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21

 

Mittlerweile war es nun 21.30Uhr.

"Kanae! Kim! Sofort herkommen!" rief eine tiefe Männerstimme nach den beiden Mädchen, die hinterm Tresen standen und die ersten Kunden mit Getränken bedienten. Kim hatte sofort zwei der anderen Hostessen vom "Golden Gate" hinter den Tresen geordert und war dann mit Kanae im Büro ihres Chefs verschwunden.

"Pierre, du hast gerufen?" fragte Kim und hatte dabei ihre Hände in die Hüften gestützt. Sie und Kanae, wahrscheinlich auch ein paar andere Hostessen, nannten ihren Chef beim Vornamen, welcher verriet, dass ihr Chef kein Japaner sondern Europäer sein musste - ihr Chef kam vor einigen Jahren aus Frankreich nach Tokio, konnte aber fließend japanisch sprechen und hatte das "Golden Gate" übernommen. Nun war er der Chef, vielleicht war er auch oft zu gutmütig. Aber das war er nur zu denen, die auch wirklich gute Arbeit erbracht hatten und darunter zählten Kim und Kanae, obwohl Kanae etwas später ins Geschäft kam. Doch sie hatten äußerst viele Kunden und demnach auch gute Einnahmen. Aber seit Kim und Kanae so oft nicht erschienen und einige Kunden verärgert darüber waren, musste Pierre nun endlich ein Machtwort sprechen - von einer Kündigung sah er aber noch ab.

"Wie stellt ihr beiden euch vor, wie es nun weitergehen soll?" hatte Pierre gefragt und sah die beiden Mädchen abwartend an, worauf Kim nur mit den Schultern zuckte.

"Willst du uns jetzt kündigen?" hatte Kanae darauf gefragt und sah Pierre aber nur lachen.

"Wenn ich euch rausschmeiße, kann ich den ganzen Laden dicht machen. Ihr seid meine besten Pferde im Stall, die anderen benehmen sich wie Huren und machen für jeden die Beine breit. Ihr macht eure Arbeit wenigstens noch mit Stil und das gefällt unseren Kunden. Aber trotzdem möchte ich euch bitten, wieder regelmäßig zu erscheinen, da wir sonst Kunden verlieren." versuchte Pierre zu erklären, während er sich dabei eine Zigarette anzündete.

"Schon klar, aber es gab in der Zeit, in der wir nicht erschienen sind, große Probleme und da ging es nicht anders." meinte Kim, doch Pierre schüttelte nur seinen Kopf.

"Das ist keine Ausrede, Kim. Hättet ihr beide einen anderen Chef, dann wärt ihr auch schon längst geflogen. Wenn so etwas noch mal passiert, dann werde ich so ein Chef sein. Es sei denn, ihr könnt mir auch handfeste Beweise liefern." reagierte Pierre etwas schroff . Natürlich kannte er Kim’s Geschichte und er wusste auch, wie schwer sie es hatte.

Pierre nahm schon oft Rücksicht darauf, doch irgendwann musste auch das enden, es würde sonst sein Geschäft ruinieren und das konnte er nicht verantworten.

"Wir haben schon verstanden." sagte Kanae dann und seufzte - sie hatte Pierre noch nie so erlebt und eigentlich wollte sie es auch nicht.

Doch es war nun mal ein Blick in die Realität und es wäre besser so, sie so hinzunehmen.

"Den Plan für heute kennt ihr, oder?" fragte Pierre dann.

"Ich hab ihn gestern nicht mehr mitbekommen, weil du mich doch nach Hause geschickt hast. Kim war außerdem auch nicht da." antwortete Kanae und trat einen Schritt näher an den Schreibtisch heran. Pierre seufzte, drückte seine heruntergeglühte Zigarette im Aschenbecher aus.

"Heute ist geschlossene Gesellschaft angesagt, nur die angemeldeten Kunden dürfen jetzt noch rein, weil wir heute seltenen Besuch bekommen. Und ich möchte, dass ihr euch heute um diesen Besuch kümmert." erklärte Pierre und sah in die überraschten Gesichter der Mädchen.

