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S. > 34, 35-

Es waren Monate, die einem wie Jahre erschienen. Auch wenn die Zeit viel zu wenig war, erschien sie einem doch so ewig. Ja, als würde man sich bereits seit langer Zeit kennen.

Es war ein erleichterndes Gefühl, wenn man sagen konnte, dass zwischen zwei Menschen endlich der lang ersehnte Frieden herrschte, nach dem man so lange gesucht hatte. Erinnerte man sich aber zurück, was noch vor ein paar Tagen passiert war, so wollte man diese Zeit mit Sicherheit nicht zurückdrehen. Soviel Streit und Unbehagen, nein, das brauchte man nicht mehr - vor allem jetzt nicht, wenn man nun noch mehr kämpfen musste, bis man endlich gewonnen hatte.

Dennoch stellte man sich die Frage, was wohl der nächste Morgen bringen würde.

Man fragte sich, was in den nächsten Tagen passieren würde.

Wie würde es jetzt weitergehen?

Wie sollte man jetzt weitermachen?

Wo hatte man aufgehört?

Es warn viele Fragen und vielleicht bekäme man auch irgendwann eine Antwort darauf. Eine Antwort, die bis jetzt noch nicht in Sicht war.

Ein Karussell, welches irgendwann einmal aufhörte, sich zu drehen.

 

34

 

Nun war die Woche vergangen, in der man abwarten sollte.

Ja, dieses nervenzerreisssende Warten, die Zeit, in der auch schon so viel passiert ist.

 

Es war Mitternacht und draußen regnete es in Strömen. Der Wind schlug tosend die Regentropen gegen die Fensterscheiben und irgendwo lief ein Radio. Vermutlich hatte jemand vergessen das Radio, welches in der Küche stand, auszuschalten. Es liefen die Wettervorhersagen und sie versprachen vorerst keine Verbesserung des Wetters. Aber das interessierte im Moment wohl niemanden. Die meisten schliefen bereits tief und fest, bis auf Uruha, welcher die restlichen Tage nur am PC saß und sich, nur um duschen zu gehen, draußen blicken ließ, und Kai, welcher sich unruhig von einer Seite zur nächsten warf. Ihm standen Schweißperlen auf der Stirn. Er fror und im nächsten Moment war ihm auch schon wieder so heiß, dass er am liebsten alles von sich reißen würde. Es machte ihn wahninnig, er wollte doch nur schlafen.

Irgendwann hatte er sich dann aufgerappelt und bewegte sich taumelnd zu seiner Zimmertür und drückte deren Klinke runter. Vorsichtig betrat er den Flur, von oben konnte man Schritte hören - wahrscheinlich kamen diese aus Reita’s Zimmer und wahrscheinlich war dieser aufgewacht, um das Fenster zu verschließen. Weiterhin konnte man Ruki’s Stimme hören. Sie war nicht sehr laut und wahrscheinlich redete er nur im Schlaf. Das tat er in letzter Zeit ziemlich oft.

Im selben Moment fragte Kai sich, warum er überhaupt aufgestanden war, bis er dann feststellte, dass er Durst hatte. Ja, das wird es wohl gewesen sein.

Er steuerte barfüßig in die Küche und hörte das Radio rauschen - der Empfang musste wohl gestört sein und es kümmerte Kai nicht weiter. Er lief zum Küchenschrank und holte eines der Gläser aus der rechten Seite des Schranks. Mittlerweile klang es aus dem Radio wie ein Pfeifen, doch Kai ignorierte es, während es jeden anderen vielleicht gestört hätte.

Und statt den Stecker aus der Steckdose zu ziehen, steuerte Kai zum Wasserhahn, den er aufgedreht hatte und sein Glas mit Wasser füllte. Er wollte das Glas soeben ansetzen, als er plötzlich Reita, der in seinen Händen Glasscherben hielt, in der Tür stehen sah. Seine Haare waren zerzaust und das Hemd, welches er lediglich anhatte, trug er verkehrt herum.

"Was machst du denn hier? Warum liegst du nicht im Bett?" fragte Reita, der zum Mülleimer lief und die Glasscherben darin entsorgte. Kai starrte Reita nur schweigend an.

"Mach aber keine Dummheiten." meinte Reita dann und wusch sich die Hände, trocknete diese dann an einem Geschirrhandtuch ab. Kai schwieg immer noch und starrte nur in sein mit Wasser gefülltes Glas.

"Ich geh dann mal wieder." sagte Reita dann, der Kai kurz gewunken hatte und dann aus der Küche verschwand. Kai interessierte das, was Reita zu ihm sagte, relativ wenig und so sah er auch keinen Grund dazu, sich weiter Gedanken darüber zu machen.

Und so setzte er erneut das Glas an und nahm einen Schluck daraus, lief anschließend auf den Küchentisch zu und zog den Stuhl, der dort rangestellt stand, vor und ließ sich auf ihm nieder. Kai starrte nun vor sich hin, sah dabei aus wie ein kleiner dummer Junge, dem dunkle Haarsträhnen im Gesicht hingen.

Alles war plötzlich irgendwie still, das Pfeifen aus dem Radio war verschwunden und hatte sich wieder in das Rauschen von vorher verwandelt. Dieses wurde irgendwie plötzlich so unglaublich laut und überdröhnte gar Kai’s Atemgeräusche.

Er hatte für einen Moment die Augen geschlossen, sah das Rauschen bildlich wie ein Flimmern vor seinen Augen - bis er mit einem Mal das Gefühl hatte, kalte, feuchte Hände in seinem Gesicht zu spüren. Sie fühlten sich so unglaublich real an, dass es Kai dazu brachte, sein Glas auf dem Tisch abzustellen und nach diesen Händen mit weiterhin geschlossenen Augen zu greifen. Er spürte sie, er spürte sie sogar sehr deutlich und es bereitete ihm unangenehme Gänsehaut, die sich wie ein Lauffeuer auf seinem ganzen Körper ausbreitete.

