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4

 

Das Telefon klingelte einige Male und es erschien nervtötend, allerdings achtete wohl keiner darauf. Doch dies konnte auch ein großer Fehler sein. Und nachdem es noch ein Mal klingelte, schlurfte Aoi mit der Zigarette im Mundwinkel und einem Glasaschenbecher in der linken Hand zum Telefon. Er nahm den Hörer ab.

"Joyama am Apparat." sagte Aoi und zog dabei an seiner Zigarette, während ihn jemand von hinten an seinem schwarzen Hemd herumzupfte. Rasch wagte Aoi mit dem Hörer am linken Ohr einem Blick nach hinten und sah nun direkt in Reita’s Gesicht, in dem ein leichtes Lächeln zu erkennen war. Im selben Moment lauschte der 26jährige auch den Worten in der Leitung und fuhr zusammen.

"Wie bitte? Was? Natürlich, wir kommen sofort!" sagte Aoi und legte den Hörer auf.

Der entsetzte Gesichtsausdruck konnte jedem verraten, dass es sich um nichts Gutes handeln musste . Selbst Reita bekam dies mit und warf Aoi nur abwartende Blicke zu.

"Ist was passiert?" fragte er dann und versuchte von Aoi einen Blick zu erhaschen.

Doch Aoi sah überall hin, nur nicht zu Reita.

"Wir müssen sofort ins Krankenhaus." meinte Aoi nur und stellte den Aschenbecher neben dem Telefon ab. Reita jedoch verstand in diesem Moment gar nichts und schüttelte nur seinen Kopf, seine Haare flogen dabei hin und her.

"Was ist denn passiert?" fragte er nochmals und hoffte nun auf eine Antwort.

Aoi wurde nervös, war völlig konfus und wusste nun gar nicht, was er als nächstes tun sollte - obwohl er doch soeben ins Krankenhaus wollte.

Reita merkte diese Verhaltensstörung genau und packte Aoi vorsichtig an den Schultern.

"Aoi, was ist passiert?" wiederholte Reita seine Frage nochmals, seine tiefe und dennoch jungenhafte Stimme war klar und deutlich und er versuchte es langsam auszudrücken, sah dabei intensiv in Aoi’s dunkle Augen. Sie waren plötzlich so glasig. Und Reita erkannte, dass Aoi Angst hatte - obwohl er keinen Grund dazu hatte. Doch heute war einer dieser Tage, an denen selbst Aoi empfindlicher und sensibler war.

"Aoi!" wurde Reita nun etwas lauter und rüttelte Aoi vorsichtig. Dieser sah ihn nun starr an. "Ruki hatte einen Unfall!" fuhr Aoi Reita nun an und riss sich von diesem los. Eine Art Kurzschlussreaktion hatte ihn wohl in die Realität zurückgeholt. Aoi’s Blick jedoch erschien dabei so ängstlich, dass es fast ansteckend werden und auch Reita erahnen konnte, dass es Ruki womöglich schlecht erging.

Oder auch nicht…

Aoi war währenddessen nun ins Wohnzimmer gestürmt, in dem Uruha saß und in einer Zeitung blätterte, während Kai dösend und mit einer Zigarette in der rechten Hand auf der bordeauxfarbenen Ledercouch lag.

"Zieht euch an, wir müssen ins Krankenhaus!" fuhr Aoi die beiden an. Uruha legte die Zeitung weg und setzte seine Brille ab, rieb sich die Augen und wandte sich dann Aoi zu.

"Warum denn das? Hat Ruki eine drauf gekriegt?" fragte Uruha nun und stand auf. Dabei sah er Aoi nur seinen Kopf schütteln.

"Er musste wohl den Retter in der Not spielen. Er hat ein Mädchen von der Straße geschubst und wurde statt ihrer Stelle, selbst vom Auto erwischt." erklärte Aoi, der zum Wohnzimmertisch lief und nach seiner Zigarettenschachtel griff, während Kai sich staunend aufrichtete.

"Echt jetzt?" fragte Kai und seine Stimme klang dabei wie die eines kleinen Jungen.

