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2

 

Die restliche Nacht verging rasend schnell, sodass man es selbst kaum glauben konnte. Doch es war nun mal so und auch Ruki, der bereits am Frühstückstisch saß, konnte es nicht ändern. Gähnend starrte er in seine Kaffeetasse, rieb sich völlig verschlafen die Augen, die er mit Mühe offen hielt. Er war müde, hatte die restliche Nacht kein Auge mehr zugetan - zu sehr hielten Aoi’s Worte ihn wach.

Aber dann zuckte er erschrocken zusammen, als ein lautes Pfeifen ertönte.

"Morgen, Ruki!" ertönte die freche, aber dennoch irgendwie niedliche Stimme des Schlagzeugers Kai, der sich auf den Platz neben Ruki niederließ und auch schon Uruha, der mit nassen Haaren und einem dunkelblauen Handtuch über den Schultern, in die Küche geschlurft kam und laut gähnte.

"Morgen." sagte er und ließ sich auf den Platz gegenüber von Ruki nieder.

Prüfend starrte Uruha diesen dann an.

"Du siehst irgendwie zerknittert aus, hast du nicht geschlafen?" fragte Uruha nur und goss sich dabei Kaffee in seine Tasse, die ihm Kai vor die Nase gestellt hatte.

Ruki reagierte aber nur erschrocken, als wäre er in Gedanken versunken und nun herausgerissen wurden.

Jedoch war dem nicht so.

Aber Ruki sah dennoch sehr erschrocken aus und es brachte Uruha zum Schmunzeln.

"Was ist denn mit dir los? Heute so schreckhaft? Das passt nicht zu dir, Ruki." sagte Uruha und nippte nun an seiner Tasse, sah dabei Ruki an, der mit seinem Kopf schüttelte und die Tatsache mit einem Lächeln zu überspielen versuchte.

"Red nicht so’n Quatsch! Ich bin einfach nur müde." meinte Ruki und nahm einen großen Schluck von seinem Kaffee, während Kai ihn von der Seite nur prüfend anstarrte.

"Du hast wieder mal schlafgewandelt. Ich hab dich gehört, außerdem hast du geschrieen." sagte Kai nun und Ruki drehte seinen Kopf in seine Richtung.

"Ich bin kein Schlafwandler, dass solltest du aber mittlerweile wissen. Ich konnte lediglich nicht schlafen und außerdem hatte ich‘n Alptraum." widersprach Ruki und nahm nochmals einen großen Schluck von seinem Kaffee, als ihn jemand auf den Rücken klopfte und er sich fast an seinem Kaffee verschluckt hätte. Als er sich dann umdrehte, sah er direkt in Reita’s Gesicht. Reita war eigentlich immer derjenige, den man selten lächeln sah, wenn er nicht gerade mit Aoi herumalberte oder irgendwelche Videodrehs und Photoshootings anstanden - doch an diesem Morgen tat er es, lächelte von selbst. Er lächelte jedoch frech in Ruki ‚s Gesicht.

"Moin." sagte er und ließ sich auf den Platz gegenüber von Kai nieder.

Ruki starrte Reita fast schon verblüfft an und als wenn er ihn so das erste Mal sehen würde. Aber so war Reita eben nur daheim zu betrachten - zerzaust und ohne Tuch vor seiner Nase. Für Ruki schien diese Tatsache, dieser Anblick immer ungewohnter zu werden, denn noch nie hatte er so darauf geachtet, wie in diesem Moment. Er hatte das dumpfe Gefühl, sich langsam von den Menschen zu entfernen, mit denen er seine meiste Zeit verbrachte - hier und auch im Studio oder auf Tour. Er hing fast vierundzwanzig Stunden mit Uruha, Aoi, Reita und Kai zusammen und für manch anderen wäre das schon längst unnormal - aber für Ruki war es eine Familie.

 

Reita runzelte dann nur argwöhnisch die Stirn.

"Hab ich was im Gesicht?" fragte Reita und goss sich Kaffee in eine Tasse, hätte gar beinahe etwas danebengetippt, wenn er es nicht noch rechtzeitig verhindert hätte und nahm anschließend auch gleich einen Schluck aus seiner Tasse.