"Wer ist da?" hatte er dann nur gefragt. Warum öffnete er nicht einfach seine Augen?

Kai hörte plötzlich jemanden Kichern - es klang wie das Kichern eines Mädchens.

Als er dann spürte, wie diese Hände zu seinem Hals wanderten, riss Kai erschrocken seine Augen auf. Er fuhr auf dem Stuhl zusammen und blickte entsetzt in das Gesicht der Gestalt, die da vor ihm stand und anlächelte. Er blickte in das Gesicht eines Mädchens und es fiel ihm schwer, überhaupt etwas an ihr erkennen zu können. In ihrem Gesicht klebten nasse Haarsträhnen und nur die weißen Zähne, die bei ihrem Lächeln entblößt wurden, konnte man wirklich erkennen.

"Hast du mich schon vergessen?". Wer war sie nur?

"Kimi?" fuhr Kai dann fast schon hysterisch auf und musste sich dabei stark zusammenreißen, nicht lauter zu werden und die anderen zu wecken.

Doch in Wirklichkeit war da niemand, nur eine Gestalt, die Kai sich einbildete zu sehen.

Und nun erkannte Kai auch, dass die Gestalt vor seinen Augen vollkommen blutüberströmt war. Es bereitete Kai plötzlich ein Gefühl von Übelkeit und sich jeden Moment erbrechen zu müssen.

"Hast du mich vermisst?".

Es war wie ein Horrorfilm, in dem Kai sich versetzt fühlte und innerlich wusste er doch, dass das hier nicht real sein konnte. Aber diese kalten und nassen Hände an seinem Hals fühlten sich so unglaublich echt an.

"Das bist du nicht….wer bist du?". Kai kniff nun seine Augen zusammen, um diese Gestalt nicht mehr ansehen zu müssen. Es widerte ihn fast schon an,. Doch irgendetwas lähmte ihn eigenartig, sodass er nicht einfach aufstehen und aus der Küche verschwinden könnte.

"Was hast du?".

Kai würde lieber los schreien, doch er konnte es in diesem Moment noch nicht.

"Hau ab! Fass mich nicht an!". Kai versuchte die Hände an seinem Hals loszureißen, aber selbst das schien ihm unmöglich.

"Kai….Kai…Kai…" hallte es plötzlich in seinem Kopf. Es war wie ein Echo und es wollte einfach nicht verschwinden, brachte Kai’s Kopf zum Schmerzen.

"Nimm deine Hände von mir, du Monster!" wurde er dann hysterisch und hörte nur ein schrilles Lachen gemischt mit dem Rauschen des Radios in seinem Kopf.

Dieser Alptraum, wenn es einer war, sollte aufhören.

Und es riss Kai plötzlich vom Stuhl und schrie. Er schrie, wie er noch nie geschrieen hatte. Dabei war es so schrill, so hell, dass man es fast für den Schrei einer Frau halten könnte.

Das Glas zerbrach, als Kai es zusammen mit der weißen Tischdecke heruntergerissen hatte. Dieser laute Schrei und das klirrende Geräusch riss alle aus dem Schlaf.

Man hörte die ersten Schritte, die sich schnell im Flur und von der Treppe bewegten.

Ruki, der beinahe auf den Fliesen ausgerutscht und hingefallen wäre, starrte erschrocken in die Küche. Er sah Kai am Boden liegen, wie ein kleines Kind hatte er sich zusammengekauert und wimmerte vor sich hin.

"Kai!" fuhr Ruki dann erschrocken auf und kam auf ihn zugestürmt. Hinter ihm stand dann auch schon Kanae, die sich die Hände vor den Mund geschlagen hatte.

 

 

"Fass mich nicht an! Fass mich nicht an!" kreischte Kai nun regelrecht und hatte begonnen, wild um sich zu schlagen, als Ruki versuchte, ihm aufzuhelfen.

"Nimm deine Hände von mir! Nimm sie weg!" schrie er dann weiter.

"Aoi, Reita, helft mir doch mal!" zischte Ruki, der mit Schlägen von Kai zu kämpfen hatte, als im selben Moment Aoi und Reita in der Küche standen.

Im nächsten Moment hatten die drei ihn gepackt und mit Mühe in sein Zimmer zurückgetragen. Kanae war immer noch erschrocken, ja beinahe schon fassungslos.

Vorsichtig hatte man dann Kai auf sein Bett gelegt, er schrie und schlug immer noch.

Es war wohl die grausamste Nacht von allen für Kai - es war nicht nur, dass er sich eingebildet hatte Kim zu sehen, sondern auch die Fieberschübe, die ihn leiden ließen und ihn, sowohl auch den anderen den Schlaf raubte.

Wann würde es endlich aufhören?

 

Kapitel 11

 

Es war wohl eine der schlimmsten Zeiten, die die Jungs, sowie Kanae erleben mussten. Als man sich um Kim gesorgt hatte, war es schon schlimm genug und nun, nachdem Kanae einen Nervenzusammenbruch hatte, hatte es auch Kai erwischt. Alles erschien wie ein schlechter Traum, den man wohl eher ironischerweise als "K-Virus" bezeichnen konnte. Aber neben Kim, machte man sich um Kai die größten Sorgen. Er aß nichts mehr, erlitt einen Fieberschub nach dem anderen und fantasierte fast schon regelmäßig.

