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6

 

Kanae lief den Flur entlang, der zum Wartesaal führte - sie war immer noch völlig perplex und irgendwie schien ihr plötzlich alles zu viel auf ein Mal gewesen zu sein. Erst der Unfall, dann Uruha’s unglaubliche Art, so wie Aoi’s Auftreten und wenig später auch noch der Kuss von Ruki. Bei diesem Gedanken musste Kanae jedoch lächeln - sie erinnerte sich, wie warm und weich Ruki‘s Lippen waren und zu gern hätte sie ihn noch ein Mal geküsst, auch wenn beide nichts voneinander wussten.

Aber vielleicht würde sich irgendwann wieder eine Gelegenheit anbieten, sich doch noch kennen zu lernen und das, abgesehen davon, wer er war.

Vor sich hinträumend lief sie in den Wartesaal hinein und spürte plötzlich eine Erschütterung, die sie in die Realität zurückriss. Erschrocken sah Kanae nun auf und sah direkt in Uruha’s Gesicht.

Rasch nahm Kanae einen Schritt abstand und senkte ihren Kopf.

"Verzeihen Sie." sagte sie nur und spürte schon Uruha’s Hände auf ihren Schultern.

"Bitte, hör endlich auf mich zu siezen." meinte Uruha, dessen Stimme in einem aufgesetzt hohen Ton erklang, die Reita wiederum zu Räuspern brachte, als dieser sich neben Uruha gestellt hatte.

Kanae sah die beiden Männer nur ein und nickte nur - obwohl sie auch die beiden nicht kannte. Doch irgendwie schien sich alles unbewusst zusammenzuspielen.

"Hast du mit Ruki geredet?" fragte Uruha nun und sah Kanae abwartend an.

Der Name "Ruki" sagte ihr zwei weiterhin wenig, dennoch wusste sie, wer gemeint war und nickte. "Ja." sagte sie leise und beobachtete dabei Reita, der nervös zu zappeln begann. Sie fand auch dieses Tuch belustigend, welches er in seinem Gesicht trug - doch zu gern würde sie ihn ohne sehen. Aber es war nun mal Reita’s Erkennungszeichen und man sah ihn auch nur privat ohne diesem Tuch.

"Uru, ich will eine rauchen." sagte Reita mit aufgesetzter Unschuldsmine und zog seine Stimme dabei hoch, wodurch er wie ein kleiner Junge klang. "Uru" wurde Uruha zwar selten genannt, dennoch sagten es alle zu ihm - man könnte sagen, es wurde zu einer Art Spitzname für Uruha. Kanae brachte es zum Lächeln.

"Deshalb zappelst du hier so rum? Sonst macht das doch Kai immer?! Egal. Na ja, man sieht sich bestimmt noch ein Mal. Aber bitte nicht in einem Krankenhaus!" lächelte Uruha und zog darauf mit Reita ab.

Im selben Augenblick kam ein Mädchen angerannt, dennoch schien dies nicht zu sehen, wohin es eigentlich rannte und rempelte dann auch schon Uruha an, der darauf seine Zigarettenschachtel fallen ließ.

"Verzeihung." sagte das Mädchen und bückte sich und griff nach der Zigarettenschachtel. Im selben Moment hatte sich jedoch auch Uruha gebückt, berührte unbemerkt die Hand des Mädchens und riss sie aber sofort wieder weg. Und als beide sich wieder erhoben, stießen ihre Köpfe aneinander. Das Mädchen zischte sofort Luft durch ihre Zähne - der Schmerz vibrierte stark in ihrem und auch in Uruha’s Kopf.

"Hast du dir wehgetan?" fragte er nur und nahm seine Zigarettenschachtel entgegen. Als das Mädchen ihre Kopf geschüttelt hatte, sah sie auch schon in Uruha’s Gesicht. Erschrocken stellte sie fest, dass er glatt eine Frau sein könnte. Doch das Mädchen erkannte auch sofort, das trotz seines femininen Äußeren auch noch Männlichkeit zu erkennen war - nicht nur durch seine atemberaubende, sanfte und dennoch tiefe Stimme.