Ruki aber schüttelte nur seinen Kopf, musste aber dennoch über Reita’s zerzaustes Haar lächeln. "Es ist nichts." sagte er dann nur und stellte fest, dass noch Aoi fehlte. Aber das war überhaupt nichts Neues. Aoi war nicht unbedingt als ein Frühaufsteher bekannt. Gelegentlich kam es schon vor, dass er erst am späten Nachmittag aufstand und manchmal fragten sich die anderen, was er immer so lange macht, dass er dann früh nicht aus dem Bett kam und immer dann knurrig reagierte, wenn man versuchte, ihn zu wecken. Abgesehen davon war Aoi zudem einer derjenigen, die gerne für Stunden das Badezimmer belegten. Doch als dieser Gedanke, was mehr oder weniger eine wahre Tatsache war, verflog, schlurfte Aoi bereits schweigend und mit total zerzausten Haaren, die aussahen, als hätte er seit langer Zeit keinen Kamm mehr gesehen, in die Küche und ließ sich unmittelbar auf den Platz neben Reita und Kai nieder.

Schweigend griff er nach der Kaffeekanne, die jedoch schon leer war und Aoi hasste es, wenn er früh kein Kaffee bekam. "Kaffee ist alle…" stöhnte er und stand wieder auf. Gähnend stand er nun vor der Marmorplatte des Küchenschranks und wartete gespannt darauf, als er neuen Kaffee aufsetzte, dass dieser endlich fertig wird.

"Ein ’Morgen’ hätte auch gereicht, Aoi." murmelte Uruha, der zu Aoi schielte und dabei an seiner Kaffeetasse nippte.

Aoi schielte auch ihn an und seufzte dann. "Was dagegen, wenn ich rauche?" fragte Aoi nur und sah abwartend in die Gesichter seiner Bandkollegen.

Obwohl er sich diese Frage sparen konnte,, denn er wohnte ja nicht erst seit gestern mit Ruki und den anderen dreien unter einem Dach.

Diese Frage war regelrecht schwachsinnig und überflüssig, auf das keiner weiter darauf einging. Und dennoch war es nicht die "Etikette" der Jungs, unbedingt schon am Frühstückstisch zu rauchen und wenn es dann doch sein musste, so gingen sie meistens auf die Terrasse. Aber dem war dieses Mal überhaupt nicht so.

"Nö." meinte Kai, der auch schon seine Zigarettenschachtel hervorholte.

Selbst die anderen, bis auf Ruki, folgten dem Beispiel von Kai.

"Soll das jetzt eine Verschwörung gegen mich werden?" fragte Ruki plötzlich, der als einziger nicht rauchte - obwohl er es des Nachts immer heimlich tat.

Aber was sollte diese Frage jetzt?

Die anderen verstanden es nicht und starrten ihn auch nur erschrocken, gleichzeitig auch verwundert an. Aoi, der am Küchenschrank stand, musste plötzlich auflachen und schlug dabei mit der rechten Faust auf die Marmorplatte des Schranks.

"So’ne blöde Frage kannst auch echt nur du stellen, weißt du das? Fass dich doch besser mal an deine eigene Nase." meinte Aoi und sah nun in Ruki’s Gesicht.

Alles verspannte sich plötzlich in dem 23jährigen, der auch Aoi’s Reaktion nicht verstehen wollte. Ein kleines Kind würde jetzt sagen "Du bist ja gemein!". Doch Ruki versuchte nur darüber zu lächeln und stand dann auf. Er wusste aber, worauf Aoi hinaus wollte. Ruki sollte wohl jene Worte sagen "Ich muss gestehen, ich habe auch wieder angefangen." Diese Worte kamen aber nicht einmal in Ruki’s Sinn, geschweige denn über seine Lippen. "Das ist mir zu viel Kindergarten. Ich geh jetzt duschen und bin dann für ein paar Stunden weg." erklärte Ruki und verschwand aus der Küche.

Die Blicke von Uruha, Kai und Reita lagen nun allein auf Aoi’s Gesicht, welches immer noch Ruki’s Richtung zugewendet war.

"Ich habe das Gefühl, dass ihr beide ziemlich zerknittert seid." meinte Uruha nun und zog dabei intensiv an seiner Zigarette.

Sein Blick ruhte weiterhin auf Aoi, der wiederum nun die Kaffeemaschine anstarrte.

"Mag schon sein." sagte Aoi und zog nun auch an seiner Zigarette.