Man hatte Angst, man hatte wirklich Angst und vielleicht würden die Jungs mit der Musik aufhören müssen, weil sie es einfach nicht mehr können. Die seelische Belastung wiegte schwer, auch wenn man es vielleicht nicht jedem sofort ansah.

Doch sie war da und neben ihr die Angst. Wie nach einer Hetzjagd, wünschte man sich jetzt das Ende. Das Ende dieses Alptraums…

 

"Kanae, geh schlafen. Seit Tagen und Nächten sitzt du schon an seinem Bett und kümmerst dich um ihn. Jetzt mach eine Pause, sonst fällst du wohlmöglich noch um." meinte Aoi, der zusammen mit Reita leise Kai’s Zimmer betreten hatte. Im Moment schlief Kai tief und fest, als würde ihn nicht so schnell wieder aus dem Schlaf reißen können.

"Nein, ich schaff das schon. Als Kim mal krank war, habe ich das auch geschafft. Also werde ich das hier auch schaffen. Sein Fieber ist auch schon gesunken." erwiderte Kanae.

Trotz ihres Versuchs, stark zu sein, sah man ihr an, dass es ihr schlecht ging. Ihre Haut war Leichenblass geworden, man konnte sie und auch alle anderen als Haut und Knochen bezeichnen. Und Kanae war kaum noch in der Lage, ein Glas still halten zu können, entweder verschüttete oder zerbrach sie es. So konnte man es nicht lassen, sie musste schlafen, wenigstens eine Nacht.

"Lass den scheiß! Sieh dich doch mal an! Ich habe das Gefühl, nicht dich, sondern eine Leiche da sitzen zu sehen." seufzte Aoi und kam auf Kanae zu, die gerade dabei war, Kai’s Stirnkompresse zu wechseln.

"Das ist mir egal. Ich will Kai gesund kriegen und er ist schon auf dem besten Wege…hoffe ich." meinte Kanae, als sie dann auch schon von Aoi gepackt und aus Kai’s Zimmer getragen wurde, während sie Reita dann auch schon der Kompresse von Kai widmete.

"Aoi, lass mich runter!". Kanae versuchte, nicht laut zu werden. Aoi lachte jedoch nur und versuchte mit dem Ellenbogen die Tür zu Ruki’s Zimmer zu öffnen.

Er hatte sie dann auch schon wieder runtergelassen, als sie im Zimmer standen.

"Du schläfst jetzt." sagte Aoi nur und verschwand wieder aus dem Zimmer. Kanae fühlte sich in der Tat irgendwie schlapp, als sie sich zu Ruki umdrehte, der sich auf die Seite des Bettes gekuschelt hatte, auf der Kanae immer lag und in letzter Zeit hatte er auch immer ein Licht brennen, genau wie jetzt.

Ohne Worte warf Kanae ihren Bademantel, den sie nach dem Duschen einfach übergezogen hatte, von sich und kroch nur in String bekleidet zu Ruki ins Bett.

Stöhnend regte er sich und öffnete dann müde die Augen.

"Wer ist da?" fragte er und drehte sich um, konnte nur verschwommen erkennen, wer da neben ihm lag. Eigentlich wusste er ja, dass es nur Kanae sein konnte, die dann auch schon mit ihrer linken Hand sein Gesicht berührt. Ihre Hand war nicht warm wie sonst, sie war eiskalt und ließ Ruki zusammenfahren.

"Ich bin’s." antwortete Kanae mit einem Lächeln und nahm ihre Hand aus Ruki‘s Gesicht.

Stöhnend fuhr Ruki mit den Händen über sein Gesicht. "Wow!" bemerkte er bloß teilnahmslos und drehte sich auf den Rücken, starrte an die weiße Zimmerdecke.

"Freust du dich denn nicht?" fragte Kanae nur, die näher an Ruki herangerückt war.

Ihr Körper war kalt, eiskalt und so kannte es Ruki von Kanae nicht. Sie war sonst immer warm und er fühlte sich in dieser Wärme sehr wohl.

Ruki lachte gespielt. "Klar.".

"Was ist los mit dir?" fragte Kanae dann weiter und spürte nur, wie Ruki, als er sich wieder in ihre Richtung gedreht hatte, seinen linken Arm um ihre schmalen Hüften gelegt hatte und sie dichter an sich heranzog.

"Du bist kalt." sagte er nur und streichelte sanft ihren Rücken, sodass es Kanae Gänsehaut bereitete, die sich auf ihrem ganzen Körper ausbreitete. "Und du hast mir gefehlt." fuhr Ruki dann fort und zog Kanae noch näher an sich heran, als wolle er sie nie wieder loslassen. Er würde es auch nicht tun, wenn er es dennoch müsste. Er wollte sie nie wieder hergeben, schon seit dem ersten Augenblick ihrer Begegnung.

Dieser zerbrechliche Engel, den er auf die Straße rennen sah und unbedingt retten wollte. Er nahm den Schmerz auf sich, nur damit sie ihn nicht ertragen musste.

Ruki würde es sofort wieder tun, nur um die Frau zu retten, die er liebte.

"Was ist los mit dir? Du zitterst ja." flüsterte Kanae, als sie merkte, wie Ruki plötzlich zu zittern begann. Er überspielte es mit einem Lächeln, welches man jedoch nicht sehen konnte. "Es ist nichts, wirklich nicht. Mach dir keine Sorgen, ich bin froh, dass du neben mir liegst und das ich dich in meinen Armen halten kann." sagte Ruki nur und trieb ihr mit seinen Worten schlagartig Tränen in die Augen.

"Ruki…" seufzte sie und krallte sich nun regelrecht an seinem Rücken fest. Es schmerzte ein wenig, aber Ruki ignorierte es einfach. "Schon damals wusste ich, dass ich dich irgendwann so wie jetzt in meinen Armen halten werde.".