"Aha." bemerkte Kim und trat nun auch ein Stück näher heran.

"Und der Besuch wäre?" fragte Kim dann und sah Pierre nur lächeln.

"Das werdet ihr ja sehen." sagte er und zündete sich dabei erneut eine Zigarette an.

"Er weiß es selbst nicht." flüsterte Kanae Kim zu.

"Gut erkannt." fügte Pierre hinzu, der es doch gehört hatte.

Aber Kim begann sich zu weigern. "Ich würde aber gern meine Kunden, für die ich auch heute Abend zuständig bin, betreuen und nicht irgendwen, nur weil diese Leute sich vordrängeln." meinte Kim und verschränkte dabei ihre Arme wie ein beleidigtes Kind. Pierre brachte es zum Lachen, ihm war bewusst, dass Kim so reagieren würde - schließlich kannte er sie schon gut genug. "Dann behalt doch deine Kunden, aber verschaff dir wenigstens ein gutes Trinkgeld. Kanae, du übernimmst aber diese Aufgabe, oder willst du jetzt auch streiken?" fragte Pierre dann. Kanae war unentschlossen, obwohl es ihr eigentlich egal war - Pierre hatte hier das Sagen und nicht sie.

Was sollte sie dann noch großartig dazu sagen?

"Du bist der Chef und ich die Angestellte." meinte Kanae.

"Diese Leute haben verdammt gut bezahlt, ihr würdet gar einen guten Vorschuss für diesen Monat kriegen." sagte Pierre - er wusste mit Frauen umzugehen und wie man sie um den Finger wickelte, doch selbst da gab es einige Ausnahmen.

Natürlich war er nicht die Sorte Chef, der seine Angestellten übers Kreuz legte.

Pierre arbeitete offen und ehrlich, ohne irgendwelche faulen Tricks anzuwenden.

Er war eben ein Chef, von dem andere nur träumen konnten.

"Du bist schon ein großes Mädchen, mach wie du denkst. Hauptsache die Kasse stimmt und nun raus mit euch." fuhr Pierre fort und "scheuchte" die beiden Mädchen aus seinem Büro. Und nun stellte sich auch die Frage, wer wohl diese Leute waren. In Kanae machte sich ein seltsames Gefühl breit und irgendwie war es nicht angenehm.

"Was meinst du, was das für alte Säcke sind?" grinste Kim und verschwand wieder hinterm Tresen, während Kanae sich auf einen der Barhocker niederließ.

"Ich weiß es nicht. Vielleicht sind sie ja auch gar nicht alt, sondern ganz, ganz junge, sehr gut aussehende Männer." entgegnete Kanae grinsend zurück. Kim hatte gerade damit begonnen, die Gläser zu spülen, obwohl das eigentlich nicht zu ihren eigentlichen Aufgaben gehörte. Aber Kim liebte Abwechslung und erledigte deshalb auch ihre Arbeit entsprechend. Wie Pierre schon sagte - sie machte ihren Job mit Stil. Und gerade, als Kim ihren Kopf hob, um einen prüfenden Blick durch die kleine Runde der überwiegend männlichen Gesellschaft zu werfen, welche sich bis jetzt schon in der Nähe der Bar aufhielten, gelegentlich Drinks bestellten oder einen sauberen Aschenbecher verlangten.

Von Kim`s Kundschaft war bis jetzt noch niemand anwesend und als sie nach dieser Feststellung ihren Kopf wieder sinken wollte, ging die Eingangstür auf.

Als sie sah, wer dort hereinspazierte, ließ sie vor Schreck das Glas, welches sie gerade frisch gespült hatte, auf den Boden fallen. Es zerbrach natürlich in einzelne Scherben.

Kanae folgte währenddessen ihrem Blick und sah daraufhin direkt in die Gesichter der fünf Jungs von Gazette.

"Äh,…" reagierte Kanae verwirrt, während Kim mit zittrigen Händen dabei war, die Scherben aufzusammeln.

