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S. > -35, 36

"Nicht so doll, das tut weh!" quengelte Uruha, der mit dem Kopf auf Kanae’s Schoß lag.

"Hör auf zu jammern, Uruha! Wer schön sein will, muss leiden." meinte Kanae, die nach wie vor immer noch von Aoi und Ruki beobachtete wurde, während Reita mit dem Saubermachen beschäftigt war.

"Ja, aber doch nicht so." quengelte Uruha dennoch weiter.

"Bei Asami hat er sich genauso zimperlich." sagte Ruki, der seinen Kopf auf deinen Händen aufgestützt hatte und irgendwie "Mopsbacken" dabei hatte.

"Halt die Klappe!" fuhr Uruha ihn dann nur an. "Du bist doch selbst nicht besser." fuhr er dann fort und richtete sich dann auf.

"Hey, ich bin noch nicht fertig." sagte Kanae und drückte Uruha an den Schultern wieder auf ihren Schoß. "Noch ein bisschen und dann bist du fertig." meinte sie dann und zupfte dann ein weiteres Mal an Uruha’s Augenbrauen.

Nach dem Kanae dann auch damit fertig war, hatte sie Uruha damit beauftragt, sich endlich fertig zumachen. Selbst dies verging wie im Flug.

"Wie lange werdet ihr brauchen?" fragte Ruki, der zusammen mit Uruha und Kanae vor der Haustür stand. Kanae zuckte mit den Schultern.

"Je nach dem, wann der Kommissar uns wieder herbringt. Heute Morgen meinte er nur, dass wir kein Auto brauchen werden." erklärte Kanae dann und lugte aus der Hautür, vor der im selben Moment ein dunkelblaues Auto hielt.

"Wir müssen dann auch schon. Bis später." sagte Kanae darauf, die Ruki einen flüchtigen Kuss auf den Mund gab und anschließend zusammen mit Uruha aus dem Haus verschwand. Wahrscheinlich waren die beiden wie Kinder aufgeregt, die heute zu ihren ersten Schultag musste. Ihr immenses Herzklopfen schmerzte fast schon, als sie dann darauf auf dem Rücksitz des Wagens saßen.

"Wie geht es Ihnen, Fräulein Nakajo?" fragte der Kommissar, der im Rückspiegel einen Blick von Kanae zu erhaschen versuchte. Sie lächelte etwas beschämt.

"Ich bin etwas aufgeregt. In letzter Zeit ist einfach zu viel passiert." meinte sie und griff reflexartig nach Uruha’s linker Hand - sie hatte das Bedürfnis, sich an irgendetwas festhalten zu können. Uruha zog seine Hand auch nicht zurück, sondern drückte Kanae’s Hand fester in seine. Er war genauso aufgeregt. Er wusste nicht, was auf ihn zukommen würde.

"Aufgeregt? Sie haben doch gar keinen Grund aufgeregt zu sein." lachte der Mann und es waren auch die letzten Worte, die bis zur Fahrt ins Revier, zu hören waren.

Obwohl es nur Minuten waren, kam es einem wie endlos lange Stunden vor.

Was erst vie im Fluge vorüber ging, zog sich nun in die Länge.

Und als Kanae dann zusammen mit Uruha im Büro dieses Mannes standen, glaubte sie, jeden Moment den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Nachdem der Kommissar dann mit einer Handbewegung auf die beiden Stühle vor seinem Schreibtisch deutete, nahm alles seinen Anfang.

 

 

"So, ich habe Sie ja nicht umsonst hierher gebeten und es ist auch in Ordnung, dass Sie sich eine Begleitung mitgebracht haben." begann der Mann, der sich dann ebenfalls auf seinem Schreibtischstuhl niederließ und anschließend in einer der Schubladen nach etwas suchte.

"Wir waren wirklich erleichtert." sagte Kanae leise und blickte erst in Uruha’s und anschließend in das Gesicht des Mannes ihr gegenüber. Er lachte auf und legte vor Kanae, sowie Uruha ein paar Fotos auf den Tisch. Es waren Fotos von Kim und Toshi. Es muss ein Reisebüro gewesen sein, aus dem die beiden kamen - Toshi hielt Tickets in den Händen. Irgendwie war es erleichternd, denn Kim lebte wirklich.

"Die Fotos wurden von einem Amateur gemacht, die er uns dann zugeschickt hat. Wahrscheinlich hat der Entführer von Fräulein Hino die Absicht, mit ihr ins Ausland zu fliehen. Wir haben bereits die gesamten Flughäfen im Land alarmiert, außerdem berichten die Nachrichten ausgiebig darüber." erklärte der Kommissar und sah in Kanae’s Gesicht. In ihre Augen stiegen sofort Tränen.

"Wie alt sind diese Fotos?" fragte Uruha dann und griff nach einem der Fotos. Er starrte in das Gesicht von Kim auf diesem Foto. Er erkannte ihre blauen Flecke, ihre Schrammen und wie dürr sie geworden war. Es fühlte sich grausam an.

"Eine Woche. Eine Woche nachdem Fräulein Nakajo die Vermisstenanzeige aufgegeben hat." meinte der Kommissar und beobachtete diese beiden jungen Menschen vor seinen Augen. Ob es nun Freude oder Trauer in ihren Gesichtern war, wusste er nicht.

"Also zur gleichen Zeit?". Kanae sah diesen Mann vor sich abwartend an. Er nickte.

"Wir wollten noch abwarten, ob noch nähere Informationen in unser Büro kommen, aber vergebens. Ich wollte es Ihnen nicht so lange vorenthalten, es tut mir leid." erklärte er Kanae dann. Sie nickte ihm nur teilnahmslos zu.

"Sonst gab es nichts? Keinen weiteren Anhaltspunkt?" fragte Uruha dann und packte das Foto, welches er immer noch in den Händen hielt, zurück auf den Tisch.

"Das einzige, was wir noch in Erfahrung bringen konnten, war, dass die beiden, Fräulein Hino und ihr Entführer, auf dem Weg nach Sendai spurlos verschwunden sind. Wir haben bereits Suchtrupps in den einzelnen Gebieten losgeschickt. Wir haben in der Nähe eines kleinen Waldstücks noch das hier gefunden…" erklärte der Kommissar, der erneut in die Schublade griff und eine transparente Folientüte hervorholte, die er Kanae und Uruha anschließend vorzeigte. Man konnte kaum seinen Augen trauen, Uruha konnte es nicht. Es war der Ring, den er Kim zum Geburtstag geschenkt hatte.

"Kennen Sie diesen Gegenstand, junger Mann? Sie sehen so erschrocken aus." meinte der Kommissar und sah Uruha nur nicken.

"Ja, dass ist der Ring, den ich Kim zum Geburtstag geschenkt hatte." sagte Uruha und griff nach der Folientüte. "Und was bedeutet das?" fragte Uruha, während er den Amethysten wie hypnotisiert anstarrte.