Er drückte den letzten Rest seiner Zigarette im Aschenbecher aus und streckte anschließend die Arme von sich. Aoi nickte nur und verschwand dann in seinem Zimmer, man konnte laut die Tür knallen hören. Kai grinste währenddessen nur.

"Sich wegen einem Mädchen vors Auto schmeißen, dass ist echt mutig von Ruki." meinte Kai nur und rieb unbemerkt seine Hände auf den Knien.

Uruha seufzte nur und steuerte zum Flur.

"So würde ich das nicht bezeichnen, das hätte auch schief gehen können." meinte er dann und verschwand im Badezimmer. Reita war in diesem Moment wirklich der Einzige, der wohl nichts dazu zu sagen hatte - obwohl auch er nicht gerade sehr erfreut über diese Nachricht war. Jeder hier im Haus war erschrocken darüber, zumal niemand damit rechnete, dass Ruki sich wegen einem fremden Mädchen von einem Auto erwischen lassen würde.

Dabei war es eher eine Kurzschlussreaktion, die er in diesen Moment erlebte.

Wenig später hatte man sich bereits um Ruki gekümmert - bei diesem Unfall hatte sein rechter Arm stark darunter gelitten und auch einige Schrammen kennzeichneten sein blasses Gesicht, sowie eine Verstauchung seines linken Beines. Kanae hingegen erlitt lediglich nur Schürfwunden an den Knien, sowie Innenhandflächen und einen Schock, als sie Ruki auf dem Boden so liegen sah - fast hätte sie geglaubt, dass er umgekommen wäre, wenn er sich nicht unter Schmerzen doch noch zu ihr umgedreht hätte.

Doch Kanae’s Schock kam relativ spät und war auch nicht von langer Dauer, auch wenn selbst das ihr das Leben hätte kosten können. Aber dafür wusste die 21jährige eins: Sie würde bis in alle Ewigkeit in Ruki’s Schuld stehen. Wie sie diesen Unfall wieder gut machen könnte, wusste sie aber nicht. Es war aber auch ein seltsames Gefühl, welches Kanae’s Körper durchfuhr, als ihr jemand das Leben rettete - ja, so etwas tat bisher niemand für sie. Vielleicht war dieses Gefühl aber auch nur diese endlose Dankbarkeit.

"Kanae? Geht es dir jetzt besser, oder möchtest du ein Beruhigungsmittel?" fragte eine Krankenschwester, die plötzlich vor Kanae stand. Erschrocken fuhr sie zusammen und starrte nun in das Gesicht der Frau, die vor ihr stand - eine junge Frau, mit schwarzem, zu einem Zopf geflochtenen Haar. Sie hatte dunkle Augen und einen blassen Teint, dennoch rosige Wangen und roten Lippen. Eigentlich war diese Frau sehr hübsch und sehr dünn, was sie wohl versuchte unter dem weißen Kittel zu verstecken. Kanae kannte diese Frau, da diese eine gute Freundin ihrer Tante war. Kanae schüttelte ihren Kopf. "Nein, aber trotzdem danke." sagte sie und ließ die Krankenschwester weiter ihre Arbeit nachgehen. Sie trottete zu vier jungen Männern - sie waren nicht sonderlich auffällig und machten trotzdem einen düsteren Eindruck. Einige der umherlaufenden Patienten starrten sie nur eindringlich an. Doch davon ließ Kanae sich weniger beeindrucken, auch wenn in diesen Moment ihr Herz stark zu rasen begann.

"Wo ist der junge Mann, den man hier eingeliefert hatte? Geht es ihm gut?" drängelte Aoi die Krankenschwester, die nur lächelnd ihren Kopf schüttelte.

"Gedulden Sie sich noch einen Moment, bis der Doktor ihnen über Näheres bescheid gibt." meinte die Krankenschwester lächelnd und sah in Aoi’s Gesicht.