"Kannst du nicht aufpassen, du dumme Gans? Deine Schusseligkeit verscheucht uns ja die ganzen Kunden." frotzelte Miki, die hinter Kim am Tresen stand und diese mit der rechten Hand am Kopf anstieß, sodass Kim beinahe mit beiden Händen in die Scherben gefallen wäre. "Halt die Klappe und mach weiter deine Beine breit, du dummes Stück Vieh. Dann kann ich wenigstens in Ruhe meine Arbeit machen." konterte Kim teilnahmslos erscheinend, während sie dann auch die Scherben in den Müll entsorgt hatte und sich die Hände wusch. Ihr Blick hing währenddessen an Uruha, welcher im Vergleich zu den anderen, normal gekleidet zu sein schien und als Letzter das "Golden Gate" betrat.

Was würde passieren, wenn er sie jetzt hier sehen würde?

"Kim?!" plärrte Kai, der sofort zu Kim an den Tresen kam und sich auf einen der Barhocker niederließ. Zu spät, dachte Kim, welche aus Scham sicherlich bereits puterrot angelaufen sein musste. Kim war noch immer sehr überrascht über das plötzliche Auftauchen der Jungs, welche sich bis auf Kai widerstandslos an einem Tisch für acht Personen gesetzt hatten.

Es war einer der Tische, welcher gern von so genannter Stammkundschaft genutzt wurde, da er eine mit weinrotem Leder gepolsterte, schwarz lackierte Sitzecke aus gutem Holz hatte, welche zusätzlich mit weinroten Kissen verziert wurde und die Atmosphäre noch etwas gemütlicher erscheinen ließen.

Kanae war währenddessen mit einem überraschten Lächeln auf den Lippen auf die Jungs zugegangen. Nun blieb es den Mädchen dann wohl erspart, den Jungs über ihre Arbeit als Hostess aufzuklären. Beide hatten immenses Herzklopfen.

"Äh, ihr seid nicht zufällig unsere so genannten Ehrengäste, oder?" fragte Kanae, welche nun fast schon beschämend vor den Jungs am Tisch stand. Die Jungs reagierten nicht sehr erfreut über Kanae`s Anblick. Es war nicht die Tatsache, dass sie da war, sondern, dass sie aufgestylter als sonst war und zudem verführerisch gut aussah.

"Hallo…" bemerkte Aoi, welcher sich mit gesenktem Kopf sofort eine Zigarette angezündet hatte. Er war der Einzige, der darüber bescheid wusste, während sie die anderen nur verdutzt, fast schon erstarrend ihre Blicke auf Kanae gerichtet hatten.

Was sie wohl in diesem Moment dachten?

Ja, sicherlich würden sie denken, dass die Mädchen hier kellnerten, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass beide dafür wohl doch zu aufgestylt waren.

Ja, und wo war Kim?

Kim versuchte gerade, Kai über ihre Arbeit hier im "Golden Gate" aufzuklären. Während mittlerweile auch Uruha sie entdeckt hatte, als er sich nach dem ersten Gang zur Toilette nach der Ankunft, zu den anderen an den Tisch gesetzt hatte.

Kanae versuchte gerade, es den Jungs so gut und so kurz wie möglich zu erklären, während Kai Kim gegenüber am Tresen sitzend sich erst einmal eine Wodkamischung bestellen musste.

Kim hoffte innerlich, dass die anderen und auch Kai selbst jetzt nichts Falsches von Kanae und ihr dachten. Die Zeit verlief schneller als gewollt, als dann auch schon mehr Kundschaft anwesend war, welche Kim stets und ständig mit Uruha`s drückenden Blicken im Nacken bedienen musste. Es war üblich, dass hin und wieder ein Kunde die Finger nach Kim ausstreckte, ihren Hintern streichelte oder sie zu sich auf den Schoß zog, worauf Kim allerdings immer wieder aufgesprungen war. An diesem Abend war es besonders unangenehm, vor allem aber mit dem Gelächter der Jungs in den Ohren.

Was machten sie überhaupt im "Golden Gate"?

"Ich finde es echt widerlich." zischte Uruha, welcher bereits an seinem zweiten Glas purem Wodka nippte und nebenbei jede einzelne Bewegung von Kim und überhaupt alles, was sie tat, beobachtete.