Der Kommissar zuckte mit seinen Schultern. "Das kann ich Ihnen leider nicht sagen. Wir werden alles Mögliche herausfinden, um das Mädchen zu retten und das tue ich nur, weil es meiner Tochter ähnlich ergangen ist." erklärte der Kommissar und stand auf. Er lächelte Kanae und Uruha freundlich entgegen. "Ich werde uns erst einmal etwas zu Trinken holen. Hat jemand besondere Wünsche, oder reicht ein Wasser aus?" fragte er dann.

"Machen Sie sich keine Mühe, es reicht ein Wasser." meinte Kanae, worauf der Kommissar dann aus dem Büro verschwunden war.

Die Tür mit dem Glasfenster fiel ins Schloss.

"Ich versteh das nicht." sagte Uruha nur, der nach wie vor den Ring anstarrte.

Kanae verstand nicht, was sie meinte. "Was verstehst du nicht?" fragte sie dann und sah Uruha von der Seite abwartend an.

"Sie hat immer darauf aufgepasst, sie hat ihn nie verloren." meinte er dann und Kanae verstand sofort, dass es um den Ring in Uruha’s Händen ging.

"Sie hat immer gesagt, dass sie ihn wie ihr eigenes Leben hüten wird." fuhr Uruha dann fort und drückte den Ring in der Folientüte gegen seine Brust.

 

"Ich werde immer darauf aufpassen. Versprochen…"

 

"Es scheint alles aus den Fugen zu geraten. Schon nach ein paar Spuren sind die beiden einfach verschwunden…einfach so." seufzte Kanae darauf und starrte aus dem Fenster, welches hinter dem Schreibtisch war. Der Regen hatte nun auch etwas nachgelassen.

"Kanae, ich habe Angst." sagte Uruha dann auf einmal. Er hatte seinen Kopf gesenkt und einige seiner blonden Haarsträhnen fielen ihm dabei ins Gesicht.

"Ich weiß." meinte Kanae, die aufgestanden war und sich vor Uruha hinhockte, ihre Hände dabei auf seinen linken Oberschenkel legte und dabei versuchte, einen Blick von Uruha zu erhaschen. "Ich weiß, dass du Angst hast. Wir alle haben Angst, aber wir müssen dabei auch aufpassen, dass wir uns nicht gegenseitig vernachlässigen. Ich bin für dich da, du bist nicht allein." fuhr sie dann fort und versuchte Uruha dabei ein Lächeln auf seine Lippen zu zaubern.

"Ich lad dich nachher auch zum Essen bei McDonalds ein." sagte sie dann und schaffte es, Uruha lächeln zu sehen. Auch wenn es ein schwaches, schüchternes Lächeln war, so war es wenigstens eins. Man sah ihn in letzter Zeit nicht mehr und irgendwie wusste man schon gar nicht mehr, wie Uruha’s Lächeln aussah.

Im selben Moment kam auch schon der Kommissar zurück, der mit Mühe die Tür öffnen wollte und Kanae rasch aufgesprungen war, um ihm dabei zu helfen. Sie nahm ihm auch sofort einen der weißen Plastikbecher ab, die mit stillem Wasser gefüllt waren. Kurz darauf saß der Mann wieder auf seinem Platz und lächelte, als plötzlich das Telefon klingelte. Man konnte sofort erkennen, dass es nichts Gutes sein konnte. Sein Blick entblößte sichtbares Entsetzen.

"Was?! Das kann nicht sein! Sind Sie sich sicher?" plärrte der Mann schon regelrecht ins Telefon, als würde derjenige am anderen Ende der Leitung schwerhörig sein.

"Ja, natürlich. Ich komme sofort." meinte er dann und legte auf. "Entschuldigen Sie, aber ich hoffe Sie haben etwas Zeit mitgebracht? Denn ich müsste sie beide jetzt bitten, mit mir zu kommen." erklärte der Kommissar und erhob sich wieder von seinem Platz. Kanae sah diesen Mann nur erschrocken und gleichzeitig verwirrt an.

"Was ist denn passiert? Klären Sie uns erst einmal auf." erwiderte Kanae nur, die plötzlich ein ungutes Gefühl hatte. Sie wollte nicht, dass es sich vielleicht bestätigen könnte.

"Später, später. Wir haben jetzt keine Zeit." sagte der Kommissar nur und verschwand aus seinem Büro. Kanae stöhnte genervt auf und kramte dabei ihr Handy aus der schwarzen Handtasche. Sie wählte die Festnetznummer der Jungs, da sie genau wusste, dass Ruki nicht an sein Handy gehen würde.

Es dauerte einen Moment lang, währenddessen war Kanae mit Uruha in den Flur getreten, auf dem der Kommissar von einem Zimmer ins nächste lief.

"Ja, Aoi, ist Ruki da?" fragte Kanae sofort, als sich Aoi am Telefon verschlafen meldete.

"Ob er da ist? Nein, er ist vor einer viertel Stunde zusammen mit Reita einkaufen gegangen. Er wollte einige Besorgungen machen. Wieso?" erkundigte Aoi sich dann, während er Kanae nur seufzen hörte. "Ist irgendetwas nicht in Ordnung?" fragte er dann.

"Nie ist er da, wenn man ihn braucht. Egal. Ich wollte eigentlich nur sagen, dass es etwas später werden könnte. Aber wie geht es eigentlich Kai?" fragte Kanae nur und beobachtete dabei weiterhin den umherlaufenden Kommissar.

"Er saß bis vor zehn Minuten noch mit mir im Wohnzimmer und hat mit mir Ramen gegessen." erklärte Aoi und räusperte sich kurz.

"Aber er hat sich dann wieder schlafen gelegt." fuhr Aoi fort.

"Hauptsache er hat etwas gegessen. Stell ihm doch bitte eine Kanne Tee hin, er muss viel trinken und gib ihm seine Medikamente, ja? Ich muss dann auch schon wieder ’tschüß’ sagen, wir haben es eilig." erklärte Kanae, die darauf schon wieder auflegte, ohne abzuwarten, ob Aoi noch etwas erwidern wollte.

"Können wir dann los?" fragte Kanae ungeduldig.

"Ich warte nur auf Sie, junge Frau." meinte der Kommissar dann und wenig später saßen Kanae und Uruha ein weiteres Mal auf der Rückbank. Es herrschte eine Totenstille, abgesehen vom Radio, aus dem gerade die Nachrichten ertönten, die gerade die Wettervorhersagen ankündigten.

Es regnete und regnete einfach weiter - so viel Regen gab es schon lange nicht mehr. Aber das war wohl eher weniger wichtig als das, was wohl demnächst passieren würde. Irgendetwas kam auf Kanae und Uruha zu, das spürten beide instinktiv und lieber wünschten sie sich, dass es nicht so wäre. Doch die Realität war hart.