Er stöhnte nur genervt. "Sagen Sie mir wenigstens, wie es ihm geht!" forderte Aoi nun und sah die Krankenschwester bei seinem scharfen Ton zusammenzucken. Rasch fing sie sich aber wieder. "Herrn Matsumoto geht es gut." sagte sie nur und verschwand in Eilschritt in einem Zimmer.

"Du hättest auch etwas netter sein können." meinte Uruha, der sich einen Platz weiter neben Kanae nieder gelassen hatte und die umherlaufenden Krankenschwestern, die alle ziemlich hübsch waren, beobachtete.

"Netter? Ich soll nett sein, wenn mir keiner sagen will, was mit Ruki ist?!" fuhr Aoi Uruha an, der jedoch nur lächelte.

"Sei ruhig und setz dich." meinte Uruha, der nun auch das Mädchen, Kanae, neben sich entdeckte und sie prüfend anstarrte. Sie machte auf ihn einen sehr verwirrten Eindruck, doch kümmerte es ihn nicht weiter - bis Kanae plötzlich aufstand und sich Uruha zuwandte, vor dem sie sich verbeugte. Verblüfft und verwirrt zugleich sah Uruha sie an.

"Ich glaube, ich bin Ihnen eine Erklärung schuldig." meinte Kanae, die es mehr als nur für nötig hielt, sich bei diesen Leuten zu entschuldigen - aus reinem Hinhören ihrer Unterhaltung bekam sie schließlich auch mit, dass sie Bekannte oder Verwandte des jungen Mannes sein mussten, der Kanae von der Straße schubste.

Abgesehen davon sahen nun auch die anderen drei Kanae an, die völlig nervös vor Uruha stand. Dieser verstand aber immer noch nicht, was Kanae da sagte oder meinte.

"Erklärung? Wofür denn das?" fragte er nur und stand auf. Kanae bemerkte, wie groß er war - sie sah auch, wie mädchenhaft hübsch er war. Würde man nicht doch irgendwo erkennen, dass vor Kanae ein Mann stünde, so könnte man behaupten, er wäre eine Frau. Völlig auf sein Äußeres konzentriert zuckte Kanae nun bei Uruha’s Worten zusammen und sie war nun noch nervöser als vorher.

"Ich bin an dem Unfall Ihres Freundes Schuld." sagte Kanae nur und befürchtete nun auch eine schroffe Gegenreaktion von Uruha. Doch statt überzureagieren, belächelte Uruha diese Tatsache nur und blieb auch völlig ruhig.

"Ach? Du warst das also?" fragte Uruha, der einen Blick zu seinen Leuten warf.

Kanae nickte vorsichtig - am liebsten würde sie jetzt in Grund und Boden versinken. Dabei reagierte Uruha nicht einmal aufgebracht über das, was sie sagte. Doch womöglich könnte die Bombe jeden Moment platzen.

"Tut mir wirklich schrecklich leid. Es war auch nicht meine Absicht, das müssen Sie mir glauben." sagte Kanae und richtete einen kurzen Blick zu den anderen dreien.

Sie sah Aoi, der auf sie zu kam und dabei einen Blick im Gesicht trug, der wohl Bände schrieb - sichtlich war auch, dass er nicht erfreut darüber war. Er wollte lieber daran glauben, sich verhört zu haben. Doch dem war nicht so.

"D-Du bist also dieses Mädchen?! Weißt du eigentlich, dass ihm Schlimmes hätte passieren können? Das er womöglich hätte wegen dir draufgehen können?" fragte Aoi entsetzt und drängelte sich neben Uruha.

Kanae wusste gerade gar nicht, wo ihr der Kopf stand. Sie war erschrocken und gleichzeitig sichtlich verwirrt - dabei konnte sie Aoi sehr gut verstehen.

"Aoi, bleib ruhig." meinte Reita, der hinter Aoi stand und zerrte an dessen rechtem Hemdärmel. Aoi jedoch würde in diesen Moment lieber platzen oder sich wünschen, dass dieser Tag gar nicht existierte. Er wollte es nicht nur, weil er mit den vollkommen falschen Bein aufgestanden war - er wollte es nicht, weil er Ruki nicht hätte gehen lassen sollen. Aber es war nun unvermeidlich und das erkannte Aoi auch. Dabei hatte Kanae, die schüchtern vor ihm und Uruha stand, entschuldigt.