"Es ist in der Tat echt widerlich." bemerkte Ruki leise, welcher neben Uruha saß und das Treiben im "Golden Gate" beobachtete. Er beobachtete Kanae, die hin und wieder zum Tresen gelaufen war, um neue Getränke für die Jungs zu holen. Ihr war es wohl genauso unangenehm wie Kim, doch sie konnte nichts daran ändern - außer zu hoffen, dass der Abend bald endet und die Jungs wieder nach Hause fahren würden.

"Hi, Kanae." sagte Kai, der immer noch am Tresen saß. Kanae stellte das runde Tablett am Tresen ab und sah Kai beschämt an.

"Hallo." sagte sie nur leise und reichte anschließend ihre Bestellung ein.

Kanae wollte weg, denn jeder von den Jungs sah sie nur prüfend, ja fast schon eindringlich an.

"Du siehst gut aus, das kennt man gar nicht so von dir." meinte Kai, nachdem auch er Kanae gemustert hatte. Er hatte auch Kim gemusterte, sagte auch dasselbe zu ihr. Vielleicht klang es auch etwas unverschämt, so etwas zu sagen, da die Mädchen eigentlich immer gut aussahen - doch dieses Mal war es wohl auffälliger als sonst.

"Beruflich bedingt." antwortete Kanae kurz und nahm ihre Bestellung entgegen, kehrte anschließend zu den anderen vieren an den Tisch zurück und stellte die Getränke dort ab. Sie bereute es nun auch, nicht die Kunden zu betreuen, die normalerweise auf den Plan standen. Doch nun stand sie hier, stand vor den Menschen, die fast wie eine Familie zu ihr waren.

Es war grausam.

Es war grausam, wie Ruki sie ansah - als wolle er sie umbringen.

"Wollt ihr noch irgendetwas? Knabbeberein vielleicht?" fragte Kanae schüchtern, während sie hin und wieder mit ihren Blicken nach Kim suchte.

"Ja, dass könntest du tun." bemerkte Reita, welcher wohl von allen am ruhigsten war und dabei Kanae amüsant beobachtete - ihm schien es wohl zu gefallen, wie sie angezogen war und herumlief. Ruki hingegen zappelte nervös auf seinem Platz, hatte bereits eine Zigarette nach dem anderen geraucht und schien auch Uruha damit angesteckt zu haben.

"Ich würde ihr am liebsten diese Klamotten vom Leib reißen und ihr irgendetwas Normales anziehen. Sie sieht aus wie’ne Nutte und es sieht echt widerlich an ihr aus." sagte Ruki, während er Kanae nochmals musterte.

"Ich find’s schick." bemerkte Reita frech grinsend und nippte dann an seinem Wodkaglas.

Warum sollte ihn diese Tatsache stören?

Er hatte ja nichts Näheres mit Kanae.

"Halt du deine Klappe!" zischte Ruki und ließ nun seinen Blick zu Aoi wandern.

"Wieso sagst du eigentlich nichts dazu? Findest du es etwa auch noch geil?" hatte Ruki ihn dann auch schon gefragt und sah Aoi auch abwartend an.

Er grinste dann auch nur etwas beschämt und stellte sein Glas auf dem schwarzen, runden Tisch ab.

"Hör mir mal gut zu, Ruki. Deine Kleine hat es mir heute morgen unter Tränen erzählt und sie wollte es dir eigentlich auch erzählen, aber das hat sich dann wohl erledigt. Vielleicht war es aber auch so vorgesehen." meinte Aoi und sah in Ruki’s erschrockenes Gesicht.

Er war wütend, wütend auf sich selbst und auch wütend auf Kanae.

Vertraute sie ihm etwa nicht genug?

Vertraute sie Aoi mehr?

Warum hatte sie Ruki nichts erzählt?

Es wäre wahrscheinlich auch nur halb so schlimm gewesen, wenn Ruki es von Kanae selbst erfahren hätte. Doch es hatte keiner Anstalten gemacht, dabei hätte Ruki oder auch jeder andere sie fragen können. Nun war die Tatsache, dass Kanae und auch Kim, sich von irgendwelchen Männern anfassen ließen, umso schlimmer.