"Können Sie uns jetzt sagen, was passiert ist? Oder wollen Sie uns weiterhin auf die Folter spannen?" fragte Kanae dann wenig später, allerdings bekam sie nur ein "Jetzt warten Sie die Zeit ab, ich möchte es ihnen jetzt nicht im Auto beibringen müssen" zu hören. Und dieses "beibringen" hörte sich so grausam in ihren Ohren an und es deutete langsam daraufhin, dass es etwas mit Kim zu tun haben musste und es definitiv nichts gutes war - jeder andere Mensch wäre sofort mit der Sprache herausgerückt, auch wenn es nicht einfach war.

Selbst daraufhin verging viel Zeit…

 

Währenddessen bei Ruki und Reita.

Ruki hatte Reita einfach mit in ein nahe liegendes Kaufhaus geschleppt, weil er sich einfach zu fein dafür war, alleine zu gehen.

Eigentlich wollte er Kanae nur einen großen Strauß rote Rosen schenken, um sie etwas aufzuheitern, aber er hatte erst einmal begonnen, ausgiebig mit Reita zu shoppen. Es war wohl eines seiner liebsten Hobbys - einkaufen gehen. Ruki hatte dies schon sehr lange nicht mehr getan, abgesehen von dem Tag, als er mit Kanae unterwegs war.

"Sag mal, Ruki, wann kriegst du deine Kaufsucht endlich mal unter Kontrolle? Kein Wunder, dass niemand mit dir einkaufen gehen will. Außerdem ist es überhaupt kein Zeitpunkt dafür." schimpfte Reita, der bereits volle Einkaufstüten mit sich rumschleppte.

"Ich weiß, aber ich musste mal unter Menschen. Noch eine Stunde länger und ich wäre durchgedreht." meinte Ruki nur, der anschließend ein großes Blumengeschäft betreten hatte und Reita vor dem Geschäft stehen ließ. Es war erstaunlich, dass sie von niemandem angesprochen wurden. Hin und wieder herrschte in kleinen Kreisen große Aufregung, wenn man einen von den Jungs auf der Straße sah oder sie bei McDonalds saßen um dort Mittag zu essen, wenn sie vom Studio kamen. Aber es war etwas ruhiger geworden, um die fünf begehrten Jungs von Gazette. Doch viele Radio- und Fernsehsender berichten immer noch über den Aufstieg von Gazette. Man lobte die Jungs regelrecht in den Himmel - sie existieren nun mittlerweile drei Jahre und in diesen drei Jahren hätte sich die eine oder andere Band vielleicht schon längst aufgelöst. Aber bei Gazette war das nie der Fall, abgesehen von Yune’s Austritt. Sie hielten sich Wacker und die Musik war einfach nicht mehr wegzudenken. Bei vielen Jugendlichen und auch Erwachsenen läuft die Musik von Gazette hoch und runter. Wäre Gazette kein Erfolg geworden, hätten sich die fünf aufgelöst und Gazette würde es nicht mehr gehen.

 

Plötzlich klingelte Ruki’s Handy, als dieser gerade mit einem riesengroßen Strauß roter Rosen aus dem Geschäft kam. Hastig suchte er danach in seiner Jackentasche und er ging auch sofort ran, als er es gefunden hatte.

"Ja." meldete Ruki sich und lauschte nach der Stimme, die er am anderen Ende der Leitung hörte - es war eine Frauenstimme, das erkannte er sofort.

"Ja, hier Mama.". Ruki kannte diese Stimme, sogar sehr gut und umso mehr war er darüber verwundert.

"Mama? Bist du das wirklich?" fragte Ruki nur, obwohl er wusste, dass es seine Mutter war. Die Frau am anderen Ende lachte.

"Wenn ich dich in die Finger kriege, dann versohl ich dir den Hintern. Erkennst du nicht einmal deine eigene Mutter? Lasst das ja nicht deinen Vater hören." meinte sie dann.

"Tut mir leid. Aber wir haben lange nicht mehr miteinander gesprochen." erwiderte Ruki.

"Takanori Matsumoto, ist dir die Karriere zu Kopf gestiegen? Du hältst es doch schon gar nicht mehr für nötig, uns zu besuchen oder wenigstens mal anzurufen. Schämst du dich denn nicht" fragte die Frau am anderen Ende und Ruki musste plötzlich auflachen. Ja, so war seine Mutter schon immer.

"Ich habe deine Stimme vermisst, Mama." grinste er darauf nur ins Telefon und es brachte gar Reita zum Grinsen.

"Aber woher hast du eigentlich meine Nummer? Ich hatte sie dir noch gar nicht gegeben." meinte Ruki dann, welcher sichtlich verwirrt über diese Tatsache zu sein schien.

"Ich war bei Ryo’s Mutter und habe sie mir geben lassen. Du scheinst wohl zu vergessen, das im Gegensatz zu dir, Ryo so etwas wie ein Buch mit Handynummern führt und immer seine Ordnung hat." erklärte Ruki’s Mutter, worauf Ruki Reita nur schief ansah.

Damit war Reita gemeint, denn sein realer Name lautet Ryo Suzuki.

"Mama, ich hör wohl nicht recht?! Reita und Ordnung? Sein Zimmer sieht aus wie eine Rumpelkammer und außerdem, wann soll er denn dieses Buch geführt haben? Er war, wie ich, schon lange nicht mehr zu Hause." meinte Ruki und seufzte. Seine Mutter lachte bloß.

"Ich weiß, mein Söhnchen. Aber weißt du, deine Mutter findet immer Mittel und Wege, das solltest du mittlerweile aber schon wissen. Egal. Wie geht es dir denn eigentlich, man hört ja gar nichts mehr von euch?" meinte sie dann und wartete auf Ruki’s Antwort. Irgendwie musste er es ihr ja erklären.

"Es läuft zurzeit nicht so gut. Vor einiger Zeit hatte ich mir den Arm gebrochen und seitdem geht alles drunter und drüber." erklärte Ruki kurz, ohne, dass er wirklich mit der Wahrheit herauskam.

"Ihr wollt doch nicht etwa mit der Musik aufhören?" fragte Ruki’s Mutter nur überrascht.

"Was? Nein, natürlich nicht." widersprach Ruki, der schon Andeutungen von Reita bekam, sich endlich zu beeilen. Ruki nickte ihm nur zu.

"Hast du Liebeskummer? Ist dir die Frau weggelaufen? Hast du ein uneheliches Kind? Jetzt spann deine Mutter nicht so auf die Folter. Du weißt, ich bin neugierig und außerdem lässt du ja nie etwas von dir hören." meinte Ruki’s Mutter dann - ja, sie konnte reden wie ein Wasserfall, aber es war verständlich, sie hatte Ruki lange nicht mehr gesprochen oder gesehen. Sicherlich vermisste sie ihr "Küken".