"Nein." sagte das Mädchen dann nur und verbeugte sich kurz, setzte dann aber auch schon eilend ihren Weg fort. Dabei merkte sie nicht einmal, dass Uruha’s Blick immer noch an ihrem Rücken hing - klar, dass Mädchen war hübsch und irgendwie niedlich.

 

"Hör auf den Weibern hinterher zuglotzen!" meinte Reita und lächelte darauf kurz, bevor er Uruha am Ärmel zog, damit dieser endlich wieder in Bewegung kam.

"Ich komm doch schon!" seufzte Uruha dann und verließ mit Reita den Wartesaal.

Währenddessen rannte das Mädchen direkt in Kanae’s Arme.

"Kana! Geht es dir gut? Bist du verletzt?" fragte sie Kanae, die sie nur erschrocken anstarrte und dann vorsichtig von sich schob. Lächelnd nickte Kanae.

"Ja, mir geht es gut. Mir ist ja nichts passiert. Also mach dir keine Sorgen, Kim." sagte Kanae dann und sah darauf den erleichterten Blick ihrer Freundin Kim.

Sie seufzte und legte ihre Hände auf Kanae’s Schultern. "Gott sei Dank!" sagte sie nur und senkte ihren Kopf. Kanae wusste, was jetzt passieren würde. "Ich dachte schon, ich würde dich verlieren! Ich hatte solche Angst, als irgendein Arzt aus diesem Krankenhaus mich anrief und mir sagte du wärst in einen Unfall verwickelt worden." fuhr Kim fort und ein leichtes Zittern machte sich in ihrer zaghaften Stimme breit.

Kanae erahnte schon die Tränen ihrer Freundin.

Vorsichtig legte sie ihre Arme um Kim und drückte diese nun fest an sich.

"Mir ist aber nichts passiert." sagte Kanae darauf und drückte Kim nur noch fester an sich - sie spürte nun auch das Vibrieren von deren Körper. Es tat ihr immer von Herzen leid. "Ich lebe." fuhr Kanae fort und strich nun vorsichtig über Kim’s Rücken. Doch womöglich gab es noch einen völlig anderen Grund, weshalb Kim weinen musste - es war schon oft so. Kim hob nun ihren Kopf und versuchte zu lächeln, doch stattdessen weinte sie nur heftiger.

"Hat er dir wieder wehgetan?" fragte Kanae leise und nahm das Gesicht von Kim zwischen ihre Hände, musterte sie prüfend. Kanae sah nun auch, dass der rechte Jochbogen bläulich und angeschwollen war. Wahrscheinlich wurde Kim wieder von ihrem Freund geschlagen - womöglich deswegen, weil sie nicht ins Krankenhaus gehen sollte oder er dieses Mal nicht das bekam, was er haben wollte. Und er wollte viel, viel zu viel als das es noch real war.

 

"Hat er dich geschlagen? Hat er dich wieder gegen deinen Willen zu irgendetwas gezwungen?" fragte Kanae weiter und sah nun tief in die Augen ihrer Freunden.

"Nein. Ich hab nur eine Ohrfeige bekommen, weil ich gesagt habe, dass ich dich vom Krankenhaus abhole und dann ein paar Tage weg bin." erklärte Kim nun und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

"Nur eine Ohrfeige ist schon wieder viel zu viel. So geht das nicht mehr, du bleibst jetzt erst einmal wieder bei mir." meinte Kanae und kramte aus ihrer Tasche eine Packung mit Zellstofftaschentüchern, von denen Kanae Kim eins reichte.

"Ich weiß." stimmte Kim zu und wischte sich nun mit dem Taschentuch die verschmierte Schminke weg. "Wenn ich dich nicht hätte, wüsste ich wirklich nicht, was ich noch machen sollte. Vielleicht hätte ich mir gar schon den Strick genommen." fuhr Kim fort und ließ sich auf der Bank nieder, die sich hinter Kanae befand.