Mehr konnte sie in diesen Moment nicht tun.

"Reiß dich gefälligst ein bisschen zusammen, Aoi! Du bist in einem Krankenhaus und nicht zu Hause!" fuhr Uruha ihn an und zog dabei Kanae vorsichtig zur Seite.

Er lächelte nun. "Nimm dir das nicht so zu Herzen. Sicher wird es nicht deine Absicht gewesen sein, denn ich glaube eher weniger daran, dass ein Mädchen wie du zu so etwas fähig ist." meinte Uruha und sah in Kanae’s weit aufgerissene Augen.

Ein anderer hätte vielleicht den Verstand aus Sorge verloren und hätte Kanae die Hölle heiß gemacht - doch Uruha war nicht so. Er war sanft und vorsichtig Kanae gegenüber. Seine Art trieb ihr schon fast die Tränen in die Augen Er wirkte tatsächlich erwachsener als Aoi in diesen Moment.

Rasch wischte sich Kanae die aufgestiegenen Tränen aus den Augen.

"Ich wusste ja nicht einmal, was passiert war. Ich merkte nur, wie ich geschubst wurde und auf die Knie fiel. Dann war es auch schon passiert." erklärte Kanae und senkte ihren Kopf. Sie schämte sich irgendwie dafür.

"Schon gut. So schlimm wird es schon nicht gewesen sein." sagte Uruha, der eher positiv an die Sache heranging - womit er eigentlich auch vollkommen richtig lag. Denn Ruki lebte, und das war die Hauptsache. Ein gebrochener Arm würde wieder verheilen. Wäre er aber schwerer verletzt gewesen und daran gestorben, so konnte man dieses Leben nicht mehr heilen. Doch Uruha’s Worte brachten Kanae dazu, ihn wieder anzusehen.

Sie war erstaunt darüber, wobei sie schon längst an seiner Stelle wohl doch eher wie Aoi reagiert hätte. Aber jeder Mensch fasste solche Situationen anders auf.

"Hauptsache Ruki geht es gut." fuhr Kai dazwischen, der es wohl gehört haben musste. Und als er diese Worte ausgesprochen hatte, kam auch schon die Krankenschwester von eben hinzu. Sie lächelte immer noch freundlich und wandte sich Kanae zu.

"Herr Matsumoto möchte dich gerne sprechen." meinte sie und sah Kanae an.

Uruha fand dies natürlich sehr amüsant und ließ sich auf seinen Platz nieder. Er sah, wie sichtlich verwirrt Kanae doch über diese Worte war. Sie nickte auch einfach, doch bevor sie der Krankenschwester folgen wollte, wandte sie sich nochmals an Uruha.

"Danke." sagte sie nur und folgte augenblicklich der Krankenschwester.

Im nächsten Moment hörte Uruha auch schon Kai laut pfeifen.

"Da hat jemand eine neue Verehrerin!" lachte er und Uruha sah Kai an.

"Nein, hab ich nicht. Oder bist du nur neidisch, weil die Frauen schon freiwillig zu mir kommen?" grinste Uruha frech, während Kai ihm nur die Zunge herausstreckte.

"Habt ihr beiden keine anderen Probleme?" fuhr Aoi die beiden an und verschränkte seine Arme. Kai und Uruha sahen sich nur an und schüttelten ihre Köpfe, grinsten dabei.

"Nein." sagten sie dann nur im Chor, während Aoi nur seufzend den Kopf schüttelte.

"Ich geh eine rauchen. Sagt mir bescheid, wenn es etwas Neues gibt." sagte er dann und trottete zum Ausgang.

"Aoi lässt heute ja mal richtig die Zicke heraushängen." meinte Kai, der nun begonnen hatte, herumzuzappeln.

Uruha lachte auf und sah dabei Reita an, der nur eine ernste Miene verzog.