Ruki lief plötzlich rot an, ohne eigentlich zu wissen, warum.

"Was redest du denn da eigentlich, Mama? Ich habe weder vor mit der Musik aufzuhören, noch habe ich Liebeskummer oder ist mir die Frau weggelaufen und ich habe auch kein uneheliches Kind. Aber du kannst wie immer reden, wie ein Wasserfall. Es ist okay. Ich werde wohl zu Weinachten vorbeikommen oder spätestens zu meiner Hochzeit, die in den nächsten hundert Jahren stattfindet." erklärte Ruki dann. Seine Mutter verstand viel Humor und sie kannte Ruki gut genug, um zu wissen, wie sie ihn nehmen musste.

"Bring mir ein paar anständige Enkelkinder in die Welt, statt so ein blödsinniges Zeug zu reden." sagte seine Mutter nur, während Reita, der neben Ruki stand und das Gespräch mit lauschte, immer nervöser und ungeduldiger wurde.

"Ist in Arbeit." meinte Ruki und grinste, bis seine Mutter am Telefon zu kreischen begann. "Das heißt, du hast eine Freundin? Ich hatte schon Angst, du würdest irgendwann zum anderen Ufer wechseln." seufzte sie dann.

Ruki lachte. "Es reicht schon, wenn Reita das tut.".

"Na, so direkt zum anderen Ufer ist er ja nun doch nicht gewechselt." erwiderte Ruki’s Mutter und räusperte sich kurz.

Ruki wunderte sich bereits, woher sie das überhaupt wissen konnte.

"Sag mal, woher weißt du das denn eigentlich?" fragte Ruki verwirrt und warf Reita dabei einen prüfenden Blick zu.

"Wie nennt ihr jungen Leute das doch gleich? Ach ja, Insider, richtig? Nun, ich bin halt ein Insider und ich habe auch so meine kleinen Quellen." antwortete Ruki’s Mutter nur, worauf Ruki nur die Stirn runzelte.

"Insider? Na dann müsstest du mir doch sagen können, woher du das weißt? Hat Reita wieder zu viel gequatscht, ja?" fragte Ruki neugierig und sah dabei immer wieder Reita an, der mittlerweile rumzappelte, als müsse er dringend auf die Toilette.

"Was zappelst du hier so rum? Hast du Entzug?" fragte Ruki dann Reita, während von seiner Mutter nur ein "Was?" zu hören kam.

Er lachte. "Nicht du, Mama. Ich habe eben mit Reita geredet." erklärte Ruki dann.

"Nun sag schon." drängelte er dann seine Mutter auch schon. Sie lachte.

"Ryo telefoniert öfters mit seiner Mutter, als du." sagte sie bloß, worauf Ruki sich nun sein Teil denken konnte.

"Lass mich raten, sie ist in Ohnmacht gefallen, als sie das gehört hat, oder?" lachte Ruki dann ins Telefon.

"Blödsinn. Sie wusste es schon eine ganze Weile. Ich weiß nicht, wann Ryo es ihr erzählt hat. Seine Mutter hatte es mir vor kurzem bei einer Tasse Kaffee erzählt, als wir die alten Zeiten haben hochleben lassen. Wir haben uns Fotos angeguckt, wie du Ryo und wie hieß er doch gleich?…Ach ja, Atsuaki, zusammen im Sandkasten gespielt habt. Wie geht es Atsuaki denn überhaupt? Ich habe auch lange nichts mehr von seiner Mutter gehört." meinte Ruki’s Mutter nur und Ruki fragte sich soeben, ob seine Mutter überhaupt mal aufhören würde, so viel zu reden.

"Stimmt, er hat ja schon damals angefangen, von einer bestimmten Person zu schwärmen. Und Uruha hat zurzeit etwas Kummer, aber den haben wir alle. Er sieht auch schlecht aus, du würdest in Ohnmacht fallen, Mama." er klärte Ruki und seufzte nur, während er dabei das Schaufenster, welches ihm gegenüber war, anstarrte.

"So schlimm? Dabei ist er doch so ein hübscher Kerl. Hat er denn keine Freundin?" fragte Ruki’s Mutter - ja, sie mochte Uruha schon damals sehr gerne.

"Es ist sehr schlimm. Falls du mal die Nachrichten gesehen hast, weißt du sicherlich auch, dass derzeit ein Mädchen verschwunden ist. Dieses Mädchen liebt Uruha wohl mehr als sein eigenes Leben, das kannst du mir glauben. Aber Uruha ist seit ihrem Verschwinden ein Fall für sich geworden. Es zieht nicht nur ihn, es zieht uns alle runter. Wir wissen auch gar nicht mehr, wie es jetzt mit allem weitergehen soll." meinte Ruki mit ernster Miene.

Es war ein ernstzunehmendes Thema für ihn.

Es war keine Sache, die man so einfach unter den Teppich kehren konnte.

"Ruki, das ist nicht witzig! Du willst mich doch jetzt bestimmt nur auf den Arm nehmen, oder?" fragte seine Mutter erschrocken, während Ruki dabei nur Reita beobachtete, wie dieser mit dem Autoschlüssel vor Ruki’s Nase hin- und herschlenkerte.

"Ich bring das Zeug ins Auto." meinte er nur, der nach Ruki’s bejahenden Nicken auch schon verschwand.

"Wenn es das doch nur wäre, wäre ich wirklich glücklich. Du weißt ja gar nicht, was bei uns los ist. Die Hölle ist dagegen noch das reine Vergnügen." meinte Ruki, der mit seiner freien Hand nach seiner Zigarettenschachtel kramte. Nachdem er sie nach einigen Minuten des Suchens gefunden hatte, zündete Ruki sich auch sofort eine Zigarette an.

"Soll ich vorbeikommen, kann ich irgendwie helfen? Warum hast du mir das nicht schon früher erzählt?" fragte Ruki’s Mutter nur.

Wie sollte er es ihr denn sagen, wenn er doch selbst erst einmal damit klarkommen musste. Es war für alle schlimm genug.

"Weil es nicht ging, Mama. Verstehst du? Wir alle müssen damit erst einmal fertig werden und außerdem müssen wir sogar mit dem Schlimmsten rechnen. Du weiß ja nicht, was das für ein Irrer ist, der Uruha’s Mädchen verschleppt hat. Wir können uns nicht einmal in ihre Lage versetzen. Wir wissen nicht einmal, was das Mädchen für Qualen durchmachen muss. Mir bereitet es jetzt schon Gänsehaut, wenn ich daran denke." sagte Ruki - er kochte innerlich vor Wut und am liebsten würde er, wenn er könnte, Kim mit eigenen Händen zurückholen. Kim war Kanae’s Lebenselixier und Uruha’s Liebe, ohne sie würde auch nichts mehr so sein, wie es mal war.