"Jetzt hör auf so zu reden." meinte Kanae und musterte Kim - ja, sie war in der Tat hübsch und hatte vielleicht gar etwas Ähnlichkeit mit Kanae. Kim hatte wie sie schwarzes, bis zu den Schultern reichendes Haar und dunkle Augen. Sie war auch sehr schlank und auch nicht wirklich groß. Beide konnte man auch daran erkennen, dass sie oft im gleichen Outfit durch die Gegend liefen. Zusammen waren Kanae und Kim immer die, die sie getrennt nie sein konnten - dafür ist es einfach viel zu unbeschreiblich.

Beide hatten einen Fable für Strickmützen und sie lieben das Kochen. Ja, man könnte diese beiden Menschen glatt für Geschwister halten, wenn man nicht wusste, dass sie es nicht waren. Aber oft ließen die beiden Fremde in diesem Glauben.

"Ich kann es langsam nicht mehr mit ansehen, wie du Tag für Tag mit irgendwelchen blauen Flecken zur Arbeit erscheinst. Du brauchst tonnenweise Make-up, damit niemand sieht, dass du geschlagen wirst. Wie denkst du eigentlich, soll es weitergehen? Irgendwann schlägt er dich noch tot!" wurde Kanae plötzlich etwas lauter, sodass Kim ihr den Mund zu halten musste.

"Sei still, das muss doch nicht jeder hören!" zischte Kim nun und zerrte Kanae auf den Platz neben sich. Sie sah Kanae nur an. "Es reicht." sagte Kim nun etwas leiser und senkte den Kopf.

"Ich bin nicht unbedingt scharf darauf, dich an deinem Grab besuchen zu müssen. Aber glaub mir, dann nehme ich mir freiwillig einen Strick! Vorher bringe ich aber dann noch deinen Tyrann von Freund um." meinte Kanae, deren Blick plötzlich so ernst war, dass es gar Kim unheimlich war. Sie hatte Kanae selten so erlebt - beide stritten sich auch nie, konnten nie wirklich böse aufeinander sein. So ein Verhältnis gab es auch selten und auch in der besten Beziehung nicht. Doch bei Kanae und Kim war es anders und dies war bereits seit ihrer ersten Begegnung klar.

"Ach was, soweit wird es garantiert nicht kommen." meinte Kim nur und lächelte.

"Das will ich auch hoffen. Ansonsten werde ich mal einen Schritt tun und dich aus eurer Wohnung zerren, egal ob ich dann eine gescheuert kriege. Zumal wir eh mehr in der Hand gegen ihn haben." sagte Kanae, die ihr rechtes Bein auf das linke schlug.

"Fang nicht schon wieder damit an. Du kannst tun und lassen was du möchtest, aber freiwillig wird Toshi mich nicht gehen lassen, schon gar nicht mit dir. Er meint ja, du wärst ein schlechter Umgang für mich. Und mit einer Anzeige kannst du ihm nicht drohen, auch wenn wir noch so viel Beweise hätten, vorher würde er mich umbringen." erklärte Kim, die begonnen hatte die umherlaufenden Patienten zu beobachten.

"Ob wir ihn nun anzeigen oder er dich umbringen würde, macht keinen großen Unterschied, denn er würde dann so oder so hinter Gittern landen. Für das eine würde er vielleicht weniger sitzen, als für das andere." meinte Kanae und streckte ihre Arme von sich. "Toshi hat einfach keinen Grips." fuhr Kanae fort und sah Kim nur nicken.

Und wie Recht sie da hatte - Kim’s Freund hatte seinen Verstand schon verhurt und versoffen. Er arbeitete nicht, trieb es hinter Kim’s Rücken mit irgendwelchen Frauen, darunter auch Prostituierten. Und jedes Mal wenn Kim einen "schönen" Menschen auf der Straße sah, so pöbelte Toshi diesen an. Er hingegen sah fremden Mädchen hinter her, flirtete mit Prostituierten, die er kannte und auch einige von Kim’s, sowie Kanae’s Arbeitskolleginnen fielen darunter. Und hatte Toshi etwas zu viel getrunken, was allerdings weniger vorkam, umso brutaler und aggressiver wurde Kim gegenüber. Dadurch wurde alles nur noch viel schlimmer, als wenn er nüchtern war. Kim lebte ein Leben, welches auch viele Mädchen in ihrem Alter erlebten - gegen den Willen ihrer Eltern von zu Hause ausgezogen, und dann erlebten sie ihren Alptraum. Sie wurden geschlagen und misshandelt vom eigenen Freund, doch schafften sie es nicht, von ihm loszukommen und das alles aus Angst. Es war dabei nicht nur die Angst, wieder geschlagen und misshandelt zu werden - es war die Angst davor, wahrscheinlich ein Leben lang verfolgt zu werden, auf das der Wahnsinn einen heimsuchen würde und man es nicht mehr aushält, bis man in den Tod getrieben wird.