"Das hört sich auch schön in meinen Ohren an und wie mir scheint, vertraut sie wohl mehr dir als mir. Das finde ich ja schon wieder große Klasse und da soll man sich wundern, wenn ich mich mit ihr streite?!" fluchte Ruki los und leerte sein Glas in einem Zug. "Reiß dich etwas zusammen." meinte Uruha. Auch er war wütend, doch versuchte er es sich nicht anmerken zu lassen, er wollte es nicht wie Ruki machen. Wer ihn kannte wusste aber, dass es Uruha genauso störte.

Ja, es verletzte ihn regelrecht, weil er das Gefühl hatte, dass Kim ihm nicht vertraute. Es tat fast schon weh in seiner Brust und am liebsten hätte er Kim zu sich geholt und sie gezwungen, diesen Job sofort aufzugeben, weil ihr Anblick in seiner Brust schmerzte.

Dabei war die Welt vor ein paar Stunden noch vollkommen in Ordnung…

"Ich soll mich zusammenreißen? Mein Mädchen läuft wie’ne Nutte durch die Gegend und deins zufälliger Weise auch. Und da soll ich mich zusammenreißen?" wurde Ruki etwas lauter. Kanae, die neben Kai am Tresen stand hörte jedes einzelne Wort von Ruki und auch Kai konnte es hören. Doch Kanae wäre sofort auf der Stelle im Erdboden versunken. Sie wollte sterben, hier und jetzt, denn noch nie hatte Kanae so ein unangenehmes Gefühl wie jetzt.

"Er ist wütend." sagte Kai und nippte an seinem Glas.

Kanae wäre bei diesen Worten lieber in Tränen ausgebrochen.

"Ich weiß." bemerkte Kanae leise und suchte erneut mit ihren Blicken nach Kim.

"Er ist sehr wütend und wahrscheinlich wird er sich betrinken, wenn ihn nicht irgendjemand davon abhält. Außerdem fällt sonst unsere Überraschung ins Wasser." erklärte Kai, der sein Glas mit Wodkamischung dann in einem Zug geleert hatte.

"Ich weiß." sagte Kanae nur wieder und senkte ihren Kopf.

"Dann unternimm gefälligst was, es reicht doch schon, wenn Uruha so ein Gesicht zieht." reagierte Kai etwas schroff und es tat ihm auch leid, Kanae so angefahren zu haben.

Aber er hatte Recht.

Kanae nahm das Tablett mit den Knabbereien und steuerte zum Tisch der Jungs zurück. "Eure Knabbereien." sagte Kanae und warf Ruki, der schon wieder ein volles Glas in den Händen hatte, einen nach Verzeihung flehenden Blick zu.

"Ruki, würdest du dann mal bitte mit mir kommen?" fragte Kanae dann und ihr Blick wurde nun abwartend. Aoi und Reita pfiffen, Uruha schien mit den Gedanken abwesend zu sein und Ruki lachte nur auf.

"Warum sollte ich das tun? Ich hatte eigentlich kein Verlangen danach." sagte er nur und leerte sein Glas in einem Zug.

"Bitte." flehte Kanae.

"Ruki, beweg gefälligst deinen Arsch." meinte Aoi nur und sah Ruki abwartend an.

Ruki stöhnte genervt, stellte dabei sein Glas auf den Tisch und stand nun auf. Es erschien fast schon so, als würde er taumeln, doch dem war nicht so - es war nur eine Einbildung.

Ruki folgte daraufhin unauffällig Kanae, die dann im Büro ihres Chefs verschwand und dann Minuten später wieder mit einer Karte in den Händen herauskam. Immer noch folgte Ruki ihr schweigend, bis beide dann endlich in einem Zimmer standen, welches an ein Bordellzimmer erinnerte. Dabei handelte es sich um eines der teuersten Suiten vom "Golden Gate" - schließlich handelte es sich nicht nur um einen Nachtclub, sondern auch um eine gut belaufene, etwas teuere Pension die gern von Touristen besucht wurde.

