wie ein verstörter Junge.

Für Kanae klang es in den Ohren, als würde man mit einem spitzen Gegenstand eine Tafel zerkratzen - so breitete sich auch wie ein Lauffeuer Gänsehaut auf ihrem Körper aus.

Sie lächelte, um die Tatsache zu vertuschen.

"Das ist Unsinn, Aoi. Du liebst Reita, ich weiß das ganz genau. Auch wenn ich eigentlich gar nicht so viel mit ihm zutun habe, weiß ich, dass er dich auch liebt. Er liebt dich wirklich. Du kannst dich gar nicht in mich verliebt haben. Das wäre einfach unmöglich." meinte Kanae - man konnte glatt meinen, sie redete wirklich mit einem dummen Jungen.

"Das sagst du doch nur, weil du Angst davor hast, dich von Ruki zu trennen. Habe ich dir nicht gesagt, dass ich dich ihm wegnehmen würde, wenn alles aus den Fugen gerät?" abwartend sah Aoi Kanae an.

Das konnte doch nicht wirklich sein Ernst sein?

"Es stimmt, dass ich keine Lust auf diese ständigen Hü- oder Hotspielchen habe, ganz einfach, weil es mich auf Dauer belastet. Aber weil ich Ruki liebe, gehe ich darauf ein. Im Moment könnte es nur Sex sein und im nächsten Moment streiten wir uns. Ich habe vor, auf besseres Wetter zu warten, bekanntlich kommt nach der Ebbe die Flut. Aoi, ich kann dich nicht wie Ruki lieben, auch wenn ich es vielleicht wollte. Ich liebe dich wie einen großen Bruder, wie etwas, was mir schon immer im Leben gefehlt hat. Mehr ist das nicht und vielleicht sollten wir jetzt etwas Distanz von einander halten. Mir tut es zwar weh, aber da muss ich durch." versuchte Kanae zu erklären, doch das alles endete in einem lauten Schluchzen.

"Es geht nicht, tut mir leid." fuhr sie fort und stieß Aoi mühsam von sich.

Hatte er jetzt einen Grund zu hassen?

Nein, es wäre Unsinn - denn irgendwie hatte er sein Ziel doch erreicht, was aber nicht hieß, dass er mit seinen Worten gelogen hatte. Er sprach von Anfang an die Wahrheit.

Jetzt bekam er seine Distanz - das war alles was er wollte…oder?

Irgendwann bereute er es wahrscheinlich.

"Ich mach den Abwasch." sagte er nur mit gesenktem Kopf. Kanae gab nichts darauf, sondern verschwand nach draußen zu den anderen. Innerlich hoffte sie, dass das alles wieder vorbei geht. Vielleicht erginge es auch der Beziehung von Reita und Aoi somit besser.

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update: 18-Feb-2008  
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