"Ihm scheint die ganze Sache wohl doch näher zu gehen, als erwartet. Dabei hätte er sich doch mit unserem Manager zusammensetzen und die Sache klären können. Aber nein, er ließ es einfach so kommen." seufzte Kai dann und klopfte dabei mit den Fingerkuppen seiner rechten Hand auf dem Tisch herum. Reita aber sah Kai nur schief an, grinste dann aber in sich hinein. "Ich glaube, der Junge braucht einfach mal wieder’ne Frau im Bett. Hey, Ruki is’ ja auch kein kleines Kind mehr und irgendwo muss er auch mal seine Hörner abstoßen können." meinte er und ließ seinen Blick durch die Runde wandern. Die anderen sahen Reita aber nur verwundert an, Aoi musste dann auch schon grinsen und auch Uruha, sowie Kai konnten es sich nicht weiter verkneifen.

"Und so was kommt aus deinem Mund, Reita? Ich glaube eher, du bist hier derjenige, der mal wieder’ne Frau im Bett braucht. Außerdem beklagst du dich doch seit neuestem ständig bei mir, dass du seit langem keinen Sex mehr hattest." grinste Aoi und hatte dann auch schon ein Geschirrhandtuch im Gesicht.

"Halt die Klappe!" meinte Reita, welcher einen peinlich berührten Blick im Gesicht trug. Dabei war es wohl eher weniger dieser Wunsch, den Reita verspürte. Es war eher der Wunsch nach richtiger Liebe und nicht nur nach einer Nacht.

" Wie dem auch sei. Er selber scheint nicht auf seine Gesundheit achten zu wollen. Angefangen von Schlafstörungen, zu hohen Blutdruck, Nasenbluten und dann ist er einfach umgekippt. Er ist einfach rücksichtslos mit sich selber. Das wir es eventuell nur gut meinen könnten, ist ihm irgendwie scheißegal und jetzt hat er den Salat. Und hätte Ruki mit dem Management geredet, so wäre er auch nur auf taube Ohren gestoßen. Sie sagen alle genau dasselbe und Ruki soll auch endlich anfangen, das zu akzeptieren, statt depressiv zu werden oder anzufangen, wie ein kleines Kind zu bocken." meinte Uruha, der in diesen Moment die meisten Blicke auf sich zog. Er hatte auch Recht damit.

Ja, und irgendwie schien es gerade kein anderes Problem zu geben als das, dass Ruki depressiv war…

… und das wohl jeder hier im Haus mal wieder eine Frau zu brauchen schien.

Doch wenn alle so sorglos wären oder gerade keine anderen Probleme hatten, wieso konnte es dann auch nicht bei Ruki so sein?

Er versuchte verzweifelt mit seiner eigenen Situation klar zu kommen, quälte sich regelrecht damit herum - und doch fand er immer noch keinen Ausweg.

Selbst als er unter der Dusche stand und das warme Wasser erbarmungslos auf sich niederprasseln ließ, fand er diesen Ausweg nicht. Ruki hoffte inständig, endlich wieder einen klaren Kopf zu bekommen - doch selbst diesen bekam er nicht.

Er war innerlich blockiert.

 

"Ich muss hier raus!" sagte er wenig später, als er wieder in seinem Zimmer stand und nach einer Jacke in seinem Kleiderschrank kramte. Als er dann endlich eine hatte und sich diese überzog, stürmte er auch schon aus dem Zimmer und aus dem Haus.

Niemand fragte wohin er wollte.

Niemand fragte was er vorhatte.

Niemand fragte wann er wiederkommen würde.

Sie ließen ihn einfach gehen, vielleicht würde er somit etwas klarer im Kopf werden. Vielleicht brauchte Ruki einfach nur einige Stunden für sich, abgesehen von den Nächten in denen er oftmals allein in der Küche saß, wenn Aoi ihm nicht gerade Gesellschaft leistete.

Und er rannte dann einfach, ohne zu wissen warum er es eigentlich tat.

Er hatte lediglich das Gefühl, rennen und seinen Puls bis aufs Äußerste treiben zu müssen. Ihn interessierte es auch nicht, dass die Leute ihn anstarrten, als wäre er kein Mensch von dieser Welt. Sie starrten nur und schüttelten ihre Köpfe. Aber Ruki kümmerte es nicht, er versank in seiner eigenen Welt.

Er versank in einer anderen Welt - in eine Welt, in der nur er und die Leere existierten.

Es existierte wirklich nichts weiter darin.

Doch dann blieb Ruki einfach stehen und blickte in alle Richtungen. Beobachtete in diesen Moment, in dem die vermisste Ruhe seine Seele beherrschte, die Menschen.