Davor hatten nicht nur die Mädchen Angst, die so etwas erlebten - einige überlebten es, andere starben durch Selbstmord. Doch auch Kim hat davor fürchterliche Angst, denn auch sie schaffte es nicht, von Toshi loszukommen. Sie hatte Angst davor, dasselbe zu erleben und irgendwann deswegen Selbstmord zu begehen. Und auch Kanae hatte Angst davor, ihre Freundin, die wie eine Familie für sie war, deshalb zu verlieren. Sie würde es seelisch nicht aushalten, denn Kim war ihr Lebensinhalt und sie war froh diese wieder gefunden zu zuhaben, nachdem Kim gegen Ende der Oberschule einfach verschwunden war und das ohne ein Wort. Deshalb wollte Kanae sie nicht noch einmal verlieren - zwar hatte sie noch ihre Tante, die immer für Kanae da war und es immer sein würde, doch dies würde dem Mädchen nicht ausreichen. Und genau in diesem Moment wurde Kanae klar, wie abhängig sie doch von Kim geworden war, sodass sie sich ein Leben ohne sie gar nicht mehr vorstellen könnte - zu sehr war das Band, welches die beiden miteinander verband, bereits in sich verstrickt und es war unmöglich, sich daraus zu befreien.

Es erschien schon fast krankhaft.

Kanae zuckte plötzlich zusammen, warum wusste sie selbst nicht und sah dann einfach nur in Kim’s lächelndes Gesicht.

"Hast du geträumt?" fragte sie nur und sah Kanae abwartend an. Sie schüttelte ihren Kopf.

"Nein, es war irgendwie anders. Irgendwie unbeschreiblich." meinte Kanae und starrte auf ihre Hände, bis sie plötzlich ein lautes Gelächter wahrnahm - selbst die Patienten und Krankenschwestern nahmen dies wahr und schüttelten nur ihre Köpfe.

Als Kanae dann in die Richtung sah, aus dem das Gelächter kam, sah sie nur wie Ruki angelaufen kam, während Kai und Aoi seinen vergipsten Arm uns seine Humpelei sehr amüsant mit ansahen.

"Ich glaube, dass musst du zu Hause noch üben!" grinste Kai, der auch schon Kanae entdeckte und sie angrinste.

Kanae errötete leichte, erwiderte es aber mit einem schüchternen Lächeln.

"Wartest du mal eben?" fragte Kanae Kim und sah diese dann nur nicken.

Kanae lächelte, stand dann auf und kam auf Ruki zu, der Kanae erst gar nicht wahrnahm.

"Ich mag nicht mehr!" quengelte er wie ein kleines Kind. Sein linkes Bein tat weh, aufgrund der Verstauchung, die er mit sich schleppte.

Aber dann sah er auch schon Kanae.

"Du darfst gehen?" fragte sie nur und sah in das überraschte Gesicht von Ruki.

Er hatte gar nicht damit gerechnet, dass sie noch hier war.

"W-Wieso bist du denn noch hier? Ich dachte, du wärst weg?" stotterte Ruki nun.

Kanae belächelte es, währen Aoi nur laut auflachen musste.

"Halt die Klappe!" fuhr Ruki ihn dann an.

"Ich habe auf eine Freundin gewartet, die mich abholen wollte." antwortete Kanae, die auf Kim deutete. Diese wiederum fuhr stutzig auf und fragte sich, woher Kanae diese Leute kannte. Dass es sich hierbei um das Unfallopfer und deren Freunde ging, daran dachte Kim nicht.