"Schon seit unserer ersten Begegnung, wusste ich es ganz tief in meinem Herzen.".

"Du wirst immer die Frau sein, die mir das Herz gestohlen hat.".

"Du bist der Engel, dem ich begegnen sollte.".

Solche Worte kannte Kanae bis jetzt von Ruki nicht. Er war schon immer zärtlich und seine Berührungen brannten immer wie Feuer auf ihrer Haut. Aber diese Worte, genau diese Worte, hatte sie noch nie von ihm zu hören gekriegt. Damals schaffte er es einfach noch nicht, ihr diese Worte zu sagen - weil er Angst hatte. Angst davor, von Kanae verletzt zu werden. Dabei beruhte diese Angst auf Gegenseitigkeit.

"Tut es dir weh?" fragte Ruki dann plötzlich an ihrer Schulter und er spürte nur ihr Kopfschütteln. "Nein…" wimmerte sie dann schon fast.

"Damals hatte ich einfach noch nicht den Arsch in der Hose. Ich hatte einfach nur Angst davor, verletzt zu werden. Angst davor, dass du mich nicht so lieben könntest, wie ich es mir wünschte. Ich habe noch nie jemanden so geliebt, wie dich." erklärte Ruki dann.

Ja, Kanae wusste, dass er Angst davor hatte, von ihr verletzt zu werden.

"Meine Eifersucht und die Gemeinheiten und Unterstellungen, dass alles wollte ich nicht. Aber ich kam damit nicht klar, dass du mir damals einfach so deine Gefühle gestanden hast. Ich war überrascht, sehr sogar, obwohl ich es doch so haben wollte." fuhr er fort und brachte Kanae nur dazu, richtig loszuheulen.

 

"Ich war schon immer derjenige, der vor allem weggerannt ist. Ich war feige".

"Ich habe dir wehgetan, sehr sogar.".

"Kannst du mir verzeihen?".

 

Plötzlich klingelte das Telefon, welches im Flur auf einem mittegroßen buchfarbenen Schrank stand. Es klingelte, immer und immer wieder.

 

"Ich habe dir schon lange, lange verziehen…"

 

Rasch hatte Kanae sich von Ruki losgerissen und war aus dem Bett gekrochen. Sie griff hastig nach ihrem Bademantel, den sie sich überzog und dann anschließend aus Ruki’s Zimmer stürmte. Sie rannte zum Telefon, als dann auch schon Reita aus Kai’s Zimmer kam.

Mit nervös zittriger Hand nahm Kanae den Hörer ab, während sie mit der anderen ihre Tränen aus dem Gesicht wischte.

"Nakajo am Apparat." meldete sich Kanae und merkte ihre deutliche Aufregung.

"Entschuldigen Sie die späte Störung. Mein Name ist Okazaki, ich bin der Kommissar der örtlichen Polizeibehörde und Leiter der Suchkommission Kim Hino. Ich habe Neuigkeiten für Sie." erklärte der Mann am anderen Ende der Leitung. Kanae fiel auf die Knie, als sie den Namen "Kim" aus dem Munde dieses Mannes hörte. Sie zitterte umso mehr und ihre Augen waren weit aufgerissen und von Tränen gefüllt. Rasch hatte sich auch Reita, der in Eilschritten auf sie zukam, ihr zugewendet.

"Sagten Sie gerade Kim? Die Kim Hino?" stotterte Kanae regelrecht ins Telefon, während ihr Tränen über die Wangen rollten und Reita ihr tröstend den Rücken streichelte, als er sich zu ihr runtergekniet hatte. Ob Kanae’s Tränen Freudentränen oder Tränen aus Trauer waren, konnte Reita in diesem Moment nicht sagen.

"Ja, junge Frau. Ich würde Sie morgen Mittag gerne bei mir im Büro sehen, damit ich Ihnen alles in Ruhe erklären kann." erklärte der Kommissar. "Aber ich kann Ihnen schon soviel sagen, dass wir positive Neuigkeiten haben." fuhr er dann fort.

"Positive Neuigkeiten? Ist Kim am Leben, geht es ihr gut?" fragte Kanae und hörte den Mann am anderen Ende der Leitung nur auflachen.

"Damit Sie beruhigt schlafen gehen können, kann ich Ihnen sagen, dass ihre Freundin am Leben ist. Den Rest erkläre ich Ihnen wie gesagt morgen." meinte er und brachte Kanae somit ein erleichtertes Lächeln auf die Lippen.

"Danke! Vielen Dank, Herr Kommissar!" seufzte Kanae ins Telefon und hörte erneut diesen Mann, der ihr plötzlich soviel Hoffnung gab, wieder auflachen.

"Dazu ist die Polizei ja da, junge Frau. Ich wünsche Ihnen dann eine gute Nacht.".

Mit diesem Satz war dann auch schon das Telefonat beendet. Noch immer hockte Kanae am Boden und starrte den Telefonhörer, der nur noch ein lästiges "tut…tut….tut…" von sich gab, an. "Und, was ist?" fragte Reita, der ihr den Hörer aus der Hand nahm und auflegte. "Ich muss…ich muss es sofort Uruha sagen. Er muss es wissen." meinte Kanae nur, die plötzlich so immens aufgeregt war.

"Was? Was musst du ihm erzählen?" fragte Reita nur wieder, als dann auch schon Ruki und auch Aoi im gleichen Moment aus den Zimmern kamen.

"Was hockt ihr da am Boden? Wer hat da angerufen?" fragten sie nur. Doch statt eine Antwort von Kanae zu bekommen, war diese nur aufgestanden und stürmte die Treppe hinauf in Uruha’s Zimmer.

