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S.> 40

"Es ist so grausam. Es ist einfach nur grausam." meinte Ruki, als er zusammen mit den anderen im Wohnzimmer saß. "Da hat man sie wieder und dann wacht sie nicht mal auf. Das ist doch nicht mehr normal." fuhr er anschließend fort, während er sich dabei eine Zigarette anzündete.

"Ich halt das nicht mehr aus." wimmerte Uruha, der an der Glastür stand und auf die Terrasse starrte. "Ich kann nicht mehr, versteht ihr? Ich kann einfach nicht mehr!" wurde er dann etwas lauter und stürmte in sein Zimmer. Der Streit mit seiner Mutter und nun das gaben Uruha den Rest. Irgendetwas musste bald passieren.

"Kann mir irgendjemand sagen, ob das alles hier nicht doch nur ein Traum ist?" fragte Kai dann und warf den anderen abwartende Blicke zu. Sie alle schüttelten nur schweigend ihre Köpfe. Doch irgendetwas animierte die anderen dazu, jetzt erst recht nicht aufzugeben, auch wenn der Gedanke an Kim noch so schmerzte. Aber alle wussten, dass sie nichts anderes tun konnten, als auf den Tag zu warten, an dem Kim ihre Augen endlich wieder öffnet.

Und Kai, dem es fast das Herz zerriss, hatte seinen Meinung geändert - jetzt wollte er erst recht mit der Musik weitermachen. Er wollte nicht kläglich versagen. Er tat es für Kim und alle anderen zogen mit ihm.

Auch die nächsten Tage war er nicht von dieser Meinung wegzukriegen. Er wollte es einfach für Kim durchziehen. Er tat es, weil er sie immer noch liebte.

Natürlich wurde Kim mit jedem Besuch mit Blumensträußen überhäuft. Die Jungs und auch Kanae nutzen jede Möglichkeit, um Kim besuchen zu dürfen.

Jedoch blieb das nicht lange so, denn Gazette sind wieder ins Rampenlicht zurückgekehrt. Sie haben in kürzester Zeit all das nachgeholt, was sie versäumt hatten. In Rekordzeit hatten Gazette das Mini-Album "GAMA" und bereits Aufnahmen für die Single "Cassis", die extra für Kim geschrieben wurde, gemacht. Es gab Photoshootings und Interviews nacheinander. Manch einer fragt sich bestimmt, was in dieser Zeit mit Kanae war. Kanae war keinesfalls allein, denn Izumi war immer noch da und hatte sich auch mit Uruha ausgesprochen. Im Moment schien wenigstens das wieder in Ordnung zu sein. Und durch Izumi fühlte sich Kanae auch nicht einsam. Sie besuchte mit ihr Kim und verbrachte auch sonst sehr viel Zeit mit ihr, die die Jungs währenddessen im Studio verbrachten. Mittlerweile waren auch schon wieder Monate vergangen, denn es war bereits Winter geworden und momentan waren die Jungs auf Tour - der "Peace & Smile Carnival tour2005" und selbst jetzt wurde schon der Termin für eine größere Tour festgelegt, der Standing Live tour 2006 "Nameless Liberty.Six Guns".

Wahrscheinlich würde Kanae in dieser Zeit die Jungs gar nicht zu Gesicht bekommen. Doch Weihnachten durfte sie wenigstens mit ihnen zusammen feiern. Wenn sie nichts anderes wollte, dann wenigstens das.

"Wann kommt ihr nach Hause? Ich hab dich schon so lange nicht mehr gesehen." meinte Kanae, die gerade mit Ruki telefonierte, während Izumi das Essen machte. Draußen hatte es bereits mit schneien begonnen.

"Voraussichtlich morgen. Aber vielleicht ist der Chef gnädig und wir kommen heute schon nach Hause. Ich will ja endlich wieder in meinem Bett schlafen dürfen, die Hotelbetten sind mir zu hart. Außerdem will ich endlich wieder die Frau in den Armen halten dürfen, die ich liebe. Ich weiß ja schon gar nicht mehr, wie du dich anfühlst." erklärte Ruki und brachte Kanae zum Lachen.

"Es wäre wirklich schön, wenn ihr heute Abend schon zurückkommen würdet. Außerdem ist übermorgen schon Weihnachten." meinte Kanae, die einen Blick in die Küche warf. "Wie geht es euch eigentlich?" fragte sie dann und hörte im Hintergrund nur das laute Gelächter der anderen.