"Und du? Solltest du nicht im Bett liegen und dich ausruhen?" fragte Kanae nun und musterte Ruki - er trug nun nicht mehr diesen Krankenhauspyjama, den Kanae mehr als nur scheußlich fand, sondern wieder seine Klamotten. Ruki trug einen weißen Pulli mit einer roten Aufschrift "It’s only Rock’n Roll". Zu dem Pulli trug er eine schwarze Jeans und über seinen Schultern hing eine schwarzbraune Jacke. Kanae fand seine Klamotten zu weit, denn irgendwie hing alles an Ruki wie ein Kartoffelsack und trotzdem stand es ihm. Rasch wandte sie ihren Blick wieder in seinem Gesicht, sah ihn nun abwartend an.

"Ich habe den Arzt gebettelt, bis er mich dann endlich gehen ließ. Er meinte dann nur, ich solle mich doch nicht all zu sehr überanstrengen, da mein Arm sonst schwerer wieder zusammenwachsen würde. Das wird bestimmt krumm zusammenwachsen!" grinste Ruki. "Schon dich lieber und lass es anständig zusammenwachsen." meinte Kanae und warf kurz einen Blick an Ruki vorbei. Kai machte hinter ihm irgendwelche Grimassen und grinste dabei. Es sah irgendwie niedlich aus, sodass Kanae lächeln musste.

Ruki sah sie nur stutzig an und warf einen Blick hinter sich. Aber er sah weder Kai rumflachsen, noch irgendwie grinsen. Rasch wandte er sich Kanae wieder zu.

"Wieso hast du so gelächelt?" fragte er nur. Kanae aber schüttelte ihren Kopf.

"Es ist nichts." meinte sie, bis sie sich plötzlich kaum vor Lachen halten konnte. Irgendwie brachte Kai sie wieder zum Lachen. Doch plötzlich merkte Kanae, wie sie angerempelt wurde und es schien so doll gewesen zu sein, dass sie nach vorn und auf Ruki fiel. Völlig erschrocken fuhren Kim und dann derjenige, der Kanae angerempelt hatte auf. Kanae aber lag nun auf Ruki, der vor Schmerzen wimmerte.

Für Kai und Aoi sah dies aber sehr belustigend aus.

"Mein Arm! Welcher Idiot war das?" quengelte Ruki und richtete seinen Oberkörper auf, nachdem Kanae von ihm weggerückt war. Er sah nur Uruha vor sich stehen, der peinlich berührt lächelte.

"Tut mir leid." sagte er und half zusammen mit Reita Ruki auf.

"Mann, das nächste Mal pass gefälligst auf, wo du hinlatschst!" zischte Ruki nur und stütze sich auf seinem linken Arm ab. "Darf man auch fragen, wo ihr beiden gewesen seid?" fragte Ruki nun. Kanae hatte in der Zeit ihren Rock gerichtet und griff nach ihrer Handtasche, während Kim zu ihr stürmte. "Hast du dir wehgetan?" fragte sie nur und entdeckte auch schon im nächsten Moment den Kerl, mit dem sie zusammengestoßen war. Völlig erschrocken und gleichzeitig fasziniert starrte sie in sein Gesicht.

Doch Uruha tat nichts dergleichen, sondern richtete seinen Blick auf Kanae.

"Tut mir leid, dass ich dich angerempelt habe." meinte er nur und deutete auf Reita.

"Er hat gedrängelt!" fuhr er fort und sah, dass Reita verärgert darüber reagierte und Uruha in den linken Oberarm kniff.

"Du kannst nicht rauchen, weil du erst mal deine Zigarette fallen lässt. Du kannst auch nicht laufen, sondern fällst über deine eigenen Füße. Und daran soll ich jetzt Schuld sein? Du spinnst wohl?!" grinste Reita nun frech und steckte seine Hände in die Hosentaschen.

"Ihr zickt ja wie Mädchen rum." fuhr Aoi dazwischen und drängelte sich an Ruki vorbei. Frech grinsend stand er nun Uruha und Reita gegenüber.

"Fass dich an deine eigene Nase, bevor du so etwas behauptest." meinte Uruha nur und wandte sich nun nochmals Kanae zu.