Es war ein schlimmer Anblick, den Kanae dann zu sehen bekam. Uruha saß nach wie vor wie ein Besessener vor seinem PC. Die Luft war stickig und roch nach Zigaretten. Eigentlich war es widerlich, aber das war Kanae im diesen Moment nicht wichtig.

"Uruha?". Sie kam auf Uruha zu, stand wie ein schüchternes Schulmädchen vor ihm.

Langsam drehte er seinen Kopf in ihre Richtung und er sah einfach nur schrecklich aus. Uruha war mittlerweile zu einer wandelnden Leiche vegetiert. Er war blass, blässer als Kanae und Kai zusammen. Er hatte Augenringe und Uruha’s Gesicht schien wie zusammengefallen, dass er fast schon einen "alten" Eindruck hinterließ.

Es war grausam und es schmerzte, zu sehen zu müssen, wie sich Uruha’s wunderhübsches, fast schon mädchenhaftes Gesicht so verändert hatte. Es war ein bildliches Leiden.

"W-was ist mit dir passiert?" stotterte Kanae plötzlich, als sie Uruha’s fast schon dürre Gestalt ansah. Er lächelte bloß und pustete ihr den Rauch seiner Zigarette entgegen.

"Was passiert is‘? Nichts." sagte er nur und drehte seinen Kopf wieder zu dem Monitor seines PC’s.

"Uruha, was ist passiert? Wo bist du nur hin?" wimmerte Kanae bei seiner Gestalt los und riss sein Gesicht wieder in ihre Richtung.

Es tat ihr mit einem Mal so weh, so sehr weh, dass sie heftig zu schluchzen anfing.

"Ich bin doch hier." sagte er nur teilnahmslos, als Kanae ihn ansah.

Sie schüttelte ihren Kopf. "Nein, das bist nicht du. Du hast dich kaputt gemacht…hör auf damit, sonst stirbst du und wir würden es nicht einmal merken." schluchzte Kanae, die mit den Daumen beider Hände über Uruha’s fast schon knochige Wangen streichelte.

"Was macht das schon? Es spielt keine Rolle mehr für mich. Es ist doch egal, ob ich sterbe oder vor mich hin vegetiere. Kai macht es auf eine andere Art und ich mach es halt auf diese Weise.". Als er diesen Satz beendet hatte, hatte Kanae ihm auch schon eine Ohrfeige verpasste, die sie innerlich schon wieder bereute und sie nur noch heftiger weinen ließ.

"Halt den Mund! Halt einfach den Mund, Uruha! Ich will nie wieder so etwas aus deinem Mund hören. Kim würde dich dafür hassen!" schluchzte Kanae laut, die Uruha nur entsetzt angesehen hatte. Er lachte jedoch nur und stand auf. Seine Klamotten hingen an ihm wie an einem Kartoffelsack. So kannte Kanae ihn nicht so wo würde Kim ihn niemals haben wollen. Sie würde alles an seinem Körper vermissen - seine großen und zärtlichen Hände, seine starken Arme, sein schöner Oberkörper und die Hüften. Einfach alles.

Jetzt war er nur noch ein wandelndes Stück Haut und Knochen.

"Verdammt noch mal, was willst du eigentlich von mir?" fuhr er sie an, als er vor Kanae stand und sie abwartend ansah.

"Eigentlich wollte ich dir nur etwas mitteilen." sagte sie etwas ruhiger und wischte sich ihre Tränen aus dem Gesicht. Uruha stöhnte genervt und fuhr sich durch die Haare. Er tat ja fast schon so, als wolle er Kanae so schnell wie möglich wieder loswerden, damit er sich wieder seiner Beschäftigung am PC widmen konnte.

"Dann komm auf’n Punkt und dann geh wieder. Ich kann niemanden gebrauchen, der mir auf die Nerven geht." meinte er und erhielt erneut eine Ohrfeige von Kanae.

"Was bist du nur für ein Mensch geworden, Uruha? Warum bist du nur so geworden? Du bist ein Mistkerl, ein verfluchter Mistkerl!" schluchzte Kanae schon wieder und schlug mit den Fäusten gegen Uruha’s Brust. Es schmerzte nicht doll, aber Uruha erkannte rasch, dass er sich soeben unmöglich benommen hatte. Ja, er war aggressiv geworden und verschloss sich vor alles und jedem. Vor kurzem hatte Kanae noch zu ihm gesagt, dass er sich nicht verschließen solle und er tat es doch.

"…dabei wollte ich dir nur sagen…ich wollte dir nur sagen…" wimmerte Kanae nur.

Sie war über ihre eigene Tat vollkommen perplex.

"…Kim lebt." sagte Kanae dann nur und sah in Uruha’s erschrockenes Gesicht .

"W-was hast du gesagt? Was hast du da gerade gesagt?" fragte Uruha, der Kanae an den Schultern packte und zu schütteln begann. "Was hast du gesagt?" fragte Uruha wieder.

"Kim lebt!" wurde Kanae etwas lauter. Im selben Moment kam Ruki hineingeplatzt und starrte die beiden nur an. "Hört gefälligst auf, euch anzuschreien. Ihr seid ja nicht mehr normal." meinte Ruki, der in die erschrockenen Gesichter der beiden sah. Augenblicklich hatte Uruha von Kanae abgelassen, die nur ihren Kopf senkte. "Sie lebt und es scheint ihr gut zu gehen. Ich muss morgen zur Polizei." sagte sie dann nur und war aus dem Zimmer getürmt.