"Ganz gut soweit. Miyavi hat gerade nichts Besseres zu tun, als jeden mit einer Haarsprayflasche zu interviewen oder irgendwelche Reisbällchen zu verteilen." erklärte Ruki, der sich das Lachen verkneifen musste.

"Ruki, mit wem telefonierst du da?" fragte der 1,85m große Kerl, der vor Ruki stand und ihn eine blaue Haarsprayflasche vor die Nase hielt. Miyavi sorgte immer für gute Laune bei den Jungs, auch wenn es Ruki manchmal nervte.

"Mit meiner Mutter." sagte Ruki und hörte Kanae am anderen Ende der Leitung lachen. Er vermisste dieses Lachen schon seit dem ersten Tag, seit Gazette auf Tour waren.. Am Telefon war es irgendwie nicht dasselbe.

"Nein, tust du nicht. Also, mit wem telefonierst du?" fragte Miyavi weiter.

"Du nervst, hau ab. Geh zu Aoi, der freut sich sicher darüber." grinste Ruki.

"Bei Aoi war ich schon." erwiderte Miyavi. Er liebte es, Ruki auf die Palme zu bringen. Ruki seufzte.

"Dann geh noch mal zu ihm." sagte Ruki und verschwand mit dem Handy in der Hand aus dem Zimmer. Im Flur war es weit aus stiller, man konnte lediglich von irgendwoher Gitarren hören.

"Ihr scheint euch ja auch wirklich gern zu haben." meinte Kanae.

"Ich bin nicht so ein großer Fan von ihm, aber er bringt wenigstens die Jungs auf andere Gedanken mit seinen Späßen. Selbst Uruha hat er schon dazu gebracht, einen Lachkrampf zu kriegen. Aber das wirst du selbst sehen, wir haben alles gefilmt." erklärte Ruki.

"Okay. Ihr habt heute euren letzten Auftritt, nicht wahr? Ich wünsche dir und den anderen viel Glück." sagte Kanae dann und verabschiedete sich im nächsten Moment auch schon. Sie wusste nicht, wie viele Stunden danach vergangen sind. Kanae hatte mit Izumi gegessen und war anschließend noch einmal zu Kim ins Krankenhaus gefahren. Mittlerweile war auch die Medienwelt um Kim still geworden und Kanae hatte es geschafft, Toshi anzuzeigen. Es fehlte nur noch der Termin für eine Verhandlung. Aber an so etwas wollte Kanae jetzt nicht denken. Nicht jetzt, wo sie hier an Kim’s Bett saß und diese beobachtete.

"Weißt du, dass Uruha nach langer Zeit wieder gelacht hat? Ich dachte schon, er hätte es verloren und das kurz vor Weihnachten. Und findest du nicht auch, dass es langsam mal Zeit ist, die Augen wieder aufzumachen?" fragte Kanae die schlafende Kim. "Du würdest dich sicher über die vielen Blumensträuße der Jungs freuen. Sie stehen hier überall rum und mittlerweile haben die Krankenschwestern schon gar keine Vasen mehr dafür…".

Alles blieb wie bisher und Kanae fragte sich, wann Kim endlich wieder so viel Kraft haben würde, um die Augen zu öffnen. Auch wenn sich alle mittlerweile damit abgefunden haben, dass Kim ins Koma gefallen war, war es trotzdem an der Zeit, einen neuen Anfang zu machen.

Würde Kim aufwachen, wäre es genau der richtige Augenblick dafür, etwas Neues anzufangen. Man würde ein neues Leben beginnen und alles, was passiert ist, hinter sich lassen. Man würde ganz neue Wege gehen. Aber solange Kim die Augen nicht öffnet, würde nichts von dem passieren und alles würde wie bisher bleiben.

Es wäre nach wie vor alles so geblieben.

 

Doch auch irgendwann würde das alles ein Ende haben…

 

"Kanae? Kanae, bist du zu Hause?". Es war Ruki’s Stimme, die im Flur ertönte. Allerdings schien niemand da zu sein, alles war still. Vielleicht schliefen alle, denn es war bereits noch sehr früh am Morgen, als Ruki und die anderen erschöpft, aber zufrieden zu Hause ankamen.

Das Licht, welches aus Ruki’s Zimmer kam, erhellte den Flur ein wenig, in dem Kanae im nächsten Moment stand und verschlafen ihre Augen rieb.

"Bist du das, Ruki?" fragte Kanae und sah Ruki dann nur lächelnd auf sich zukommen. Er sah irgendwie anders aus als sonst. Ruki schien in der langen Zeit beim Friseur gewesen zu sein, denn aus seiner blonden Haarpracht, wurde schwarzes Haar mit einzelnen roten Strähnen, außerdem waren sie etwas kürzer geworden.