"Also, jetzt sag ich es nochmals: man sieht sich bestimmt noch ein Mal. Aber nicht in einem Krankenhaus. Das ist jetzt mein Ernst." erklärte Uruha nur und warf einen kurzen Blick zu Kim, die neben Kanae stand und nur schüchtern schaute.

"Wenn Sie das sagen, dann möchte ich Ihnen glauben." sagte Kanae nur und darauf sah Uruha sie nur an und bewegte dabei seinen Oberkörper hin und her.

"Hör auf mich zu siezen, bitte!" flehte er nun und lächelte dann, anschließend wandte er sich dann seinen Leuten wieder zu.

"Abmarsch nach Hause, ich habe nämlich Hunger." sagte Uruha, der die anderen vier nur nicken sah. Kai plärrte währenddessen ein "Hai", was eigentlich für "ja" stand.

Kanae fand dies zum Lachen und überhaupt waren diese fünf jungen Männer ihr sehr sympathisch. Und mit diesem Augenblick war es der Anbeginn einer Geschichte in dem Leben zweier Mädchen aus normalen Verhältnissen, die mit dem Leben berühmter Menschen konfrontiert wurden - doch dass auch diese Geschichte Folgen hatte, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.

Kapitel 2

 

7

 

"Ich rufe dich mal an. Vielleicht unternehmen wir ja mal etwas."

Das waren Ruki’s Worte bevor er mit seinen Leuten das Krankenhaus verließ. Kanae nickte nur. Doch für ihre Freundin Kim blieb immer noch eine Frage offen: Wer waren diese Leute? Aber Kim wagte es seltsamerweise nicht, Kanae danach zu fragen - denn irgendwo war die Antwort klar und dies war Kim bewusst.

Seither war ein Monat. Es war wieder ein Sonntag, doch dieses Mal hoffte Kanae, dass sie nicht wieder einen Unfall miterleben musste. Mittlerweile wohnte auch Kim schon den ganzen Monat lang bei Kanae, doch diese war gerade nicht zugegen - sie wollte unbedingt den Einkauf erledigen und Kanae lag nun währenddessen dösend auf der Couch an diesem späten Nachmittag mitten im Mai.

"Wo bleibt Kim nur so lange?" murmelte Kanae, als schon im selben Moment das Telefon klingelte.

Nur in Unterwäsche bekleidet trottete sie zum Telefon hin und nahm den Hörer ab.

"Moshi, Moshi, Nakajo am Apparat." sagte Kanae und musste sich dabei das Gähnen verkneifen. "Wieso gehst du nicht an dein Handy?" es war Kim’s Stimme die da am anderen Ende der Leitung ertönte. Was sie wohl wollte?

"Der Akku muss wohl leer sein. Was gibt’s denn?" entgegnete Kanae mit müde klingender Stimme und rieb sich die Augen - sie hörte Kim darauf nur seufzen.

"Kommst du zur Ginza?" fragte Kim dann nur und wartete einen Moment lang auf eine Antwort. "Was soll ich denn da? Gibt es was umsonst?" entgegnete Kanae nur wieder.

"Du sollst dich an die frische Luft scheren, du kleine Stubenhockerin! Nein, hier gibt es etwas zu sehen, was dich wohl interessieren könnte." meinte Kim und lachte am Telefon. Kanae hingegen setzte nur einen verstutzten Blick auf, auch wenn es Kim nicht sehen konnte, sah es doch sehr amüsant aus.

"Ach? Ehrlich? Und was? Egal, du sagst es mir eh nicht, also bewege ich mich freiwillig nach draußen." seufzte Kanae und klopfte dabei mit den Fingerkuppen ihrer rechten Hand auf dem Schrank herum, auf dem auch das Telefon stand.

"Das ist schön." meinte Kim.

"Und wo sitzt du? Zum Sonntag und auch bei diesem schönen Wetter werden viele Menschen da sein. Auf Suchen habe ich nämlich wirklich keine Lust." sagte Kanae dann und starrte in den Spiegel, der gegenüber von ihr hing.

"Ich sitze in der Nähe des Matsuya - Department - Store, bin kaum zu übersehen." erklärte Kim kurz und hoffte, dass Kanae sich doch irgendwie zu Recht finden würde.