"Alles in Ordnung? Du siehst sehr schlecht aus Uruha, willst du nicht mal was essen?" fragte Ruki, der immer noch in Uruha’s erschrockenes Gesicht sah. Er beobachtete, wie über Uruha’s Wangen vereinzelte Tränen rollten, die anschließend von seinem Kinn tropften.

"Sie lebt. Kim ist am Leben…" wimmerte er und kam auf Ruki zu.

"Ruki, Kim ist am Leben, hörst du? Sie ist am Leben." wiederholte er immer und immer wieder. Es machte auf Ruki schon einen fast irren Eindruck.

"Es ist ein Wunder." sagte Ruki, der ebenfalls sichtlich erleichtert darüber war und Uruha lächelnd angesehen hatte. "Wir können aufatmen. Und wer weiß, vielleicht wirst du sie schon sehr bald wieder in deinen Armen halten können." fuhr er fort und wandte sich Uruha’s Schreibtisch zu an dem er sich prompt niederließ.

"Aber du könntest mal frische Luft in dein Zimmer lassen, das wäre mit Abwechselung mal ganz gesund für dich." sagte Ruki dann, bis er bemerkte, dass Uruha schon gar nicht mehr in seinem Zimmer war. Vielleicht war er nur auf die Toilette oder etwas Trinken gegangen.

"Ich habe schon fast aufgegeben, daran zu glauben, dass wir je so etwas erfahren." murmelte Ruki dann nur vor sich hin, bis er dann begonnen hatte, sich Uruha’s PC zu widmen. Es war erschreckend, was er dort zu sehen bekam. Natürlich wußten Ruki und auch alle anderen Bandmitglieder, dass Uruha liebend gern am PC saß und sich mit Filmschnitten beschäftigte. Aber das hier, war mehr als nur irre. Es glich fast schon Wahnsinn, dem Uruha in seiner Verzweifelung verfallen war - Ruki sah den Film, den Uruha gemacht hatte, an. Ein Film von Kim und man bekam das beklemmende Gefühl, dass Werk eines Stalkers zu sehen.

 

"Uru, nimm die blöde Kamera weg!".

"Uruha, ich will das nicht, guck mal wie ich aussehe!".

"Jetzt hör schon auf!".

 

Ja, es war Kim, die Uruha, als sie noch im Bett lag, gefilmt hatte.

Es waren sogar Fotos dabei, die Uruha gemacht haben musste, als sie noch schlief.

Einerseits war es schön, so die Erinnerungen an sie festzuhalten.

Anderseits war es einfach nur irre.

 

"Nein, nimm das Ding weg!".

"Ich will aber nicht. Ich sehe dein Gesicht gerne." grinste Uruha nur, während das Bild vor der Kamera etwas wackelte. Er hatte begonnen, Kim mit einer Hand auszukitzeln, während er mit der anderen Kim filmte.

"Hey, hör auf mich auszukitzeln, sonst wirfst du deine Kamera noch runter und dann weinst du wie ein Baby, weil sie kaputt gegangen ist.".

"Dann kauf ich mir eine neue." meinte er nur, als er Kim’s Gesicht ziemlich nahe kam.

"Atsuaki Takeshima, ich ruf deine Mama an und sag ihr, dass du mich ärgerst. Dann versohlt die dir den Hintern.".

"Nee, das darfst du machen. Meine Mutter würde sicherlich den Teppichklopfer nehmen und das tut richtig schön weh." grinste Uruha, der plötzlich merkte, wie Kim nach seinen Hüften packte. Wieder wackelte das Bild etwas.

"Uru, du hast schöne Hüften.".

"Deine sind viel schöner und ich find sie sexy." meinte er nur und piekste mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand in Kim’s linke Hüfte. Sie lächelte etwas beschämt, grinste dann aber schon wieder frech.

"Wenn du mich schon filmst, dann darf ich später bestimmt in deine Oberschenkel beißen, ja?".

 

Es war schon schöne Erinnerungen, die man an Kim hatte. Man wollte sie nicht verlieren, niemand wollte das und so sollte es auch nicht sein. Mittlerweile war Kim schon zu einem festen Bestandteil in der Gruppe geworden. Es wäre einfach viel zu grausam, wenn es sie auf einmal nicht mehr geben würde.

"Shit…" seufzte Ruki nur. Ja, es wäre wirklich traurig.

"Ruki, wo ist Kai?" rief Kanae die Treppe hinauf, während das Geräusch von plätscherndem Wasser aus den beiden Duschen ertönte.

"Die sind bestimmt duschen…" entgegnete Ruki. Aber sie sagte doch Kai, oder?

"Moment mal…hast du eben Kai gesagt?" fragte Ruki, als dieser dann zum Treppengeländer stürmte und Kanae ansah.

"Ja." sagte Kanae, die plötzlich erschrocken auffuhr. "Oh mein Gott!" reagierte sie dann auch schon aufgebracht und verschwand im Flur, in dem Uruha angelehnt an der Wand stand. "Uruha, hast du Kai gesehen?" fragte sie ihn und kam dabei auf ihn zu.

Mit der Hand vor dem Gesicht nickte er. "Er ist einfach aus der Tür raus. Ich wollte ihn aufhalten, bis mir plötzlich schwarz vor Augen wurde…" antwortete er, als er sich aufrecht vor Kanae hinstellte und anfing, zu taumeln.

"Das kann doch alles nicht wahr sein!". Ohne weiteres war Kanae dann aus dem Haus in den strömenden Regen gestürmt. Sie gab Uruha aber keinesfalls die Schuld dafür, dass er Kai nicht aufgehalten hatte. Es hätte jedem anderen auch passieren können.

Barfuss und nur im Bademantel bekleidet bewegte sich Kanae auf den Gehweg.