Aber trotzdem stand es Ruki sehr, auch wenn Kanae Ruki’s blondes Haar viel lieber hatte. "Sehe ich denn so viel anders aus als sonst?" entgegnete Ruki nur und zog Kanae ruckartig an sich und küsste sie, ohne sie vorher zu Wort kommen zu lassen.

"Hey, Ruki, deine Frau kannst du später immer noch vernaschen. Jetzt lass sie uns erst einmal begrüßen." warf Reita dazwischen und lachte auf.

Wie es schien, war die Laune der Jungs viel besser geworden, sodass es fast schon erschreckend war. Dennoch war es ein sehr schöner Anblick, die Gesichter der anderen wieder lachen zu sehen.

"Hey, du bist doch bloß eifersüchtig." grinste Ruki und ließ von Kanae, die sofort die anderen begrüßte, ab. Kanae begrüßte alle fünf mit einer Umarmung und einem Kuss auf die Wange. Uruha war der letzte, bei dem sie dies tat und als sie von ihm abgelassen hatte, sah Kanae ihn nur an.

"Du musst Kim mal wieder besuchen." meinte sie und strich über Uruha’s Wangen.

"Das werde ich tun." sagte Uruha und lächelte. Ja, er lächelte und es war schön.

"Und ich will dich auch nicht mehr traurig sehen. Ich will immer dieses Lächeln, welches du genau jetzt hast, sehen." sagte Kanae dann und nahm einen Schritt abstand von Uruha. "Ich werde dich dazu zwingen." fuhr Kanae dann grinsend fort und ließ Uruha im Flur stehen, nachdem sie ihm noch einmal gewunken hatte.

"Bye, bye." sagte sie und verschwand im Wohnzimmer, aus dem nur das laute Gelächter der anderen zu hören war. Uruha’s Mutter ließ sich davon nicht beirren, sie schlief tief und fest weiter.

"Wir gehen jetzt schlafen." sagte Ruki nur, bevor er Kanae einfach hoch hob und anschließend auf den Armen durchs Wohnzimmer trug.

"Geh doch erst einmal duschen." kicherte Kanae.

Man merkte, wie die Sehnsucht nach der Glücklichen Zeit größer wurde.

Warum konnte es nicht immer so sein?

Warum konnte man es nicht festhalten?

 

´"Ich war duschen, nachdem das Konzert vorbei war." antwortete Ruki und trug Kanae in sein Zimmer. Man hörte darauf nur die anderen lachen.

"Ob er es ihr noch vor Weihnachten sagt?" fragte Reita, der an Aoi’s T-Shirtärmel fummelte und dabei grinste.

"Ich denke, er wird es tun. Ruki hat sich das fest vorgenommen." meinte Aoi und packte Reita, den er anschließend hinter sich her die Treppe hinauf zerrte. Man hörte darauf nur das Klappen der Zimmertür. Kai stand nun allein im Wohnzimmer, bis es dann von Uruha betreten wurde.

"Lass uns schlafen gehen." meinte er und sah Kai nicken.

"Ob es ihr gut geht?" fragte Kai dann aber und sah Uruha abwartend an.

"Ich hoffe es." sagte Uruha, worauf er dann auch schon das Wohnzimmer wieder verlassen hatte und auch Kai verschwand anschließend in seinen vier Wände.

Irgendwann würde es bestimmt wieder eine Zeit geben, in der man ruhiger schlafen würde. Und auch wenn die Nacht nichts änderte, so hoffte man doch, dass sie endlich vorbei war. Aber als Nacht konnte man es gar nicht mehr bezeichnen. Es waren nur noch wenige Stunden, bis die Sonne wieder aufgehen und einen neuen Tag anbrechen würde.

Ein Tag wie jeder andere…

 

 

 

"Willst du alleine gehen, oder soll ich mitkommen?" fragte Kanae Uruha, als die beiden alleine am Frühstückstisch saßen.

"Ich würde gerne allein hingehen, ist das in Ordnung?" entgegnete Uruha und sah Kanae darauf nur lächeln.

"Es ist in Ordnung. Ich habe sie ja schließlich in der Zeit, in der du nicht da warst, auch allein besucht." meinte Kanae. Natürlich hätte sie Uruha so oder so alleine gehen lassen. Vielleicht würde Uruha es schaffen, Kim dazu zu bringen, wieder aufzuwachen.

Dann wäre wenigstens er es, den sie zuerst zu Gesicht bekommen würde.