"Weißt du, Mama, ich würde diesen kranken Spinner lieber selber suchen. Die Polizei ist zu langsam. Wer weiß, vielleicht ist sie ja auch schon tot?! Wir wissen doch nichts, man sagt uns auch nichts. Man macht und macht, aber man kommt doch zu nichts. So kann das doch nicht weitergehen, Mama. Du würdest in Tränen ausbrechen, wenn du unser derzeitiges Leben erleben müsstest. Mama, ich will das nicht mehr. Was soll ich tun, damit das endlich aufhört?" fragte Ruki dann und wirkte regelrecht verzweifelt dabei. Er zog an seiner Zigarette, als er aufgestanden war, um nach Reita und Aoi’s Auto zu suchen.

"Das klingt alles so grausam, Takanori. Aber begib dich deswegen nicht unnötig in Gefahr, ich will nicht, dass dir etwas passiert. Ihr müsst jetzt einfach die Zeit arbeiten lassen, auch wenn es schwer fällt. Ich kann dich aber gut verstehen, schließlich ist sie eine Freundin von euch." meinte seine Mutter nur.

"Mittlerweile ist sie mehr als nur das geworden, Mama. " seufzte Ruki nur, als er dann auch schon Reita, der am Auto angelehnt stand und rauchte, entdeckte.

"Pass auf dein Mädchen auf, Takanori." meinte Ruki’s Mutter dann nur.

"Das werde, das kannst du mir glauben. Sollte so etwas mit meinem Mädchen passieren, werde ich nicht, wie jetzt, tatenlos herumsitzen und mir verbieten lassen, nach ihr zu suchen. Ich würde Himmel und Hölle in Bewegung setzten. Ich würde versuchen nicht dieselben Fehler noch einmal zu machen, sondern kämpfen." erklärte Ruki und beendete nach wenigen Worten seiner Mutter das Gespräch. Erneut hatte es ihn zum Nachdenken animiert. Irgendetwas wollte er jetzt tun, aber konnte nichts tun. Nichts, außer warten.

 

36

 

Es war eine Fahrt durch den Regen, die nach Stunden endlich ihr Ende erreicht hatte.

Man wurde immer nervöser, aufgeregter und das Herzklopfen wurde stärker, dass es schon regelrecht schmerzte. Viel lieber würde man jetzt wieder umkehren und gar nicht mehr daran denken, was jetzt wohl passieren würde.

Mit den Worten "Bitte Kommen Sie mit mir" wurde Kanae aus den Gedanken gerissen und ihr erster Blick fiel auf Uruha. Man konnte ihm genau ansehen, dass er eine schlimme Vorahnung zu haben schien. Man spürte deutlich sein Unbehagen, dass es schon regelrecht ansteckend war. "Lass uns gehen und lass mich bitte nicht alleine dort stehen. Du musst bei mir bleiben, sonst kann ich für nichts garantieren." sagte Uruha nur zu Kanae, die ihm nur mit einem zitterndem "Das gilt auch für dich" antwortete, bevor sie dann mit ihm aus dem Auto gestiegen war.

Dem Kommissar, sowie Kanae und Uruha kam eine junge Frau entgegen, die den dreien nur ernst ins Gesicht sah. Sie war bereits völlig durchnässt und auf den transparenten Handschuhen, die sie trug, waren Unmengen von Wassertropfen zu sehen.

"Herr Kommissar, wenn Sie mich bitte begleiten würden." sagte die Frau nur, die kurz darauf den Kommissar mitnahm und Kanae mit Uruha alleine am Auto stehen ließ. Beide konnten lediglich beobachten, wie sich Leute, die in dunkelblauen Hosenanzügen gekleidet waren und ebenfalls diese transparenten Handschuhe trugen, um etwas tummelten. Und umso mehr stieg das Unbehagen in Uruha.

"Kanae, was soll ich davon halten?" fragte er Kanae nur, die er einfach an sich herangezogen hatte und in ihr Gesicht sah. "Was soll ich davon halten? Ich habe Angst, Kanae. Ich habe einfach nur eine Scheißangst vor dem, was man mir jeden Moment vorsetzen könnte." meinte er dann bloß und wollte Kanae einfach nicht mehr loslassen.

Er hatte das Gefühl, sich irgendwo festhalten zu müssen, damit er nicht den Boden unter seinen Füßen verlieren konnte. Er brauchte Halt, einfach nur einen starken halt. Er hatte nicht vor, danach zu betteln, damit ihm jemand sagen würde, dass alles in Ordnung sei. Denn es war überhaupt nichts in Ordnung.

"Ich will hier wieder weg." murmelte Kanae nur in Uruha’s weiße Jeansjacke, die er über einem pinkfarbenen Tanktop trug.

Im selben Moment kam dann auch schon der Kommissar den beiden entgegen. Sein Gesicht war blässer, als das einer Leiche und es zeigte pures Entsetzen von dem, was er zu sehen bekam. Doch er versuchte, die Fassung zu behalten.

"Kommen Sie bitte mit mir. Und auch wenn es kein schöner Anblick für Sie sein wird, so möchte ich Sie doch bitten, die Fassung zu behalten." erklärte der Kommissar nun und führte Kanae und Uruha zu seinen Kollegen.

Es war wie eine Zeitbombe, die jeden Moment explodieren könnte. Es war genau dieses beängstigende Gefühl, was man jetzt im Herzen trug und es war einfach nur unerträglich.

Spätestens jetzt würde man aus diesem Traum aufwachen wollen.

 

"Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass es sich bei dem Fund dieser Person um die vermisste Kim Hino handelt. Wir benötigen Sie dazu, die Leiche zu identifizieren, damit wir möglichen Verwechselungen aus dem Wege gehen können." erklärte die Frau, die zuvor den Kommissar zum Fundort gebracht hatte.

Als diese Frau ihren Satz beendet hatte, hatte Kanae das Gefühl, erwürgt zu werden. Irgendetwas nahm ihr die Luft dazu, etwas erwidern zu können. Ihr Worte waren wie ein Kloß in ihrem Hals. Uruha jedoch glaubte, jeden Moment laut schreien zu müssen.

"Hieß es nicht, sie wollten ins Ausland? War es nicht so?" fragte Kanae mit zittriger Stimme und sah diese Frau, die da vor ihr stand, fast schon wütend an.

"Junge Frau, in einer Woche kann viel passieren oder haben Sie schon den Blick zur Realität verloren?" fragte sie nur und ließ Kanae dann einfach stehen. Und wie ferngesteuert, bewegte sich Kanae auf das, was man vielleicht gar nicht mehr als Mensch bezeichnen konnte, zu. Sie zitterte am ganzen Leib und Kanae hatte das Gefühl, jeden Moment zusammenzubrechen, wenn sie Uruha nicht deutlich hinter sich spüren würde.