"Zieh nicht so ein Gesicht, Reita. Aoi wird sich schon wieder einkriegen." meinte Uruha und sah Reita nur teilnahmslos nicken. Natürlich machte auch er sich seine Gedanken, denn oft erlebte man Aoi auch nicht so, wie er heute war. Eigentlich war Aoi einer dieser Menschen, die oft fröhlich waren und immer ein Lächeln auf den Lippen trugen - dabei ist es doch auch diesen Menschen gestattet, dieses Lächeln abzulegen.

 

5

 

Kanae stand mittlerweile vor der Tür des Zimmers, in dem Ruki lag.

Vorsichtig klopfte sie und ein gut hörbares "Ja" ertönte.

Kanae wagte es erst nicht die Tür zu öffnen, bis sie nun doch die Klinke nach unten drückte. Als sie dann im Zimmer stand, starrte sie Ruki irritiert an - durch das helle Licht im Raum erschien er leichenblass. Es war auch ein Einzelzimmer, in dem Ruki lag.

Ein Zimmer mit weißen, jedoch trostlos erscheinenden und kühlen Wänden.

Die Vorhänge waren in einem kalten Grün gehalten und überhaupt wirkte alles in diesem Zimmer so kalt - bis auf den Strauß verschiedenfarbiger Rosen, der in einer roten Vase auf einem runden Holztisch stand.

Doch dann richtete Kanae ihren Blick wieder auf Ruki, dessen rechter Arm vergipst worden war. Kanae konnte sich vorstellen, wie unbequem es sich damit schlafen lassen wird. Zumal unter dem linken Auge eine Schramme war, die aber von einem Pflaster verdeckt wurde. Dennoch schien Ruki darauf nicht zu achten, denn er lächelte Kanae nur an. Sofort verbeugte Kanae sich vor ihm und trat vorsichtig näher an sein Bett. Sie sah an dem Hemd, welches er trug, dass es einer dieser Krankenhauspyjamas war und ein leichtes Lächeln breitete sich auf Kanae’s Lippen aus. Jedoch verblasste dies rasch bei dem Anblick des vergipsten Armes.

 

"Das war haarscharf." ertönte Ruki’s leicht jungenhafte Stimme im Zimmer und brachte Kanae zum Zusammenzucken. Trotz dessen nickte sie.

"Es tut mir wirklich leid…" sagte Kanae dann leise und senkte ihren Kopf. Sie stand nun vor Ruki wie ein kleines Kind, welches total eingeschüchtert war. Aber Ruki lachte und schüttelte seinen Kopf. Seine Gestik deutete darauf, dass Kanae sich wohl zu ihm setzen sollte - ohne Worte tat sie dies auch.

"Das nächste Mal, wenn du über eine Straße gehst, achtest du vorher auf den Verkehr. Das hätte böse enden können." meinte Ruki lächelnd und zerrte dabei an seiner Decke. Seine Mimik dabei sah für Kanae recht belustigend aus. Aber sie schüttelte bei seinen Worten nur den Kopf.

"Sie liegen doch an meiner Stelle im Krankenhaus. Da brauch Sie meine Gesundheit nicht kümmern." widersprach Kanae, deren Worte Ruki nur zum Seufzen brachten.

"Das ist doch nun egal. Ich lieg nun hier, weil eine Kurzschlussreaktion mich dazu brachte, dich von der Straße zu schubsen, bevor ich mit ansehen sollte, wie du umgefahren wirst. Darauf hatte ich nun echt keine Lust." erklärte Ruki.

Aber Kanae schüttelte immer wieder ihren Kopf.

"Das kann ich so nicht hinnehmen!" meinte sie."Ich würde sogar durch de Hölle gehen, wenn ich es rückgängig machen könnte." fuhr sie fort und sah verzweifelt in Ruki’s Gesicht - er lächelte immer noch und es war gar ein sehr sanftes Lächeln, welches Kanae’s Herz augenblicklich schneller schlagen ließ.