Und dann wäre wenigstens alles vorbei, ja.

"Danke." sagte Uruha, bevor er dann den Tisch verlassen hatte und aus dem Haus stürmte. Kanae hatte sich währenddessen vorgenommen, den Weihnachtsbaum zusammen mit den Jungs zu dekorieren - schließlich war morgen Weihnachten.

Ja, das würde Kanae in den nächsten Stunden tun und vielleicht würde man ihre Bitte und auch die der anderen erhören.

"Morgen. Hast du gut geschlafen?" ertönte Ruki’s Stimme in der Küche und brachte Kanae zum Zusammenzucken. Irgendwie war Ruki’s Stimme anders geworden, aber vielleicht bildete Kanae sich es auch nur ein. Vielleicht bildete sie sich auch nur ein, das Ruki anders geworden war - anders als sonst.

"Was? Ja, du lagst ja neben mir." sagte Kanae und bekam darauf auch schon einen hastigen Kuss von Ruki.

"Ich liebe dich." sagte er nur, als er von Kanae abgelassen und sie einfach nur angesehen hatte. Kanae war sein Benehmen mehr, als nur schleierhaft. Aber inständig hoffte sie, sich nur zu irren. Sie hatte Ruki lange Zeit nicht mehr gesehen, das wird wohl der einzige Grund dafür sein.

"Was ist los? Du wirkst so erschrocken." meinte Ruki und hockte sich vor Kanae hin.

Kanae schüttelte ihren Kopf. Es war nicht nur, dass Ruki’s Benehmen sie verwirrte, sondern auch ein seltsames Gefühl, welches sie schon seit einigen Wochen mit sich herumschleppte. Doch was es genau war, konnte Kanae nicht wirklich deuten.

"Alles in Ordnung." meinte Kanae und nahm Ruki’s Gesicht zwischen seine Hände. Sie spürte deutlich die Sehnsucht nach ihm in sich aufsteigen, auch wenn er da war. Auch wenn Ruki ihr in diesem Moment sehr nahe war.

"Ich habe dich wirklich vermisst und gestern, als du plötzlich im Flur standest, wollte ich gar nicht realisieren, dass du es wirklich bist. Vielleicht irritieren mich auch nur deine Haare." fuhr Kanae dann fort und lächelte.

"Hast du was gegen meine Haare?" fragte Ruki nur und küsste Kanae anschließend wieder und er riss sie dabei prompt vom Stuhl, sodass sie nun auf ihm saß. Natürlich sah es etwas komisch aus, aber Ruki störte das nicht. Er schien es sichtlich zu genießen.

"Nein, natürlich nicht. Aber ich muss mich erst einmal daran gewöhnen." meinte Kanae und fummelte dabei in Ruki’s Haaren.

"Was stört dich dann? Sehe ich wirklich so komisch damit aus?" fragte Ruki weiter und brachte Kanae aber nur zum Lachen.

"Du siehst total beschissen aus. Mich wundert es, dass Kanae noch nicht schreiend vor dir weggerannt ist. Und überhaupt, was macht ihr beiden denn eigentlich auf dem Boden?" ertönte Reita’s Stimme in der Küche. Ruki warf darauf nur seinen Kopf nach hinten und sah direkt in Reita’s grinsendes Gesicht.

"Ich kann deine Nase sehen, Reita." grinste Ruki.

"Ansonsten stimmt bei dir alles im Kopf, oder?" fragte Reita dann nur und steuerte an Ruki, sowie Kanae vorbei und ließ sich anschließend auf einen der Küchenstühle nieder.

"Ja. Meines Erachtens ist bei mir noch alles richtig im Kopf." meinte Ruki, nachdem Kanae von ihm runter ging und sich anschließend wieder auf ihren Stuhl niedergelassen hatte.

"Aoi schläft wohl noch?" fragte sie dann auch schon und goss sich Kaffee in ihre Tasse ein. "Nein, er ist duschen gegangen." antwortete Reita und nahm Kanae die Kaffeekanne ab, um sich ebenfalls Kaffee einzugießen.

"Saß vorhin nicht Uruha hier? Oder habe ich mir nur eingebildet, als ich aus der Dusche kam, deine und Uruha’s Stimme zu hören?" fragte Reita dann und sah abwartend in Kanae’s Gesicht.

"Er ist vor wenigen Minuten aus dem Haus gegangen. Er wollte ins Krankenhaus." antwortete Kanae und nippte an ihrer Tasse.

"So früh?" fragte Ruki, der es dann endlich geschafft hatte, sich neben Kanae niederzulassen.