Er sah die Kinder, die zum Bus liefen und er sah auch die Menschen, die ihren Weg zur ganzzeitlichen Arbeit folgten und Jugendliche, die einfach nur einen Bummel durch die Stadt machten. Die Straßen waren wie immer überfüllt, der Verkehr war auch wie immer laut und riss Ruki wieder aus seinen Gedanken, brachte ihn dazu, weiterzulaufen. Es war irgendwie eine unendliche Strecke, die Ruki da hinter sich gebracht hatte - er wusste mittlerweile schon gar nicht mehr, wohin er eigentlich lief.

Er folgte einfach seinem Bauchgefühl, welches ihn nun in einen Park führte.

Eigentlich war es ein schönes, gleichzeitig romantisches Bild welches sich da vor seinen Augen abspielte - die strahlende Frühlingssonne kämpfte ihre hellen Strahlen durch die Baumkronen, welche gerade wieder anfingen zu Grünen. Das Zwitschern der Vögel klang dabei wie lieblicher Gesang in den Ohren. Ja, es war endlich Frühling. Aber das war gerade nicht der Gedanke, den Ruki hatte.

Er war lediglich nur fasziniert von der Natur - sie hatte nach dem ewigen Grau des Winters endlich wieder angefangen aufzublühen.

Völlig in sich gekehrt starrte der 23jährige dann vor sich hin, war verwundert darüber, wie wenig Menschen doch diesen Park passierten - obwohl es für diese Uhrzeit weniger üblich war. Ruki lief dann aber auch schon unbemerkt weiter, ließ seinen Blick von einer zur nächsten Richtung wandern, summte dabei irgendein Lied vor sich hin.

 

3

 

Zur selben Zeit, unmittelbar in der Nähe des Parks - der eigentlich den Namen Hibiya-Park trug, welcher eigentlich von vielen Menschen besucht wurde.

Dieser Park wurde zudem oft und sehr gerne von Pärchen besucht, da dieser eine romantische Ausstrahlung auf die Menschen hatte. Der Hibiya-Park war auch ein beliebter Ort, den Touristen gerne aufsuchten - oft aufgrund der Farbenpracht der Blumen, die hier im Frühling anfingen zu blühen.

Aber dies war in diesem Moment völlig unwichtig…

Auf dem Gehweg lief ein Mädchen, wie jedes andere eigentlich auch - sie war hübsch, mit einem kindlich wirkenden Gesicht, dunklen Augen und schwarzbraunem, schulterlangen Haar. Sie war sehr schlank, man könnte sagen fast dünn und sie war auch nicht sehr groß, vielleicht auf 1,58m geschätzt. Dennoch konnte man ihr genau ansehen, dass sie noch jung sein musste - aufgrund ihres Erscheinungsbildes. Aber selbst der Schein kann manchmal trügen, denn Japaner sind allgemein dafür bekannt, das man ihnen das Alter nicht so schnell ansehen kann. Und abgesehen davon trottete dieses Mädchen in Richtung Hibiya-Park, blieb hin und wieder stehen, zeichnete auf einem Block die an ihr vorbeiziehenden Menschen. All das brachte sie jedoch nur zum Seufzen. Brachte sie dazu, ihren Weg weiter fortzusetzen und sich auf irgendeine Bank zu setzen. Dann starrte sie einfach nur, ließ sich dabei die Geschehnisse vor ihrem geistigen Auge nochmals vorbeiziehen und schrieb es neben die Zeichnung - und plötzlich klingelte ein Handy. Rasch kramte das Mädchen ihr klingelndes Handy aus der rechten Jackentasche und ging ran. "Moshi, moshi!" sagte sie nur mit ihrer sanften, kindlichen Stimme und wartete ungeduldig auf eine Antwort. Sie hörte aber nur ein leises Kichern.

"Moshi, moshi, Kana!" ertönte es Sekunden später und das Mädchen, welches bei dem Namen Kana genannt wurde, erkannte nun die Stimme ihrer Freundin Kim - nur sie und ihre engsten Freunde durften sie bei ihrem Spitznamen nennen, jeder andere durfte sie nur ´Kanae´ nennen .