Ruki ließ sich dann prompt auf dem Bett nieder, welches mit rotem Satin bezogen war.

Skeptisch sah er sich um und er hegte solche Gedanken, die eigentlich total falsch waren.

"Und hier verführst du also deine Kunden, stimmt‘s?" hatte Ruki dann auch schon gefragt und ließ nun seinen Blick auf Kanae sinken, welche nun das Zimmer von innen abgeschlossen hatte. Sie lachte gespielt und bewegte sich vorsichtig auf Ruki zu.

Sie hatte Angst.

Angst vor dem, was jetzt noch alles passieren würde.

Sie wünschte sich, dass er nie hier aufgetaucht wäre.

Aber die Realität siegte immer wieder…

"Sieh es, wie du willst." meinte Kanae nur und blieb vor Ruki stehen - sie war ihm sehr nahe und Ruki hätte, wenn er wollte, einfach seine Arme um ihre Hüften legen können.

"Und jetzt bin ich wohl dran? Vergiss es." fuhr Ruki sie schroff an und wollte wieder aufstehen, wenn Kanae ihn nicht mit aller Kraft zurück aufs Bett gedrückt hätte. Sie hatte dann ihre Hände sanft auf seinen Schultern ruhen lassen, während sie verzweifelt nach einer Erklärung suchte. Sie wollte so vieles klären, doch das Ergebnis hatte Kanae schon so oft erlebt - es würde wie immer enden. Sie hätten geredet und dann miteinander geschlafen, doch Ruki würde wieder vor allem weglaufen. Er lief immer davon, wenn es um Kanae’s Gefühle ging oder was dem nahe kam.

"Ich hatte nicht vor, für dich die Beine breit zu machen." sagte Kanae und sah Ruki nun ernst an. Er war wirklich wütend und wahrscheinlich würde Kanae wohl das verlieren, was sie nie verlieren wollte und nur wegen eines dummen Fehlers.

"Ich wollte mit dir reden." fuhr sie fort und ließ von Ruki ab, entfernte sich ein Stück von ihm. Ruki lachte, sah Kanae dabei provozierend an.

"Du wolltest reden? Wir haben immer geredet." meinte er und begann nervös zu zappeln.

"Ich weiß, dass es dich stört. Aber du begreifst ja nichts." konterte Kanae.

Sie wollte nicht mit Ruki streiten - aber wahrscheinlich ließ sich nichts vermeiden, was darauf hinführte und irgendwie war es grausam.

Ruki lachte wieder und stand auf, er kam auf Kanae zu und packte sie unsanft an den Schultern. "Du bist hier diejenige, die nichts begreift! Du vertraust doch anderen Menschen mehr als mir! Ich mache solche Sachen nicht." wurde Ruki laut.

Kanae war erschrocken, sie hasste es, wenn Ruki so war.

Er war zwar frech, aber auch ruhig und zurückhaltend - so liebte Kanae ihn.

"Hör auf…" wimmerte Kanae fast und versuchte sich von Ruki loszureißen.

"Nein, ich werde nicht aufhören." fuhr Ruki sie an. Er war wie ausgewechselt und dafür sorgte nicht nur der Alkohol. Es war die Tatsache über Kanae’s Berufsleben und weil Ruki glaubte, dass Kanae wohl anderen mehr vertraute als ihm. Es war die Tatsache, wie Kanae gekleidet war und das es Ruki wütend machte - auch wenn Kanae verdammt gut aussah. Wahrscheinlich würde es ihn auch weniger stören, wenn sie sich nur für ihn so anziehen würde. "Du vertraust Aoi mehr als mir und erzählst ihm, was du beruflich machst. Bin ich mit dir zusammen, oder er? Vielleicht hatte ich ja auch Recht und du hast wirklich eine Affäre mit ihm. Vielleicht machst du auch noch für andere Männer die Beine breit, schließlich treibst du dich ja oft genug Nächte lang hier herum. Weißt du eigentlich, dass es mir langsam so keinen Spaß mehr macht? " Ruki wurde lauter und brachte Kanae zum Zusammenzucken. Ihr liefen dabei unkontrolliert Tränen über die glühendroten Wangen.