Sie hatten Angst. Sie hatten solche Angst, als wären sie es, die jeden Moment sterben würden. Es war wie ein Beben in ihrer Brust.

"Uruha, sag mir, dass das nicht wahr ist." flehte Kanae nun, als sie prompt ihre Augen vor dem, was da unmittelbar vor ihren Füßen lag, schloss und dabei an Uruha’s weißer Jacke zerrte. "Ich will das nicht sehen müssen. Ich will nicht, dass es wahr ist." sagte Kanae dann.

Sie hatte dann doch einfach ihre Augen aufgerissen und starrte auf das aufgequollene Stück Fleisch. Der Körper war noch gut erhalten, nur das Gesicht, in dem dunkle Haarsträhnen klebten, war bis zur Unerkenntlichkeit verstümmelt.

Konnte man das wirklich noch als Mensch bezeichnen?

Kanae und Uruha starrten auf die Kleidung - es war genau die Kleidung, die Kim am Tag ihrer Entführung trug und alles zersprang plötzlich wie Glas.

Kanae merkte nur noch, wie ihr plötzlich übel wurde und sie das drückende Gefühl bekam, sich jeden Moment erbrechen zu müssen.

Sie sagte nichts, sondern stürmte ein Stück in den Wald, der sich dort befand, hinein und übergab sich.

Uruha hingegen fühlte sch in diesen Moment alleingelassen. Alleingelassen mit all dem, wovor er Angst hatte. Er warf sich die zitternden Hände vors Gesicht und fiel auf die Knie.

"Das ist nicht wahr, sag mir, dass das nicht wahr ist…" wimmerte er dann und Uruha würde sich so schnell auch nicht mehr beruhigen können.

"Das darf nicht wahr sein, hörst du?! Das darf es einfach nicht!" schluchzte er dann und ließ den Regen, der sich schlagartig in einen Wolkenbruch verwandelt hatte, auf sich niederprasseln. Ihm wurde ein kleines Stück Hoffnung genommen. Sie wurde erbarmungslos erschlagen - in tausend Stücke und es glich reinem Wahnsinn.

Das einzige, was Uruha dann tun wollte, war, diesen leblosen Körper zu berühren. Er wollte einfach nicht begreifen, dass kein einziger Hauch des Lebens mehr in ihm steckte. Es war aus und vorbei.

Wie ein kleines Kind, dass seine Hände nach seiner Mutter ausstreckte, streckte Uruha seine Hände nach dem Körper aus, der vor einiger Zeit noch der Frau gehörte, die er liebte und immer lieben würde. Ja, er wollte nach ihm greifen und ihn an sich reißen, damit niemand ihn Uruha mehr wegnehmen konnte. Doch bevor seine Fingerspitzen das nackte Fleisch berühren konnten, hatte Kanae seine Arme weggerissen und festgehalten, als dann auch schon Leute mit einem weißen Leinentuch kamen und diesen Körper bedeckten.

"Sie ist nicht tot. Kanae, sag mir, dass Kim nicht tot ist. Sag mir, dass sie bald wieder zu uns zurückkommt." wimmerte Uruha, der seine Arme um Kanae’s zitternden Körper geschlungen hatte.

"Es tut mir leid." schluchzte Kanae nur und krallte sich in Uruha’s weißer Jacke fest.

"Es tut mir so schrecklich leid, Uruha." wiederholte Kanae, als Uruha plötzlich begonnen hatte, nach Kim zu schreien. Sein Schrei ertönte wie ein Echo auf dem See, während sich der Regen erbarmungslos auf Kanae und Uruha ergoss. Er schrie so laut, als würde er das erste Mal in seinem Leben schreien und er schrie so lange, bis seine Stimme versagte und es in der Kehle zu schmerzen begann. ^

"Es tut schmerzt so doll…Uruha. Warum, warum ausgerechnet sie? Warum musste es denn Kim sein? Ich begreif das einfach nicht…und ich schwöre dir, wenn ich Toshi irgendwann in die Finger bekomme, dann bringe ich ihn um. Er wird genau so leiden müssen, wie Kim. Er wird ihre Qualen ertragen, bis er daran stirbt. Mir ist dabei egal, ob ich wegen Mord dafür ins Gefängnis muss." schluchzte Kanae und Uruha hatte das Gefühl, dass Kanae plötzlich verrückt geworden ist. Der Schock saß tief. Er saß bei beiden tief und so schnell würde keiner diese tiefen Wunden heilen können. Kanae’s Worte machten dies nur offensichtlich genug. Man hatte ihr Kim weggenommen und das würde Kanae nie verzeihen können. Vielleicht war sie nun auch zu allem fähig.

Man hatte etwas sehr wichtiges verloren. Etwas, was bereits ein Teil des Lebens geworden war. Jetzt fehlte es und es würde ab jetzt immer fehlen - wenn sich nicht etwas änderte.

Aber niemand glaubt mehr an Wunder. So etwas passiert nur in Märchen, in denen es auch ein glückliches Happy End gab. Dieses Märchen war schon lange kein Märchen mehr, es war bereits ein Alptraum, aus dem niemand aufwachen konnte.

Es hielt einen fest und es schien kein Entkommen mehr zu geben.

Man war darin gefangen…

 

Die Zeit darauf schien in Sekunden vorbeigezogen zu sein. Kanae und Uruha wurden wieder nach Hause gebracht, nachdem die Presse und das Fernsehen am Fundort von Kim’s Leiche aufgetaucht waren. Natürlich versuchten Reporter Fragen an Uruha und Kanae zu stellen, doch die Polizei ging rasch dazwischen und so war es unmöglich geworden, etwas zu erfahren. Und trotzdem werden noch heute Abend in den Nachrichten verkündet, dass man Kim’s Leiche gefunden hatte. Jeder wird es hören, jeder wird es lesen. Alle Klatschblätter werden darüber schreiben.

"Ein Mädchen, ein junges Mädchen ist gestorben." so oder so wird es zu hören sein.

Aber Monate später wird man sich kaum noch daran erinnern. Viele werden dann den grausamen Mord an Kim vergessen haben - sie war ja nur ein Mädchen, was gestorben ist.

Nicht mehr und nicht weniger. Doch für Kanae und die Jungs wird Kim unvergesslich bleiben und sie werden sich wahrscheinlich immer fragen, warum man ihr das angetan hat. Warum musste sie so leiden?

Womit hatte sie das verdient?

Für Toshi würde selbst der Tod eine zu milde Strafe sein. Er müsste genauso leiden wie Kim. Ja, er müsste ihre Höllenqualen und Demütigungen ertragen. Aber selbst soweit würde es nie kommen - man würde ihn hinter Gittern sperren und dann wäre es das gewesen. Man würde sich gar nicht weiter mehr darum kümmern.