"Du kannst es aber nicht, also hör auf dir irgendetwas einzureden. Du hast für nichts Schuld und jetzt akzeptiere das endlich." wurde Ruki nun ernster an.

Dabei hatte er doch Recht, was Kanae wiederum nicht wahrhaben wollte.

"Ich bin Ihnen etwas schuldig, schließlich haben Sie mir das Leben gerettet." sagte Kanae darauf, die ihre Hände in einer Rockfalte vergrub. Ruki lachte nur auf.

"Dann hör auf mich zu siezen, das nervt und so alt bin ich nun auch noch nicht." meinte Ruki und starrte nun auf seine eigenen Hände, deren Fingernägel schwarz lackiert waren. Auch Kanae fragte sich in diesen Moment, was Ruki eigentlich für ein Typ war - wer er war. Zwar glaubte sie, sein Gesicht schon einmal gesehen zu haben, jedoch schien das lange her zu sein. Doch auch das Äußere seiner Freunde erschien ihr etwas auffallend. Dennoch wagte Kanae nicht zu fragen "Wer bist du wirklich?". Sie käme sich unverschämt vor, weil sie Ruki gar nicht kannte. Doch auf Kanae’s innerlicher Frage, kam eine Frage von Ruki - mit dieser hatte Kanae gerade am wenigsten und doch gleichzeitig am meisten gerechnet.

"Hast du ein paar verdächtig aussehende Typen gesehen?" ertönte es dann nur. Kanae sah Ruki verstutzt an, doch sie verstand sehr gut, wen er meinte.

"Wenn einer von ihnen fast wie eine Frau aussieht, dann ja." meinte Kanae und sah Ruki lachen. Er lachte laut und klopfte dabei auf seinen linken Oberschenkel.

"Die sehen alle fast wie Weiber aus!…Naja, ein bisschen zumindest, ich will ja nicht übertreiben" grinste Ruki und sah Kanae darauf intensiv in die Augen.

Es kribbelte plötzlich überall bei beiden - für Kanae war dies jedoch ungewohnt, dieses Kribbeln. Vielleicht war es Aufregung oder Nervosität, vielleicht war es aber der Anflug von Liebe auf den ersten Blick...auch wenn das etwas kitschig klingen würde.

Man konnte es einfach nicht beschreiben, auch wenn man es wahrscheinlich wollte.

Rasch sah sie zum Fenster - sie wollte alles, nur nicht in Ruki‘s Augen sehen.

"Was waren das für Blätter, die der Wind auf die Straße gefegt hatte?" fragte Ruki nun und versuchte sich zu räkeln.

"Zeichnungen." sagte Kanae nur trocken, die nun aufstand und zum Fenster lief.

"Was für Zeichnungen?" fragte Ruki weiter - ja, er war neugierig geworden. Kanae drehte sich dann nur um und warf ihm ein schüchternes Lächeln zu, welches Ruki sofort leicht erröten ließ.

"Tagebuchzeichnungen. Unter anderem auch Portraitzeichnungen." sagte Kanae dann und lief nun zu dem Tisch mit dem Strauß Rosen. Vorsichtig berührte sie deren zarte Rosenblätter. "Sie sind mir wichtig, deshalb bin ich auf die Straße gestürmt. Alles würde ich aufgeben, nur um diese Zeichnungen und mein Tagebuch zu retten. Es beweist mein Leben." fuhr Kanae fort und nahm nun deutlich den angenehmen Rosenduft war. Ruki aber sah dieses Mädchen nur erstaunt und gleichzeitig fasziniert an. Ihre Worte berührten ihn irgendwie auf merkwürdige Art und Weise. "So etwas höre ich zum ersten Mal." meinte Ruki und begann im Bett hin- und herzurutschten.

"Das kann ich gut verstehen. Es kommt ja nicht oft vor, dass jemand für seine Zeichnungen oder sein Tagebuch alles aufgeben würde." sagte Kanae und ließ nun ihren Blick erneut auf Ruki ruhen, der wieder lächelte.