Warum tat er nur so etwas?

"Halt den Mund! Ich will das nicht hören!" hatte Kanae nun laut geschluchzt und fiel auf die Knie. "Du malst dir Sachen aus, so wie sie dir vielleicht in den Kram passen. Das es mich verletzt ist dir anscheinend egal. Ich hatte dabei wirklich angefangen zu glauben, dass du mich wenigstens ein bisschen lieben würdest. Aber wen interessiert das schon?" wimmerte Kanae.

Sie wusste, dass es so enden würde, wie sie es geahnt hatte.

"Du verträgst nur die Wahrheit nicht, das ist alles. Und wie gesagt, bist du diejenige, die nichts begreifen will." sagte Ruki nur kühl und betrachtete Kanae abwertend, als wäre sie ein dreckiges Stück Vieh. Seine Augen sahen dabei so aus, als wollten sie sagen

"Komm mir nicht zu nahe. Komm mir nie wieder so nahe".

Kanae schluchzte wie wild und hatte dabei das Gefühl, als würde sie sich nicht mehr bewegen können. Ihr tat das Herz weh, aber wahrscheinlich sollte es wohl so sein.

"Die Wahrheit, die eigentlich nur von dir gesehen wird?" fragte Kanae dann, hob wieder ihren Kopf und sah Ruki abwartend an - warum konnte er ihr nicht verzeihen und sie einfach in den Arm nehmen - es war doch immer so, sie haben einander immer verziehen. Das wünschte sich Kanae mehr als alles andere im Moment.

Im selben Moment packte Ruki sie an den Armen und warf sie aufs Bett - er war grob und innerlich tat es ihm auch leid, doch auch er hatte irgendwo seine Grenzen.

Später dann hatte Ruki sich über Kanae gekniet und ihre Handgelenke gepackt.

Das, was er jetzt zu ihr sagen würde, zerriss ihm fast das Herz - dabei war es für ihn nur diese Empfindung, als er Kanae heute das erste Mal so gesehen hatte.

"Heute ist es das erste Mal in meinem Leben, das ich so etwas sage, aber es ist auch nur die Wahrheit. Und weißt du wie sie aussieht? Soll ich dir das wirklich verraten?" Ruki glich fast einem Irren und es machte auch Kanae irre.

Am liebsten würde sie auch laut schreien, sie wollte einfach nur weg von hier - wollte weg von Ruki und diesem Ort. Denn so, wie alles heute war, wollte es Kanae nie wieder haben.

"Du widerst mich an und so will ich dich nicht mehr haben." sagte Ruki, dabei trieb es ihm schon selbst fast Tränen in die Augen - er versuchte sie zu unterdrücken. Doch als Kanae nun diese Worte hörte, glaubte sie, neben ihr würde ein Spiegel in tausend Scherben zersplittern. Genauso fühlte sich dieser Schmerz in ihrer Brust an und alles verkrampfte sich plötzlich in ihr. Ihr fiel das Atmen schwer und auch das Weinen.

Umso mehr hatte sie nun den Wunsch zu sterben.

"Verschwinde!" schluchzte Kanae laut, als Ruki von ihr herunterging. Er kehrte ihr den Rücken, wischte sich dabei die ersten Tränen aus dem Gesicht.

"Keine Sorge, dass werde ich." sagte er nur leise und er klang dabei so kühl, dass es Kanae fast schon unmöglich war, den Gedanken zu hegen, das irgendwann wieder alles in Ordnung kommen würde. Er war nie so zu ihr, egal wie oft sie sich stritten.

Doch bekanntlich gab es für alles ein erstes Mal…

"Dann geh endlich!" schluchzte Kanae noch lauter - nun war sie es, die wütend war.

Doch sie war mehr wütend auf sich, als auf irgendjemanden sonst.

Ruki hatte dann auch schon die Tür aufgeschlossen und stoppte dort, weil Kanae ihn von hinten festgehalten hatte.