"Was hättest du denn getan, wenn die, die du liebst, im Koma liegen würde? Du würdest bestimmt auch zusehen, dass du so oft wie möglich bei ihr sein kannst, um den Augenblick zu erleben, in dem sie ihre Augen wieder öffnet." meinte Kanae.

"Das ist allerdings richtig." warf Reita dazwischen.

"Ich hab es doch begriffen." seufzte Ruki und goss sich nun, wie die anderen beiden zuvor auch, Kaffee in die Tasse.

Es war ein gemütlicher Morgen geworden und er war es auch noch, als Kai, Aoi und Izumi hinzukamen. Man hatte gelacht und irgendwelche Späße gemacht. Ja, so einen Morgen konnte es ruhig öfters geben - ja, das wünschte sich bestimmte jeder hier Anwesende.

"Wollen wir dann heute den Weihnachtsbaum schmücken?" fragte Kanae, worauf alle nur mit einem lauten "Ja" geantwortet hatten. Und kaum war das Frühstück beendet und sauber gemacht worden, wurde auch schon fleißig die Kunsttanne, die man zuvor aus dem Keller geholt und ins Wohnzimmer gestellt hatte, mit Weihnachtsschmuck dekoriert.

Kanae und Izumi waren in der Zeit, in der die Jungs nicht da waren, sehr fleißig. Sie kamen auf die Idee, Puppen von den Jungs zu nähen und damit den Weihnachtsbaum zusätzlich zu schmücken. Und da noch Utensilien vom Nähen übrig geblieben waren, hatte Kanae eine Puppe von Kim, Izumi und sich genäht.

Die Jungs freuten sich sehr über diese Puppen und alberten sogar damit herum. Kanae konnte dabei nicht widerstehen, sie dabei zu filmen.

"Ruki, die Puppe sieht dir aber sehr ähnlich…Sie ist, genau wie du, auch so’n oller Strohkopf." grinste Reita, als er Ruki’s Puppe musterte und anschließend damit rumfuchtelte.

"Halt die Klappe. Dafür trag ich wenigstens nicht so’ne komische Windel im Gesicht." konterte Ruki, der im Gegenzug mit Reita’s Puppe rumfuchtelte.

"Zeig mal den Strohkopf." warf Aoi dazwischen, der Reita die Puppe von sich in die Hand drückte und dafür die von Ruki musterte.

Reita grinste frech und stellte sich zusammen mit Kai vor Kanae, die genau die Kamera auf die Puppen hielt. Reita hielt Aoi’s Puppe, genau wie die von Kai, nahe genug davor.

Beide grinsten nur wie Weltmeister und es sah einfach nur niedlich aus, wie sie dann anschließend mit den Puppen spielten. Es erinnerte Kanae an einen Haufen kleine Kinder, die auch einfach nicht erwachsen werden wollten. Und im Grunde genommen waren die fünf Jungs auch nichts anderes - sie waren einfach nur Kinder.

Doch Uruha bekam davon recht wenig mit, seine Gedanken klammerten sich in diesen Moment nicht an zu Hause, sondern viel mehr an Kim, an deren Bett er saß und deren Hand er fest in seine gedrückt hatte. Der Gedanke, dass Kim vielleicht nie wieder aufwachen wollte, trieb Uruha vermehrt die Tränen in die Augen.

"Mach deine Augen auf, Kim." wimmerte er und drückte Kim’s Hand nur noch mehr in seine. Ihre Hand war so warm und weich, anders kannte und wollte Uruha es auch gar nicht.

"Bitte, mach doch deine wunderschönen Augen auf. Kimi, warum tust du mir das an? Habe ich in der ganzen Zeit, in der du bei mir warst, wirklich so viel falsch gemacht?" fragte Uruha und genau bei diesen Worten zuckte Kim’s Hand. Es war wie damals, als verkündet wurde, dass Kim wahrscheinlich ins Koma gefallen ist. Ja, wie damals, als Uruha, genau wie jetzt, Kim’s Hand gehalten hatte.

Er wollte ihr in diesen Moment so viel sagen.

Er wollte ihr so viel geben.

Er wollte einfach die Frau wieder haben, die er liebte.

"Kimi, bitte." wimmerte er und starrte in Kim schlafendes Gesicht. Vielleicht bildete er es sich ein, als er sie so ansah und glaubte, ihr würden Tränen über die blassen Wangen rollen. Er hatte Angst davor, sie zu berühren, weshalb er es auch nicht tat. Er sah sie dann einfach nur an, ohne, noch etwas zu ihr zu sagen.