"Das stimmt allerdings. Solche Menschen gibt es nicht oft, wenn überhaupt." meinte er und rutschte wieder hin und her, während Kanae dies amüsant fand und lachen musste. "Das ist nicht witzig." grinste Ruki, der jedoch selber lachen musste. Doch dann sah Kanae Ruki einfach nur an - sie war regelrecht hypnotisiert von ihm. Aber eigentlich wollte sie ihren Wunsch äußern, den sie nun hegte.

"Darf ich dich irgendwann zeichnen?" fragte Kanae nun und sah, wie überrascht Ruki war. "Mich?" entgegnete er nur.

"Ja. Als ich dich im Hibiya-Park gesehen habe glaubte ich, einen Engel an mir vorbeiziehen zu sehen. Für mich bist du nicht so, wie jeder andere Mensch. Du hast irgendetwas Besonderes, was ich gerne irgendwann einmal aufs Papier bringen würde." erklärte Kanae, die dabei nervös mit ihren Händen herumfuchtelte.

Ruki aber war immer noch erstaunt darüber - ihre Worte eben, verstärkten dieses Gefühl, dieses Kribbeln. Dennoch errötete Ruki nur noch mehr.

"Hör auf, ich werde ja ganz rot!" sagte Ruki mit aufgesetzter Unschuldsmine - seine Stimme klang dabei wie die, eines kleinen Jungen und Kanae fand es irgendwie niedlich, worauf sie lächelte.

"Das ist aber mein Ernst." sagte sie dann und kam auf ihn zu, über den sie sich beugte und tief in die Augen sah. Ruki erschrak vor den Blick, den sie aufgesetzt hatte.

Er war gleichzeitig ernst und doch flehend, worauf ein leises "Ja" über Ruki‘s Lippen huschte. Aber ihr Gesicht war plötzlich so nah und Ruki nahm den süßlichen, von Blumen verschlungenen Geruch wahr - Gänsehaut machte sich darauf auf seinem ganzen Körper breit und am liebsten würde er Kanae jetzt berühren, auch wenn er sie nicht kannte. Doch er tat es nicht, wagte es einfach nicht - bis sich ihre Lippen nun doch trafen. Ob es nun gewollt war oder nicht, interessierte gerade keinen von beiden.

Es war nur dieser Moment, der jetzt zählte.

Ruki berührte aber dann doch vorsichtig mit der linken Hand ihr warmes Gesicht - und obwohl er dieses Mädchen nicht kannte, fühlte er sich doch zu ihr hingezogen. Es war ein völlig neuartiges Gefühl, welches ihn versuchte zu beherrschen und er es auch nicht verdrängen konnte…vielleicht, weil er es nicht wollte.

Ruki zog Kanae auch einfach dichter an sich heran, sodass sie nur knapp auf ihm lag und langsam hatte Ruki nun begonnen, ihren Hals zu küssen, bis er plötzlich ruckartig abließ. Vorsichtig rückte Kanae etwas weg von ihm, während Ruki sie nur verwirrt und gleichzeitig erschrocken über sich selbst ansah.

"Tut mir leid." sagte er leise, fast flüsternd und sah Kanae nur ihren Kopf schütteln.

"Schon gut. Zu so etwas gehören immer zwei." meinte Kanae, die sah, wie ihr Rock bis zu den Oberschenkeln gerutscht war. Rasch richtete sie diesen, als sich im selben Moment die Tür öffnete.

Aoi stand nun im Zimmer und warf Kanae einen eindringlichen Blick zu.

"Besuchszeit ist für dich jetzt zu ende!" fuhr Aoi Kanae an, die erschrocken vom Bett aufsprang. Zur gleichen Zeit trat Kai ins Zimmer, der Aoi zur Seite stieß.

"Ruki, sprich du mal ein Machtwort mit ihm. Aoi ist stur wie ein Bock. Ich habe gesagt, er soll noch warten…aber auf mich hört ja keiner." seufzte Kai, der einen Blick auf Kanae warf - sie kramte aus ihrer Tasche Stift und Zettel, schrieb danach irgendetwas auf und drückte Ruki rasch diesen Zettel in die Hand.