Sie und Kanae kannten sich bereits seit der Mittelschule und auch Kim war es, die Kanae zu dem machte, was sie heute war - ein Mädchen, welches sich nicht mehr vor den Menschen verschloss und dennoch so sanft wie ein Engel sein konnte. Früher war das völlig anders. Früher verschloss sich Kanae vor jedem, der ihr versuchte nahe zu kommen. Grund dafür war ihre Familie - ihre Mutter ging nach der üblichen Arbeit anschaffen, um ihren Drogenkonsum finanzieren zu können und nicht die Haushaltskasse anreißen zu müssen. Kanae’s Vater war ein Säufer, ein Tyrann der seine Frau und Töchter schlug. Er war einfach nur ein Mensch, den man nicht mit Worten beschreiben konnte. Doch selbst das war nicht das Ende der Fahnenstange - denn in den Abendstunden ging er immer für ein "Schäferstündchen" zu Kanae’s älterer Schwester Sanae, die wie ihre Mutter anschaffen ging. Die einzig normale und strebsame Tochter des Hauses Nakajo war wirklich nur Kanae, welche das Zusammenleben mit ihrer Familie irgendwann nicht mehr aushielt und zu ihrer Tante zog, die im Endeffekt sogar das Sorgerecht für Kanae bekam. Doch die Geschichte über Kanae’s Familie war für viele Neider, aufgrund Kanae’s niedlichen Aussehens, ein gefundenes Fressen - somit begann auch das Mobbing in der Schule, welches Kanae auch heute noch in Gedanken an ihre Vergangenheit plagte und nicht nur weil sie ihren jetzigen Kolleginnen schon von Anfang an ein Dorn im Auge war. Warum, blieb einfach unergründlich.

Kanae arbeitete je nach Schicht und Plan zusammen mit Kim in einem gut belaufenen Nachtclub namens "Golden Gate" als Hostess und verdiente auch recht gut.

Aber Kanae wählte diesen Job auch nur, weil sie weder ein noch aus wusste - aber sie hatte Kim, die ihr wie in alten Zeiten zur Seite stand. Damals verloren sich die beiden aus den Augen, doch bei einer Abi-Party traf Kanae Kim wieder und zog noch in derselben Nacht von ihrer Tante weg. Zog vorerst zu Kim nach Tokio, die dort mit ihrem Freund Toshi wohnte. Doch das Kanae je erleben musste, dass es Kim wohl doch schlechter hatte, als sie es glauben wollte, konnte Kanae gar nicht erst begreifen.

Sie erlebte hautnah mit, wie Kim geschlagen und gegen ihren Willen zum Sex gezwungen wurde. Es war ein regelrechter Alptraum, den Kanae da erlebte - doch war es nur ein Alptraum, der nicht ihr eigener war. Und nun lebte Kanae alleine und Kim wohnte auch oft wochenlang bei ihr, wenn es wirklich nicht mehr auszuhalten war. Beide waren seither und wie früher immer für einander da - nur der Tod könnte sie wohl trennen, doch selbst das schien für beide unmöglich.

Ja, als Kanae Kim’s Stimme hörte, erinnerte sie sich plötzlich an alles zurück - von Anfang bis jetzt.

"Hast du heute noch was vor?" riss Kim’s Stimme sie aus den Gedanken und brachte sie zum Zusammenzucken. "Kana? Hallo?"

Kanae schüttelte ihren Kopf und sah auf ihre silberne Armbanduhr.

"Nein, eigentlich nicht. Ich sitze an diesem schönen Sonntagmorgen im Park, nachdem ich den Club verlassen konnte und kritzele nun irgendwelche Menschen auf ein Blatt Papier oder schreib irgendetwas daher. Du kennst mich ja." erklärte Kanae, welche nun wirklich angefangen hatte, zu schreiben. Sie hörte Kim dann nur lachen.

"Armes Ding. Soll ich vorbei kommen? In welchem Park sitzt du?" fragte Kim und wartete einen Moment lang auf Kanae’s Antwort.

"Nein, nicht nötig. Du willst doch bestimmt mit deinem Herzallerliebsten deinen freien Tag verbringen, oder etwa nicht?" entgegnete Kanae dann nur und sah nochmals auf ihre Uhr - es war erst kurz nach 10.30Uhr.

"Wenn ich könnte, würde ich liebend gern darauf verzichten." meinte Kim und hörte Kanae am anderen Ende der Leitung auflachen.

"Das glaub ich dir nur zu gern. Ich sitze dafür lieber im Park und genieße gleichzeitig die frische Luft und das schöne Wetter." sagte Kanae und kritzelte nebenbei einen kleinen Vogel aufs Papier. Dann hörte sie Kim nur seufzen.