Sie wusste nicht, welche Richtung Kai eingeschlagen haben könnte und es brachte sie zum Verzweifeln. Kai war krank und wahrscheinlich fantasierte er oder schlafwandelte.

Es konnte so viel sein, was ihn dazu bewegt haben könnte, einfach so zu verschwinden.

Sie war dann einfach losgelaufen und er Regen ergoss sich erbarmungslos über Kanae, die innerhalb von wenigen Minuten bis auf die Knochen durchnässt war. Obwohl es nicht kalt war, so fror Kanae und brachte sie zum Zittern und der Wind schlug ihr ins Gesicht.

Man könnte nicht einmal einen Hund vor die Tür schicken, aber das Wetter wollte einfach nicht besser werden.

Wie viel Zeit wohl schon vergangen war?

Man hatte aufgehört, daran zu denken…

 

Kanae lief schon seit einer Weile planlos durch die nassen Straßen, als sie jemanden am Ende der Straße stehen sah. Sie wusste sofort, dass es nur Kai sein konnte.

"Was machst du nur?" murmelte Kanae und begann zu rennen. Der Asphalt unter ihren nackten Füßen fühlte sich unangenehm an, aber das war ihr völlig egal. Kai war jetzt wichtiger. Und als sie dann unmittelbar neben ihm stand, konnte Kanae nur still beobachten, wie Kai seinen Kopf nach hinten warf und wie gebannt in den Himmel starrte.

"Kai?". Kanae hatte sich vor ihn hingestellt und ihn an den Oberarmen gepackt.

"Kai!" wurde sie etwas lauter und Kai richtete sein Blick in ihr Gesicht.

Er sah so unendlich traurig aus.

"Wo ist Kimi?" fragte er nur und sah wie ein dummer Junge mit klatschnassen Haaren und einem blau-weißgestreiften nassen Hemd aus.

Vielleicht fantasierte er wirklich. Es konnte nur so sein, denn würde er schlafwandeln, so wäre er schon längst zusammen gebrochen.

"Wieso bist du überhaupt weggelaufen? Ich bin total erschrocken." meinte Kanae und streichelte über Kai’s nasse Wangen.

"Wo ist Kimi?" fragte er nur wieder und irgendwie wirkte er wie ein Geistigbehinderter.

"Kai, dass weiß ich nicht. Das werden wir morgen erfahren und jetzt lass uns wieder nach Hause gehen." sagte Kanae, die nur erschrocken zusehen konnte, wie Kai laut nach Kim geschrieen hatte und anschließend schluchzend auf die Knie fiel.

"Verdammt, Kai, komm jetzt." forderte Kim und wollte ihn mit sich hochziehen, wenn sie anschließend nicht selbst am Boden gesessen hätte, weil sie zu schwach war.

"Kai, ich schaff das nicht." sagte sie leise, als sie Kai dann wie ein kleines Kind im Arm hielt. "Ich habe keine Kraft, weißt du?" fuhr er dann fort. Kai hatte sich nur schluchzend und zitternd an Kanae festgekrallt. Beide wirkten in diesem Moment wie Menschen, die gerade ihr zu Hause verloren hatten und nun auf der Straße leben mussten.

Es sah schon regelrecht erbärmlich aus.

 

In der Ferne hörte man das Läuten von Glocken.

 

"Los, steh auf, Kai. Wir müssen nach Hause." meinte Kanae, die Kai vorsichtig von sich weggedrückt hatte und ihm nun ins Gesicht sah. Dabei bemerkte sie, dass er das Bewusstsein verloren hatte.

"Verdammt…" murmelte sie, als sie plötzlich jemanden vor sich stehen sah.

Kanae richtete schlagartig ihren Blick nach oben und sah in Uruha’s Gesicht, in dem vereinzelt Haarsträhnen hingen. Ohne ein Wort hatte er sich mit dem Rücken zu Kanae gedreht und kniete vor ihr am Boden.

"Pack ihn irgendwie auf meinen Rücken." sagte Uruha nur und Kanae versuchte so gut wie möglich, Kai auf Uruha’s Rücken zu packen, damit dieser ihn "Huckepack" nehmen konnte.

"Danke." sagte sie wenig später, als sie mit verschränkten Armen neben Uruha auf dem Gehweg lief. Er lächelte.

"Schon in Ordnung und eigentlich müsste ich mich bei dir dafür bedanken, dass du mir die Augen geöffnet hast. Ich weiß, dass es falsch von mir war, was ich gemacht habe. Auf Dauer wäre ich vielleicht durchgedreht…vielleicht sogar mehr, als es Kai jetzt tut." meinte Uruha, der Kanae einen schüchternen Blick zuwarf. Vielleicht würden sich die Zeiten ändern und vielleicht würde es wenigstens Uruha jetzt ein wenig besser ergehen.

Das hoffte Kanae….

Wenig später standen sie dann auf dem Gehweg vor der Haustür, an der Kanae dann klingelte. Ruki hatte dann auch schon die Tür aufgemacht.

"Ihr seid lange weg gewesen. Wir wollten schon losfahren, um euch zu suchen." meinte er und trat zur Seite, als Aoi schon auf die beiden zukam, um Kai ins Haus zutragen.

"Es ist nichts passiert, wir haben Kai wieder gefunden und ohne Uruha hätte ich ihn wahrscheinlich gar nicht von der Stelle bekommen." lächelte Kanae verlegen und sah Ruki nur nicken, bevor er wieder im Haus verschwand.

Uruha stand mit Kanae noch einen Moment lang vor der Haustür, aus der man das Licht im Flur brennen sehen konnte.

Standen sich gegenüber, als wären sie sich zum allerersten Mal begegnet.