"Auf Wiedersehen." sagte Kanae, die sich vor Kai verbeugte und dann aus dem Zimmer verschwand. Kai gab Aoi einen Klaps auf den Hinterkopf.

"Werde endlich wieder normal und lerne endlich wieder, dich zu benehmen!" fuhr Kai ihn nun an und wandte sich dann Ruki zu, der wie gebannt auf den Zettel von Kanae starrte - auf diesen stand ihr Name, Adresse und Telefonnummer. Und umso länger Ruki auf den Zettel starrte, umso größer wurde dieses Kribbeln. Doch er stellte sich die Frage, weshalb Kanae ihn als irgendeinen Fremden sah.

Lag es wirklich daran, dass sie ihn oder selbst Gazette nicht kannte, obwohl diese doch so berühmt und allseits beliebt in ganz Japan waren?

Es war schon seltsam, doch ändern konnte man es nicht. Vielleicht war es auch besser so.

"Ihr habt ganz schön lange gequatscht." meinte Kai, der zappelnd vor Ruki stand.

"Ja, und? Ist das jetzt schlimm?" fragte Ruki nur, der den Zettel sorgfältig zusammenfaltete und in seiner linken Hand behielt. Kai schüttelte seinen Kopf und deutete mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand auf Aoi.

"Nein, aber er hat gedrängelt und mich mit hierher geschliffen. Er hat gequengelt wie ein kleines Kind und hat man was gesagt, dann war er bockig." erklärte Kai, der einen Blick zum Fenster warf, während Aoi sich neben ihn drängelte.

"Geht es dir auch wirklich gut? Wir haben uns alle große Sorgen gemacht." sagte Aoi.

Ruki nickte und rutschte nun wieder in seinem Bett hin und her - irgendwie tat ihm alles weh. "Ja, mir geht es gut. Die Ärzte haben gesagt, dass ich morgen wieder aus dem Krankenhaus kann…Gott sei dank, länger würde ich das hier nicht aushalten." erklärte er. Kai lief währenddessen zum Fenster und Aoi setzte sich neben Ruki, schlug dabei sein rechtes Bein auf das linke.

"Also kommst du morgen wieder nach Hause, ja?" fragte Aoi weiter und sah Ruki nur nicken. "Aber wehe ihr lacht mich aus, wenn ich mit einem Gips und einem verstauchten Bein angelaufen komme!" fuhr Ruki Aoi nur an und versank in seinem Kissen.

Aoi lächelte nur - ja, er tat das, was er die letzten Tage kaum tat. Wahrscheinlich war es auch genau diese Sache, die besonders Reita zu schaffen machte. Ja, sein Lächeln, das jeder mochte und auch wenn es noch so mädchenhaft erschien.

Und auch Ruki lächelte heute das erste Mal nach Tagen wieder richtig, nur weil er einem Mädchen begegnete, durch das er nun an Gips gefesselt wurde - auch wenn es nur kurzweilig war.

"Ich bin erstaunt, dass du dir nur den Arm gebrochen hast." fuhr Kai nun dazwischen und steuerte zu den runden Tisch mit den Rosen.

Ruki seufzte. "Vermutlich hatte ich so etwas wie einen Schutzengel." meinte er dann, welcher nun langsam müde wurde. Seine Augen fühlten sich so schwer an und am liebsten würde Ruki sie schließen.

Kai lachte auf. "Das würde ich auch meinen." sagte er dann und plötzlich mussten alle drei lachen. Selbst Aoi, der sich vor einigen Minuten noch aufgeregt hatte, lachte nun aus vollem Herzen und auch sein Bauch tat schon weh. Ruki würde es jedoch noch mehr zum Lachen bringen, wenn womöglich Uruha und Reita dabei gewesen wären - jedoch erlaubten es weder die Krankenschwestern, noch die Ärzte so viel Personen auf einmal zu empfangen. Deshalb musste es wohl so gehen.

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update: 18-Feb-2008  
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