"Dir ist wirklich nicht zu helfen, Kana. Ich denke es wird allerhöchste Eisenbahn, dass du mal wieder einen Freund abkriegst und dann lass weiter sehen." lachte Kim und hörte Kanae ebenfalls lachen.

"Hey, jetzt wird’s aber pervers! Nein, ich muss mich schon auf einen Schlag verlieben und nicht, weil du mir es unterjubeln willst." meinte Kanae und ließ ihren Bleistift fallen. Im nächsten Moment verabschiedete sie sich dann auch schon von Kim und wandte sich ihrem Bleistift zu, den sie vom Boden aufhob. Als Kanae dann einen Augenblick lang inne hielt und sich dann ihrer eigentlichen Beschäftigung wieder widmete, so traf es sie auch schon wie ein Blitz - nicht weil sie sich vor irgendetwas erschrocken hatte, sondern war viel mehr über einen jungen Mann erstaunt, welcher langsam an ihr vorbeilief. Nein, sie setzte es wohl eher mit Faszination gleich - denn so jemanden hatte Kanae noch nie gesehen, zumal dieser junge Mann auch noch verdammt gut aussah. Für Kanae glich er wie ein Engel, dessen Haar durch die Sonnenstrahlen fast golden erschien. Seine Art zu gehen, seine Mimik und alles an ihm war überhaupt nicht so, wie es Kanae bisher sah und erlebte.

Dabei war es eigentlich nur Ruki, der an ihr vorbeilief und Kanae dabei tief in die Augen sah. Kanae’s Herz schlug in diesem Moment bis zum Hals, ihr Puls raste förmlich. Sie glaubte noch nie so einen Menschen gesehen zu haben, obwohl Ruki eigentlich ein ganz normaler junger Mann war. In ihr hingegen stieg aber das Verlangen auf, ihn hier und jetzt bei sich haben zu wollen - somit ihr erwünschtes Ziel endlich erreicht zu haben.

Endlich das gefunden zu haben, nachdem sie sich schon so lange gesehnt hatte.

Doch so wie er aufgetaucht war, so verschwand Ruki auch schon wieder. Auch wenn Kanae nun weniger schüchtern anderen Menschen gegenüber war, so wagte sie sich es doch nicht, Ruki einfach anzusprechen und sich danach zu erkundigen, ob er für Kanae wohl für ein Bild Modell stehen würde - was sich wohl danach vielleicht noch ergeben könnte, ließ man noch dahin gestellt. Aber sie bereute es fast schon wieder, es nicht getan zu haben, zumal auch noch ein Gefühl in ihr wach wurde, was ihr sagte, diesen jungen Mann schon einmal irgendwo gesehen zu haben.

"Wer war das? D-das es solche ´schönen´ Menschen noch gibt…" murmelte Kanae, die wie gebannt in die Richtung starrte, in der Ruki verschwunden war. Unruhig klopfte sie mit den Fingerkuppen auf ihren Knien und seufzte vor sich hin. Das Auftauchen dieses jungen Mannes, von Ruki, ließ sie einfach nicht in Ruhe - für sie war er nicht nur irgendein Mensch, nicht wie jeder andere. Für sie war Ruki von Anbeginn dieses kurzen Augenblicks etwas Besonderes, sein Äußeres war etwas Besonderes - obwohl es tausende von Menschen in Japan geben konnte, die dem ähnlich waren. Doch diesen Gedanken hegte Kanae erst gar nicht und stattdessen zappelte sie nur noch mehr, fasste dann einen Entschluss: Ihn wollte sie nicht so einfach gehen lassen, auch wenn es vielleicht irrsinnig und dumm, vielleicht sogar schon kindisch erschien. Aber Kanae hätte sonst keine ruhige Minute mehr. Sie stand auf und lief Ruki nun einfach nach - obwohl sie nicht wusste, welche Richtung er eingeschlagen hatte. Sie hielt dennoch verzweifelt Ausschau nach ihm. Kanae hatte auch begonnen, dabei schneller zu laufen und hoffte inständig, ihn doch wieder zu sehen. Diesen Menschen, der ihr wie ein Engel erschien.