Kanae überlegte kurz, bis ihr dann auch einfiel, dass sie dort schon Öfters mit Kim saß und Tee getrunken hatte.

"Stammplatz?" fragte Kanae nur kurz und hörte Kim auflachen. Würde sie vor Kanae stehen, würde Kim nur nicken sehen. Aber ein Lachen tat es auch.

"Stammplatz." wiederholte Kim und kurz darauf verabschiedete diese sich von Kanae.

Kanae stand nun vor ihrem großen, buchefarbenen Kleiderschrank und kramte die Sachen heraus, die sie anziehen wollte - den ganzen Tag lief sie sonst nur in Unterwäsche in ihrer Wohnung umher. Doch wen störte es schon?

Kim war dies egal und sonst gab es niemanden, der sich darüber beschweren könnte.

Wenig später war Kanae auch schon fertig, doch sie hatte plötzlich ein seltsames Gefühl in der Magengegend - heute würde garantiert noch etwas passieren. Vielleicht etwas gutes oder wahrscheinlich auch etwas schlechtes. Was nun genau von beiden eher zutraf konnte Kanae nicht beurteilen, als sie sich später auf dem Weg zur Ginza befand.

Eigentlich war die Ginza eine normale Einkaufsmeile wie in etwa Shibuya - doch über Sonn- und Feiertage existierte keine Verkehrsstraße mehr in der Ginza, sondern eine Straße mit unendlich vielen Tischen und Stühlen die zum Kaffee - oder Teetrinken einluden. Dies wurde auch oft von Jugendlichen genutzt.

Unter ihnen zählten auch Kim und Kanae.

Nach der Fahrt mit der U-Bahn kam Kanae nun auch zu ihrem Ziel - die Ginza.

Überall waren Menschen, entweder schlenderten sie über die Straße oder ließen sich an einen der Tische nieder. Viele saßen bereits und starrten das Mädchen, welches da nun stand und Ausschau nach ihrer Freundin hielt, an. Doch nach ewiger Sucherei fand sie Kim auch schon und kam lächelnd auf diese zu. Kim saß da, hatte ihre Jacke über die Stuhllehne gehangen und rührte in einer Tasse mit dem Löffel umher.

"Du hast einen neuen Rekord aufgestellt." lächelte Kim, als Kanae sich ihr gegenüber niederließ. Kurz darauf kam auch schon eine junge Kellnerin, die sich bei Kanae nach ihrem Wunsch erkundigte.

"Ich habe mich nur wegen dir beeilt." meinte Kanae und ließ ihren Blick durch die Menschenmenge wandern.

"Was gibt es nun so Tolles, weshalb ich herkommen sollte?" fragte Kanae dann, als auch schon Kim mit den Finger gerade aus zeigte.

Kanae drehte sich um und entdeckte dann ein Plakat, welches an einem Laternenpfosten befestigt war.

Kim konnte dennoch gut beobachten, dass Kanae ihre Augen erschrocken aufgerissen hatte. "D-Das ist doch…" begann Kanae zu stottern und sah verblüfft in Kim’s Gesicht, diese aber lächelte nur und nickte ihrer Freundin zu.

"Das ist der Typ, der sich deinetwegen mit einem gebrochenen Arm quälen muss. Und die anderen sind zwar seine Freunde, aber gleichzeitig auch Bandkollegen. Ich wusste von Anfang an, dass ich die fünf schon mal gesehen habe. Allerdings hängt dieses Plakat auch schon seit einem Monat." erklärte Kim und nippte an ihrer Tasse. Es handelte sich um ein Plakat, welches für ein Konzert, welches die Jungs von Gazette vor ihrer Pause gegeben hatten - doch dies war bereits zu Beginn des letzten Monats. Nun machte man Werbung für die LIVE-DVD dieser am 17. April stattgefundenen "Maximum Royal Disorder" - Tour, die jedoch erst am 24. Mai in die Läden kommt .