"Darf ich morgen mitkommen?" fragte Uruha und er wirkte irgendwie wie ein eingeschüchterter Schuljunge.

"Ja." sagte Kanae und zerrte Uruha anschließend mit ins Haus.

 

Die Tür war bereits ins Schloss gefallen, als Kanae ins Wohnzimmer stürmte, in dem sich der Rest bereits tummelte.

"Geh erst mal duschen, wir passen so lange auf, dass Kai sich nicht in der Badewanne versenkt." meinte Ruki, der breitbeinig auf der Couch saß und seinen Kopf nach hinten geworfen hatte, aus dem Wohnzimmer aus, in dem auch Aoi, Reita und Uruha saßen.

"Ich beeil mich, damit du dann auch duschen gehen kannst, Uruha." sagte Kanae nur, die vom Wohnzimmer aus in Ruki’s Zimmer verschwand.

Die restliche Nacht verlief rasend schnell. Schneller als man wollte.

 

35

 

Vielleicht hätte man sich gewünscht, dass dieser Morgen mit warmen Sonnenstrahlen beginnen würde, doch nach wie vor strömte der Regen nach wie vor in Massen.

Als wolle er alles wegspülen…

 

Gähnend saß Ruki zusammen mit Aoi und Reita am Küchentisch und tranken bereits gemeinsam Kaffee, als dann auch schon Uruha in die Küche schlurfte und sich auf Kai’s Platz niederließ. Er zog alle Blicke auf sich, denn er sah irgendwie anders aus als sonst.

Er machte einen entspannten und irgendwie fast schon erholten Eindruck.

"Ähm,…alles in Ordnung?" fragte Ruki sichtlich irritiert.

"Ja, warum?" entgegnete Uruha, der dabei war, sich Kaffee in eine große Tasse zu gießen.

"Du siehst irgendwie anders aus." meinte Reita dann, der an seinem Buttertoast knabberte. Uruha sah Reita nur verwundert an und griff nach der Plastiktüte mit Toastscheiben, mit der er anschließend zum Küchenschrank lief.

"Ja, du siehst aus wie’n Hungerhaken." fügte Ruki dann hinzu und hörte Uruha nur auflachen, als er sich zu Ruki umdrehte.

"Das hat Kanae mir auch schon beibringen wollen und deswegen bin ich gerade dabei, etwas dagegen zu tun." meinte Uruha dann und drehte sich wieder zum Küchenschrank.

"Du kannst auch noch Reita’s angeknabbertes Toast haben." grinste Aoi nur, worauf er nur Reita’s linken Ellenbogen zu spüren bekam.

"Nein, das ist meins." sagte Reita nur. Alle lachten.

Schon lange hatte man dieses fröhliche Beisammensein vermisst. Das gemeinsame Glücklichsein, fernab von allen schlimmen Dingen, die in der Welt vor ihrer Haustür passierten. Auch wenn es nur für diesen Moment war - man wollte ihn unbedingt festhalten.

"Morgen." gähnte Kanae, die in die Küche kam. Sie war im Gegensatz zu Uruha bereits zurechtgemacht - sie trug eine dunkelblaue, dreiviertellange Jeans und eine schwarze Tunika mit silberner Glitzerapplikation in der Form eines Totenkopfes. Ihre Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz, bei dem aufgrund ihrer kurzen und stufigen Haare vereinzelt Haarsträhnen heraushingen. Es war schlicht und einfach und sah trotzdem gut aus. "Was ist denn?" fragte Kanae irritiert, als sie von den Jungs, bis auf Uruha der mit dem Toaster beschäftigt war, angestarrt wurde, als wäre sie alles, aber nur kein Mensch.

"Ich wusste gar nicht, wie gut dir Hosen stehen." grinste Ruki frech, der lediglich einen Blick ihres Hinterns erhaschen wollte.

"Du bist unanständig." meinte Kanae, sie sich auf dem Platz zwischen Reita und Ruki niederließ und anschließend nach der Kaffeekanne griff, die allerdings schon leer war.

"Ihr habt mir keinen Kaffee übrig gelassen, das ist gemein." seufzte Kanae und erhob sich wieder von ihren Platz . Wie ein Magnet zog sie die Blicke der Jungs hinter sich her, als sie zum Waschbecken lief, um die Kanne mit Wasser aufzufüllen.

Wieder starrte sie die Jungs nur irritiert an, schwieg aber und wandte sich der Kaffeemaschine zu. Die Jungs waren allerdings nur mit dem Anblick ihres Hinterns vergnügt, sodass selbst Reita die Kinnlade "herunterfiel" und es fast so wirkte, als hätte er noch nie eine Frau von hinten betrachtet.

"Ey, glotz meinem Mädchen nicht so auf den Arsch!" plärrte Ruki durch die Küche und lachte anschließend laut, als Reita plötzlich so rot wie eine Tomate wurde.

Wieder lachten alle. Warum konnte es nur nicht immer so sein?

Warum gab es selbst für diese kurze, aber glücklich erscheinende Ewigkeit ein Ende?

"Kanae, zupfst du mir nach dem Frühstück noch die Augenbrauen?" fragte Uruha, der beiläufig nach der Butter und nach einem Messer von Tisch griff und sich das Toast mit Butter bestrich.

Kanae sah ihn an, genau wie alle anderen.

"Ja, aber dann trödele nicht solange mit dem Frühstücken." meinte sie dann, als sie nebenbei die Kaffeemaschine beobachtete und dann anschließend einen Blick auf ihre silberne Armbanduhr warf. Es war bereits kurz nach 11Uhr.

 

 

Kurze Zeit später…

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update: 18-Feb-2008  
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