Doch dann kam sie auf dem Gehweg außerhalb des Parks an, dort waren so viele Menschen - wie sollte sie ihn da nur wieder finden? Für Kanae war es nun schon wieder fast unmöglich. Alles erschien ihr plötzlich so unmöglich, auch wenn es kindisch war. Aber nicht das zu finden wonach man seit Ewigkeiten gesucht hatte, um seinem Wunsch doch etwas näher zu kommen, prägte sie schon etwas. Und Kanae hielt es auch nicht davon ab, weiter nach Ruki zu suchen - sie drängelte sich durch die Menschenmenge, ihr Blick schwelgte dabei in jede erdenkliche Richtung. Dort waren viele Menschen, die hellblond gefärbtes, kurzes Haar hatte. Viele dieser Menschen hatten auch sanfte, traurig erscheinende Gesichtszüge und doch war nicht diese bestimmte Person dabei. Noch nie hatte Kanae so ein starkes Verlangen danach, jemanden unbedingt wieder sehen zu müssen. Sie hatte es schon fast aufgegeben, doch mit Ruki flammte alles wieder auf.

 

…Ich werde dich finden…

 

Ein heftiger Windstoß riss Kanae’s Zeichnungen und beschriebenen Zettel aus den Händen. Völlig erschrocken und einem kalten Schauder, der ihren Körper durchfuhr, auf zuckte Kanae zusammen, bevor sie überhaupt realisierte, was da eben passierte.

Doch dann kam es über sie und Kanae rannte blindlings auf die Straße - dabei kannte sie die Gefahr nicht, ihr Leben zu riskieren und nur weil simple Zeichnungen oder beschriebene Zettel ihr wichtiger waren. Sie hing einfach daran und doch merkte sie plötzlich, wie sie von hinten geschubst wurde und unsanft auf die Knie fiel.

Der vibrierende Schmerz lenkte Kanae nun vollkommen von der Tatsache ab, dass sie sich auf dem Bürgersteig der anderen Straßenseite befand. Sie realisierte dann das Geräusch eines Aufpralls, dann den lauten Aufschrei einer jungen Frau - bis dann für einen Augenblick lang eine grausame Stille einzog, die jedoch rasch gebrochen wurde.

"Ruft sofort einen Krankenwagen!" ertönte es auch schon, als Kanae sich aufrappelte und anschließend umdrehte. Sie sah die Menschen, die sich auf der Straße zu einem großen Haufen zusammentummelten. Bei diesem Anblick pochte Kanae’s Herz wie wild in ihrer Brust - es schmerzte gar schon unheimlich, doch wagte sie es nicht weiter, an diesen Schmerz zu denken und wie ihr Puls zu rasen begann. Das Atmen fiel ihr mit einem Mal schwerer - das Gefühl, Schuld an diesem Szenario zu haben, wuchs stetig weiter und vorsichtig drängelte Kanae sich durch die Menschenmasse. Sie erkannte auch nach wenigen Sekunden, dass sie jetzt da liegen würde, wenn sie nicht von der Straße geschubst worden wäre. Sie erkannte auch, dass es dieser junge Mann war, dass es Ruki war, der da auf dem trockenen Asphalt zusammengekrümmt lag.

Vollkommen perplex und gleichzeitig wie in Trance gefallen, kniete Kanae sich zu ihm auf den Asphalt und ihre aufgeschürften Knie schmerzten dabei. Die Menschen um sie herum starrten nur, während jemand einen Krankenwagen rief.

"Hey, alles okay?" fragte eine junge Frau, die sich zu Kanae runtergebeugt hatte. Doch Kanae war keineswegs ansprechbar, ihr Blick war nur starr auf Ruki gerichtet.

"Mädchen, bist du noch da?" fragte diese junge Frau wieder, bis sie nun endlich realisierte, dass Kanae unter Schock stand - augenblicklich müsste ein Krankenwagen eintreffen, denn diese Art Schock konnte für "labile" Menschen auch tödlich enden.

Man bemerkte nun auch, dass Ruki bei Bewusstsein war.

Scheinbar hatte er sich selbst vor Schlimmeren bewahren können.

Vor Schmerz aufstöhnend drehte er sich zu Kanae um, der er direkt ins Gesicht sah - sah wie ihr Tränen über die Wangen rollten. Ihr Anblick ließ tatsächlich sein Herz schneller in seiner Brust schlagen, den Schmerz in seinen Beinen und Armen für einen Augenblick lang vergessen und im selben Moment hörte man die lauten Sirenen des Krankenwagens.

 

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update: 18-Feb-2008  
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