 

 

"Ihr seid ziemlich spät. Ruki und Reita sind auch noch nicht da." gähnte Aoi, der im Flur stand und der dann auch schon von Uruha und Kanae betreten wurde. Keiner von beiden antwortete, sondern ging sofort wieder getrennte Wege. Uruha verschwand in sein Zimmer und Kanae stürmte ins Badezimmer. Aoi stand nun da wie bestellt und nicht abgeholt.

"Könntet ihr mir vielleicht verraten, was passiert ist? Gibt es Neuigkeiten von Kim?" plärrte Aoi nur. Aber es war alles umsonst.

"Was schreist du hier denn so rum?" fragte Kai, welcher aus seinem Zimmer in den Flur geschlurft kam und gähnte.

"Leg dich wieder hin." sagte Aoi nur und brachte Kai wieder in sein Zimmer zurück. Als er dann ins Wohnzimmer kam, stand auch schon Kanae unmittelbar vor ihm.

"Nun sag schon, was gibt es Neues?" fragte Aoi dann auch schon wieder und konnte nur zu sehen, wie Kanae vor ihm auf die Knie sank und dabei wie entgeistert vor sich hinstarrte. Sie murmelte nur die Worte "Er hat sie umgebracht.".

Aoi sah sie nur stutzig an. "Was hast du gesagt?".

Natürlich hatte er es verstanden, doch so einfach wollte es Aoi nicht hinnehmen. Nicht so. Es erschien ihm unmöglich. Alles waren erleichtert, als die Polizei sagte, Kim würde es gut gehen. Dabei hatten sie die Fotos verschwiegen und dass das alles vor einer Woche gewesen war. In dieser Woche hätte alles möglich passieren können und es ist passiert.

"Kanae, was hast du eben gesagt? Jetzt mach keinen Mist!" fuhr Aoi Kanae an und packte sie an den Schultern, schüttelte sie anschließend leicht.

"Sie ist tot. Mach den Fernsehen an, es läuft bestimmt schon in den Nachrichten." meinte Kanae nur, die sich von Aoi losgerissen hatte und anschließend auf allen vieren zum Fernseher kroch, denn sie anschaltete und nach einem Nachrichtensender suchte.

"Kanae, du verarschst mich doch jetzt bloß, oder? Das kann doch nicht dein Ernst sein." lachte Aoi nur auf und beobachtete Kanae, die wie ein dummes Kind vor dem Bildschirm des Fernsehers hockte und ihn wie hypnotisiert anstarrte.

"Sag etwas, Kanae. Bitte sag etwas." forderte Aoi dann. Währenddessen hatte Uruha sich in seinem Zimmer eingeschlossen, die Vorhänge, die am Morgen noch aufgerissen waren, waren zugezogen. Man hörte nur sein Wimmern, welches von seinem Bett auskam, auf dem er lag und dabei das Kissen fest an sich drückte, welches Kim immer zum Schlafen benutzte. Er hätte nie gedacht, dass der Tag, der eigentlich so friedvoll begonnen hatte, so grausam enden würde. Aber warum sollte er schon glücklich sein dürfen?

Natürlich war er glücklich - solange Kim bei ihm war.

 

"Ich dachte immer, es gäbe nichts mehr, was uns noch trennen könnte.

Ich dachte, ich könnte dich bald für immer in meinen Armen halten.

Aber der Tod hat dich mir weggenommen. Warum?"

 

"Kim…" wimmerte Uruha immer und immer wieder. Vom Wohnzimmer aus konnte er nur laute Stimmen wahrnehmen. Sie waren zu laut, sodass Uruha sich nun vollkommen unter seiner Zudecke verkrochen hatte. Er wollte nichts mehr hören, er wollte jetzt nichts mehr sehen, er wollte jetzt nichts mehr sagen. Es war nicht mehr sein Leben.

Nicht das, was er jetzt haben wollte.

 

"Warum hat dir die Polizei denn etwas anderes gesagt, als es jetzt in den Nachrichten erscheint? Erklär mir das bitte, Kanae!" fuhr Aoi sie an, während Kanae sich schon kopfschüttelnd die Ohren zu hielt und immer wieder sagte "Ich weiß es nicht".

"Warum, Kanae?" fragte Aoi nur wieder. Er weinte nicht, aber er war völlig fassungslos.

Es war für ihn ein Ding der Unmöglichkeit geworden.

"Sie ist tot! Verdammt, Kim ist tot! Sie kommt nicht mehr wieder!" schrie Kanae Aoi an und stieß ihn von sich, als im selben Moment dann auch schon Kai ins Wohnzimmer kam. Sein Blick war dem von Kanae zuvor identisch ähnlich - er beschrieb pures Entsetzten.

"Sie kommt nicht mehr, begreif das doch." schluchzte Kanae dann, als sie aufgestanden war und in den Flur rannte.

"Was ist mit Kimi? Geht es ihr gut?" fragte Kai nur. Natürlich hatte er alles haargenau gehört, aber wollte es nicht glauben. Niemand wollte und konnte das.

Aoi senkte seinen Kopf. "Kimi, sie kommt nicht wieder." sagte Aoi nur.

"Warum?" fragte Kai nur weiter und ihm rollten dabei auch schon Tränen über die fiebrig glühenden Wangen.

"…sie ist gestorben." sagte Aoi nur - man hatte dabei das Gefühl, als würde er mit einem dummen Jungen reden.

"Nein." erwiderte Kai nur kopfschüttelnd und hatte sich dabei die Hände vor den Mund geschlagen, um nicht einfach los zu schreien. "Kimi ist nicht tot. Nein.".

Er sagte darauf immer wieder dasselbe. Immer und immer wieder. Und in dieser Zeit war Kanae einfach aus dem Haus gestürmt, man hatte nur noch das Zuknallen der Tür hören können - aber jeder wusste warum. Jeder, der es hörte, wusste warum sie das getan hatte.

Kanae hatte einfach ihre Autoschlüssel genommen und war damit auf und davon. Viel lieber würde sie alles laut hinaus in die Welt schreien, doch stattdessen rannte sie davon.

Vielleicht würde sie einen Autounfall haben, der sie von der jetzigen Welt erlösen würde. Aber damit würde sie nur noch mehr Trauer und Schmerz bereiten - sie würde Ruki und auch allen anderen damit nur noch mehr wehtun. Nein, so etwas wollte Kanae nicht.

Sie wollte jetzt einen Moment lang allein mit ihrer Trauer, mit ihren Schmerzen sein und danach würde sie versuchen, sich etwas abzulenken. Sie wollte anfangen den Schmerz, den sie heute ertragen musste, zu verarbeiten. Früher oder später hätte sie es eh tun müssen und so war es nun mal, so würde es auch immer sein.