Aber Kanae war immer noch völlig perplex - sie hatte zwar dasselbe Gefühl wie Kim, dennoch glaubte sie nicht wirklich daran. Doch nun wurde es nur bestätigt und Zweifel machten sich in Kanae breit. Jetzt wusste sie nicht, wie sie sich Ruki gegenüber verhalten sollte, wenn sie ihm nochmals begegnen würde. Wobei sie nicht einmal mehr daran glaubte, dass das je wieder passiert. Er war berühmt und Kanae war nichts weiter als ein gewöhnliches Mädchen mit dem Job als Hostess, was auch nicht immer auf Gegenliebe stieß. Und irgendwie hatte Kanae das irritierende Gefühl, als würde in ihr etwas zerbrechen - zu sehr hatte sie gehofft, dass Ruki nicht das wäre, was er wirklich ist.

Zu sehr hatte das Mädchen gehofft, ihn eventuell näher kennen lernen zu können, denn gedanklich hing sie immer noch dem Kuss nach. Es klang wirklich naiv und kindisch, doch Kanae konnte seitdem an nichts anderes mehr denken.

"Hey, du kannst auch mit mir reden." riss Kim’s Stimme Kanae aus den Gedanken und rasch sah sie in das Gesicht ihrer Freundin.

"Ich fass es einfach nicht." seufzte Kanae und nahm nun auch ihre Bestellung entgegen.

"So ist die Realität. Dein kleiner Retter ist in Wirklichkeit der Sänger einer populären Band. Aber ganz ehrlich, das hätte selbst ich nicht gedacht. Aber so ist es nun einmal." meinte Kim und beobachtete Kanae, die unentwegt an ihrer Kaffeetasse nippte.

"Was sind das nur für Typen?" murmelte Kanae.

"Gazette." sagte Kim und war nun selbst einen Blick auf das Plakat. Sie erkannte auch den Kerl, mit dem sie zusammengestoßen war - ja, dieser unglaublich hübsche Kerl verursachte nun in Kim ein seltsames Gefühl. Es war ein ähnliches Gefühl, wie es Kanae hingegen schon seit der Begegnung mit Ruki verspürte.

"Uruha heißt er also…" murmelte Kim dann und ihr Blick wirkte plötzlich so verträumt. Würde Toshi sie so sehen, so würde er sie garantiert wieder anfahren. Er würde Uruha womöglich auch noch als "Schwuchtel" bezeichnen, aufgrund seines femininen Äußeren. Doch das interessierte Kim in diesem Moment nicht, denn Toshi war nicht hier und das war wahrscheinlich auch gut so.

"Hä? Was ist denn mit dir auf einmal?" fragte Kanae dann sichtlich verwirrt, als sie Kim kurz beobachtet hatte und es auch irgendwie amüsant fand.

"Bist du etwa verliebt?" grinste Kanae und beobachtete Kim, wie sie erschrocken auffuhr und Kanae dann nur gespielt anlächelte.

"Nein, ich bin ja schließlich nicht du." meinte sie dann und räusperte kurz.

Kanae grinste immer noch. "He, sicher? Dein Blick eben hat mir aber etwas anderes verraten und es ist nicht mal schlimm, denn dieser Typ sieht ja auch gut aus und da kann ich verstehen, dass du dich in ihn verguckt hast. Es braucht dir nicht peinlich sein, Kimi." erklärte Kanae dann und sah, dass sich Kim’s Wangen röteten und irgendwie sah es ja niedlich aus. "Und du brauchst auch gar nicht rot werden." fuhr Kanae fort und lächelte in sich hinein. Kim schwieg, erwiderte überhaupt nichts darauf und schon im nächsten Moment hing ihr Blick auf dem Plakat.

Kanae gefiel es bei weitem besser, Kim glücklich zu sehen, als dass sie traurig ist.

Ja, Kim sollte sich wahrscheinlich verlieben, damit ihr Alptraum endlich ein Ende hat und sie endlich ihren inneren Frieden findet.

Und warum sollte sie Kim nicht auch etwas träumen dürfen? Sie tat es immer so selten.

Kanae merkte schon, dass Kim begeistert von diesem "Uruha" war und sie ließ es einfach dabei, statt Kim weiter mit Fragen zu bombardieren.

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update: 18-Feb-2008  
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