Wie viel Stunden danach vergangen sind, interessierte Uruha nicht, weil er einfach eingeschlafen war. Er hatte einfach seinen Kopf vorsichtig auf Kim’s Bauch sinken lassen. Ihre Atemgeräusche waren mehr als nur beruhigend.

 

"Bitte, du musst wieder aufwachen.".

"Ich kann ohne dich nicht mehr.".

"Ich liebe dich.".

 

Wie viel Zeit ist vergangen?

Man hatte aufgehört, darüber nachzudenken - auch, wenn man träumt.

Uruha spürte plötzlich warme Hände in seinem Gesicht und ein Schluchzen, welches wie das eines weinenden Kindes klang, war zu hören und brachte Uruha dazu, seine Augen aufzureißen und sich ruckartig aufzurichten.

War es nicht immer noch ein Traum?

War es denn echt?

Uruha starrte erschrocken in Kim’s Gesicht und er glaubte, immer noch zu träumen, als er sah, dass sie ihre Augen geöffnet hatte und weinte.

War sie wirklich wach?

Uruha begann plötzlich zu zittern, als Kim seine Hände berührte.

"Ich halt das nicht aus. Du bist wach? Du bist wirklich wach?".

Uruha wollte es gar nicht realisieren.

"Ich glaub das nicht, ich glaub das einfach nicht." wimmerte er wie ein kleines Kind los und griff nach Kim’s Händen. Konnte man ihm nicht anders beweisen, dass Kim wirklich wach geworden war?

Kim gab kein Wort von sich, sie schluchzte nur, obwohl sie versuchte, Uruha anzulächeln.

"Kim…" schluchzte Uruha und versuchte nun, vorsichtig ihr Gesicht zu berühren.

Ihre Wangen waren von Tränen nass und warm. Viel lieber hätte Uruha ihr die Tränen von den zittrigen Lippen weggeküsst, doch er hatte Angst davor. Er wollte es nicht glauben. Zu viel Zeit war schon vergangen, als das er überhaupt noch daran glauben wollte, Kim je wieder berühren zu dürfen. Es war wie ein nicht enden wollender Traum.

Kim hatte Uruha’s Hände, die auf ihren Wangen lagen, berührt und dabei gelächelt. Uruha glaubte, dass jeden Moment sein Herz aufhören würde, zu schlagen.

"Ich glaub das einfach nicht." wimmerte Uruha, der im nächsten Moment schon den Notfallknopf betätigte, um damit irgendwie die Aufmerksamkeit der Ärzte und Krankenschwestern auf sich zu lenken. Wäre Kanae hier, wäre es wahrscheinlich gar nicht mehr möglich gewesen, sie zu beruhigen.

"Uruha." sagte Kim leise, fast gar nicht hörbar - doch Uruha verstand genug und er versuchte zu lächeln. Doch es war ihm nicht möglich, denn er weinte nur noch mehr.

"Das ist alles nur ein beschissener Traum. Das kann nicht real sein. Das kann einfach nicht real sein, hörst du? Ich glaub das alles nicht." wimmerte Uruha, als im nächsten Moment der Chefarzt und einige Krankenschwestern im Zimmer standen.

"Himmellob sei Dank, sie ist wach!" grinste der Arzt und kam auf Kim, sowohl Uruha zu.

"Junge Frau, wie fühlen Sie sich? Sie müssen wissen, dass Sie jeden Tag besucht wurden und jeden Tag kamen neue Blumensträuße für Sie hier an." erklärte der Arzt darauf und brachte damit ein schwaches Lächeln auf Kim’s blasse Lippen.

"Danke." sagte sie nur leise und sah darauf den Arzt nur abwinken.

"Ich werde später noch mal herkommen, um zu sehen, wie es Ihnen geht. Ruhen Sie sich noch etwas aus." meinte der Arzt dann und ließ Kim erneut mit Uruha alleine.

"…es ist kein Traum, Uruha." sagte Kim dann und streichelte vorsichtig über Uruha’s rechten Handrücken. "Es ist alles echt." fuhr sie fort und trotzdem fühlte sich Uruha immer noch wie in einem Traum versetzt. Es war ein derart seltsames Gefühl, was er allerdings nicht näher beschreiben konnte. Aber eins war er auf jeden Fall - glücklich.

Und bevor es wieder zu spät sein und man daran nichts ändern konnte, kramte Uruha etwas aus seiner Hosentasche. Es war eine kleine Schmuckschatulle.