Nachdem Kanae dann auch schon ein Stück gefahren war, brachten die Nachrichten bereits die schlimme Verkündung über Kim’s Tod und der Tatsache, dass sie wohl mit Gazette zu tun haben müsste. Wahrscheinlich würde sich bald das Management deswegen bei den Jungs melden - man würde alles daran setzten, damit die Jungs nicht noch mehr in diese Sache hineingezogen werden. Als wenn ihr "Verschwinden" aus den Medien für viele nicht schon schlimm genug war. Das brauchten sie jetzt nicht auch noch.

Abgesehen davon, was die nächste Zeit bringen würde, hatte Kanae sich in diesem Moment vorgenommen, heute ihren letzten Abend im Golden Gate zu verbringen. Anschließend würde sie kündigen, denn alles dort würde sie nur noch mehr an Kim erinnern. Sie spielte innerlich auch schon mit dem Gedanken, den Mietvertrag aufzulösen und so ganz bei den Jungs einzuziehen. Ihre Wohnung hatte seit jeher sowieso keinen Sinn mehr gemacht. Kanae war kaum noch in ihrer Wohnung, schon gar nicht in den letzten Wochen. Wahrscheinlich war auch schon ihr Briefkasten kurz vorm Explodieren, voll gestopft bis oben hin mit Reklame und anderen Dingen. Es sollte endlich enden.

Sie lebte schon so gut wie bei den Jungs und der Umgang mit ihnen tat auch gut.

Allerdings war das nur einer von vielen Gedanken, den Kanae in diesen Moment hatte.

Sie achtete mehr auf den Verkehr, den sie mit Tränen in den Augen während des Fahrens beobachtete. Sie fluchte und schimpfte, als der Autofahrer vor ihr nicht sofort bei der auf grün umgeschalteten Ampel nicht sofort losgefahren war.

Es waren alles nur Kleinigkeiten…

 

Zur selben Zeit.

Irgendwo lief ein Radio und es war auch sehr verständlich.

Kim, welche eingeschlafen sein musste, riss die Augen auf und starrte sofort in das schwache Neonlicht der weißen Röhren, die an der grau-weißen Decke befestigt waren.

Sie hörte nur die Worte "Soeben wurde uns mitgeteilt, dass die seit zwei Wochen vermisste Kim Hino tot aus einem kleinen See in der Nähe der Stadt Sendai aufgefunden worden war. Ein Hobbytaucher hatte das Mädchen in einem blauen Foliensack entdeckt und benachrichtigte sofort die Polizei. Es war ein schreckliches Bild, welches den eintreffenden Polizisten geboten wurde. Zudem wurde bei Identifizierung Uruha, der Gitarrist der Band "Gazette", zusammen mit der Freundin der Vermissten entdeckt. In welchem Zusammenhang er mit der Vermissten und deren Freundin steht, werden wir wahrscheinlich erst in den nächsten Tagen in Erfahrung bringen können…" aus dem Radio und sofort stiegen Kim Tränen in die Augen, als dann auch schon Toshi vor ihr stand und sie anlächelte.

"Siehst du, jetzt wird niemand mehr nach dir suchen. Für die Welt bist du jetzt tot und gehörst ab jetzt mir allein." sagte er nur und kniete sich zu Kim herunter. Viel lieber hätte sie Toshi die Augen ausgekratzt und ihn angeschrieen. Sie hätte gesagt "Du bist doch krank!", aber weder das eine, noch das andere war ihr irgendwie möglich. Aber in einer Hinsicht hatte Toshi Recht, für die Welt war Kim ab heute tot und man würde in der Tat aufhören, nach ihr zu suchen. Für sie war es das Aus.

Aber hatte Toshi je daran gedacht, dass man trotzdem weiter nach ihm suchen würde?

So genial, wie er sich seinen Plan vielleicht ausgemalt hatte, war er nicht. Es war dumm von ihm, schließlich würde die Polizei, trotz dass man "Kim’s Leiche" gefunden hatte, weiter nach dem Täter suchen. Doch Toshi schien genau das in seinem Wahn völlig vergessen zu haben und irgendwann würde man sogar darauf kommen, dass es sich bei der Leiche nicht um Kim, sondern um Miki handelte. Irgendwann würde man dann genau dort weitermachen, wo man aufgehört hatte. Irgendwann, würde Kim frei sein können.

Endlich frei sein…

"Aber jetzt werden wir beide etwas Spaß miteinander haben." meinte Toshi dann nur, der angefangen hatte, an Kim herumzuzerren, um sie von den störenden Klamotten zu befreien. Es war wie immer. Er fiel wie ein Tier über seine Beute her. Er missbrauchte sie, wie er es bisher immer getan hatte. Er hatte kein Herz, denn das war schon lange in ihm gestorben. Toshi wurde nur noch getrieben von Wahn gemischt mit unnatürlicher sexueller Erregung und Herrschsüchtigkeit. Es war nichts anderes mehr und umso grausamer war es für Kim. Mit jedem Mal wurde es immer schlimmer und doch konnte sie nichts dagegen tun. Sie dachte dann einfach nur an Uruha, Kai, Kanae und an den Rest der Jungs und umso mehr brachte sie es zum Weinen, als Toshi sich zunehmend schneller begonnen hatte, sich in ihr zu bewegen.

Zu gern hätte dieses Mädchen Toshi darum gebettelt, dass er doch endlich aufhören sollte. Aber er würde nicht auf sie hören und ihr Versuch wäre sinnlos. Kim empfand ihr Leben jetzt schon als sinnlos und verloren. Nichts machte mehr einen Sinn, wenn Uruha nicht bei ihr war. Und ihr war es nun egal, wie sehr sie sich zuletzt gestritten haben oder das Uruha nie mit der Sprache herauskam. Es war ihr wirklich egal, sie wollte ihn nur bei sich spüren. Sie wollte spüren, dass das alles hier nur ein bitterböser Traum ist, aus dem sie endlich aufwachen könnte. Und wenn sie ihre Augen öffnen würde, würde sie in Uruha’s hübsches Gesicht blicken - in das Gesicht blicken, dass sie so sehr vermisste.

Es war eine grausame Tatsache, denn es war ja nur ein Wunsch. Es war ein Wunsch, den sie wohl nicht mehr äußern dürfte. Aber allein nur an Uruha zu denken, blockierte Kim’s Kopf. Man konnte ihn nicht mehr auslöschen, denn er war da. Er war immer da.

"Uruha…" wimmerte Kim bloß und warf sich die Hände, als alles endlich vorbei war, vors Gesicht. "Halt’s Maul!" zischte Toshi dann nur und verpasste Kim einen heftigen Schlag, der sie bewusstlos werden ließ.

Nur noch ein pochender Schmerz in den Schläfen und diese endlose Dunkelheit…

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update: 18-Feb-2008  
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