"Ich will dich nicht noch einmal verlieren. Nicht jetzt, wo ich dich doch wiederhabe." sagte Uruha und griff nach Kim’s linker Hand, nachdem er die Schmuckschatulle geöffnet und einen Ring mit einem violetten Stein herausholte.

"Was ist das?" fragte Kim unsicher, doch Uruha lächelte nur und steckte Kim den Ring an den Ringfinger. "Den alten hattest du verloren und er liegt immer noch bei der Polizei. Ich wollte dir unbedingt einen neuen kaufen und jetzt hast du ihn." erklärte Uruha darauf und beobachtete Kim, wie sie ihren Blick starr auf den Ring gerichtet hatte. Dabei rannen ihr erneut Tränen über die Wangen, die Uruha vorsichtig wegwischte.

Man konnte das Glück, welches man in diesen Moment empfand, gar nicht mit Worten oder Taten beschreiben und dennoch war es ein Gefühl, welches man nie wieder hergeben wollte - nicht, nachdem so viel passiert war.

Und Uruha war nicht egoistisch, er benachrichtigte sofort die anderen mit Kim’s Einverständnis. Sie fragte nur "Ich würde gerne…Kai sehen, geht das?" und Uruha hatte nichts dagegen einzuwenden, auch wenn er der Meinung war, dass Kim noch zu schwach für so viel Trubel auf einmal war. Aber er hatte ihr diesen Wunsch erfüllt, egal, was damals passiert war. Es war die Vergangenheit.

Es war auch nicht viel Zeit vergangen, als dann auch schon die anderen im Krankenhaus eingetroffen waren und es war überraschend, dass weder das Fernsehen, noch die Presse hier einmarschiert waren. Doch das war jetzt egal.

"Uruha! Wo ist Kim? Geht es ihr gut?" fragte Kanae sofort, als sie Uruha im Flur stehen sah. Er lächelte bloß. "Mach dir keine Sorgen. Es geht ihr gut." meinte Uruha, dem dann schon wieder Tränen in die Augen stiegen und er Kanae einfach an sich gerissen hatte.

"Kanae, sag mir, ist das ein Traum?" fragte er dann nur, obwohl er wusste, dass Kanae keine Antwort dafür hatte.

"Solange es sich echt anfühlt, ist es auch kein Traum." meinte Kanae dann nur, die Uruha vorsichtig von sich schob und ihm die Tränen aus dem Gesicht wischte.

"Wie fühlt sich Kim?" warf Ruki dann dazwischen, während die anderen Uruha darauf nur abwartend ansahen.

"Ich weiß es nicht…sie redet wenig. Aber sie möchte Kai sehen, das war ihr einziger Wunsch." erklärte Uruha und beobachtete Kai dabei, wie er erschrocken auffuhr.

"Ich weiß nicht, ob ich das jetzt kann." sagte Kai und senkte seinen Kopf.

"Es war ihr Wunsch. Tu Kim diesen Gefallen." meinte Reita dann, der einen Blick durch die Fensterscheibe warf und Kim in ihrem Bett liegen sah. Ihr Blick war starr nach draußen gerichtet. Vermutlich beobachtete sie die sich im Wind hin und herwiegenden Bäume.

"Geh schon zu ihr. Es ist in Ordnung." sagte Kanae dann und packte Kai an den Oberarmen. "Es ist in Ordnung, nicht wahr, Uruha?" fragte Kanae dann und warf Uruha einen abwartenden Blick zu.

"Ja. Geh zu ihr, sich braucht dich jetzt." meinte Uruha, obwohl genau diese Worte nur noch mehr Unbehagen bei Kai auslösten. Und irgendwie fragte Uruha sich, ob seine Worte überhaupt berechtigt waren - im Inneren seines Herzens wusste er aber, dass es genau so war. Kim brauchte jetzt nicht Uruha, sie brauchte jetzt Kai.

Und genau mit diesem Gedanken schleppte sich Uruha nach draußen, obwohl die anderen fragten, wohin er wolle. Doch Uruha gab nur "Ich gehe rauchen." als Antwort.

Die anderen kannten Uruha’s Gefühle und dennoch ließen sie ihn einfach gehen. Es würde ohnehin nichts nützen, ihn ausgerechnet jetzt mit Fragen zu löchern.

Währenddessen hatte Kai Kim’s Zimmer betreten. Ihm stiegen jetzt schon Tränen in die Augen und sein Herz tat weh, als er Kim da so liegen sah. Alles erinnerte ihn irgendwie an den Tag, an dem Kim entführt wurde. Es fühlte sich so grausam an und doch versuchte Kai es zu ignorieren.

"Hallo, Kimi." sagte er, als er näher an Kim’s Bett herangetreten war. Kim drehte sich mit einem schwachen Lächeln im Gesicht zu ihm um.

"Hallo." sagte sie leise und machte die Gestik die Kai aufforderte, sich zu ihr zu setzen.

"Wir…haben dich alle sehr vermisst und es ist auch sehr viel passiert." erklärte Kai und ließ sich vorsichtig an Kim’s Bett nieder.

"Uruha hat mir davon erzählt. Es tut mir leid, dass ihr alle…und vor allem du, meinetwegen leiden musstet. Das wollte ich wirklich nicht." meinte Kim, die bereits den Tränen nahe war. Kai schüttelte jedoch nur seinen Kopf und griff nach Kim’s linker Hand.

"Du kannst nichts dafür. Es ist nicht deine Schuld." erwiderte Kai und streichelte über Kim’s Handrücken, bis ihm dann auch schon der Ring an ihrem Finger auffiel.

"Du trägst einen hübschen Ring. Ist er von Uruha?" fragte Kai dann und sah Kim nicken.

"Er passt zu dir." fuhr Kai fort und versuchte dabei zu lächeln, wenn ihm nicht plötzlich Tränen über die Wangen rollten. "Es ist okay." sagte er dann und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

"Was hast du? Geht es dir nicht gut?" fragte Kim, die darauf nur beobachten konnte, wie Kai nervös im Zimmer hin und herlief. Er raufte sich die Haare und weinte. Kai wirkte wie ein verstörter Junge, der in diesem Augenblick die Welt nicht verstand.

"Nein, Kimi. Mir ging es die ganze Zeit nicht gut. Mir ging es nur wirklich gut, wenn du da warst, wenn du in meiner Nähe warst. Meine Gefühle für dich haben sich nicht geändert und sie werden sich auch nie ändern. Ich werde dich immer lieben. Immer." schluchzte Kai dann los und sah dabei in Kim’s erschrockenes Gesicht. Innerlich ahnte sie, dass Kai so etwas sagen würde. Natürlich konnte man Gefühle von heute auf morgen nicht verändern. Das ist unmöglich.

"Kai, sag das nicht." sagte Kim leise und senkte darauf ihren Kopf.

"Ich weiß, dass du Uruha liebst und dass du ihn immer lieben wirst. Aber soll es mir deswegen verboten werden, dich zu lieben?" fragte Kai dann nur und sah Kim, wie sie ihren Kopf schüttelte.

"Nein." sagte sie leise.

"Uruha wird nichts an meinen Gefühlen ändern. Und wenn du irgendwann aufhören solltest, ihn zu lieben, dann komm zu mir. Ich werde solange auf dich warten." meinte Kai und verließ fluchtartig Kim’s Zimmer, ohne, dass sie noch etwas dazu sagen konnte. Und sie wollte auch gar nichts dazu sagen, denn es würde nichts bringen.

Darauf kamen die anderen nach einander in das Zimmer. Kanae war kaum zu beruhigen, als sich diese in Kim’s Arme geworfen und losgeweint hatte.

Jeder Einzelne war auf seine Art und Weise glücklich. Einer zeigte es mit Tränen, der andere mit einem Lächeln. Vielleicht würde dieses Lächeln auch für ewig bleiben, bis der Tag kam, an dem Kim wieder nach Hause durfte.

Es hatte gar nicht lange gedauert, bis die Ärzte Kim entlassen hatten - um genau zu sagen, hatten sie Kim direkt an Weihnachten entlassen. Sie war gesund, körperlich gesund.

Die seelischen Wunden würden noch lange Zeit brauchen, bis sie ganz verheilt waren. Aber Kim hatte gute, sogar sehr gute Freunde, die ihr dabei helfen würden.

Im Grunde genommen hatte es Kim nur in ihrem "früheren Leben" schlecht gehabt, jetzt konnte man sie als einen Menschen bezeichnen, der sich glücklich mit seinem jetzigen Leben bezeichnen konnte.

Es war ein neuer Anfang, für ein neues Leben.

Noch weiß man nicht, was die Zukunft einem verspricht.

Man weiß nur, dass man sie gemeinsam erlebt.

Aber wahrscheinlich wird es noch viele Tage geben, an denen man zusammen lacht oder zusammen weint. Es wird Höhen und Tiefen geben, die man leider nicht ändern kann.

 

"I will walk together, the future not promised.

It keeps walking together, to the future in which you are…"

Ende…

 

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update: 18-Feb-2008  
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