"Sag mir bitte noch eins…hast du mich denn wenigstens geliebt, damit du mich so einfach abschieben kannst?" schluchzte Kanae und krallte sich in Ruki’s schwarzem T-Shirt fest. Aber er riss sich schweigend los und öffnete die Tür. Er drehte sich zu ihr um, sah Kanae kurz an und verschwand dann aus dem Zimmer. Als die Tür ins Schloss fiel, ertönte dabei ein grausam lautes Geräusch in Kanae’s Ohren, welches sie auf Knien sinken ließ.

"Wieso tust du mir das an? Hab ich das denn wirklich verdient? Habe ich dich nicht genug geliebt?" wimmerte Kanae und kauerte sich wie ein kleines Kind auf dem Boden zusammen. Für sie endete nun eine Welt auf grausame Weise - sie verlor dabei den Menschen, den sie wohl am meisten liebte. Sie hätte so viel für Ruki getan, wäre sogar den tiefsten Abgrund hinunter gesprungen, wenn es sein musste. Sie wäre für ihn auf heißen Kohlen gelaufen. Sie hätte für Ruki die Hölle durchquert und nun war doch alles umsonst. Ihr Leben, welches eine so kurze Liebe erfahren hatte, hatte nun einen Sprung wie eine kaputte Fensterscheibe.

Es schien, als wäre alle viel zu früh gewesen…

 

22

 

Ruki stand angelehnt unmittelbar neben der Zimmertür und hatte sich die Hände vors Gesicht geschlagen. Er begriff selbst noch nicht, wie er so etwas tun konnte - jetzt hatte er sie für immer verloren.

"Jetzt ist sie weg, weil ich es so wollte…" murmelte Ruki und nahm die Hände aus seinem Gesicht. Im selben Augenblick sah er eine Hostess auf sich zukommen.

"Ist Kanae da drin?" hatte sie Ruki völlig außer Atem gefragt und er nickte nur schweigend. Das Mädchen riss darauf die Zimmertür auf und verschwand in dem Zimmer. Ruki wollte nicht noch länger hier stehen bleiben und lief nun in Eilschritten weiter - er wollte nicht, dass Kanae ihn so sah. Sie sollte sein verheultes Gesicht nicht sehen und Ruki würde nun als erstes auf der Männertoilette verschwinden.

"Kanae, deine Kundschaft wird ungeduldig und fragt ständig nach dir. Was hast du denn so lange gemacht?" fragte das Mädchen, welches den Namen Sayuri trug.

"Ich komme ja schon." sagte Kanae leise und wischte sich rasch die Tränen aus dem Gesicht. "Alles in Ordnung?" fragte Sayuri weiter. Kanae nickte nur - es ging niemanden etwas an. "Ja, mir geht es gut." sagte Kanae und steuerte an Sayuri vorbei.

"Halt, bleib stehen." rief Sayuri ihr nach und hielt dann von selbst Kanae am rechten Arm fest. Kanae drehte sich zu dem Mädchen mit den blond gefärbten Haaren um.

Sayuri lächelte und holte ein Zellstofftaschentuch hervor.

"Deine Schminke ist verwischt." meinte sie und begann, Kanae’s verwischte Schminke zu entfernen und es wieder einigermaßen anständig aussehen zu lassen.

Wenig später stand Kanae wieder am Tisch der Jungs, nur Ruki fehlte immer noch.

"Darf man wissen, was du so lange gemacht hast?" fragte Aoi mit Zigarette im Mundwinkel. Kanae lächelte gespielt.

"Das geht dich nichts an." meinte Kanae und ließ sich auf Ruki’s Platz neben Uruha nieder. "Wo ist Kim?" fragte Kanae und suchte mit ihren Blicken in der Menge nach Kim. Uruha und auch der Rest zuckte teilnahmslos mit den Schultern, bis Kanae nun von selbst wieder aufstand und in der Menge verschwand.

"Sie hat geweint." bemerkte Reita, der mit dem Strohhalm in seinem Wodkaglas spielte.

"Sie hat bestimmt mit Ruki gestritten." meinte Aoi und zog dabei intensiv an seiner Zigarette. "Wo ist er überhaupt?" fragte Uruha nun, doch die anderen beiden zuckten nur mit den Schultern. Währenddessen saß Kai immer noch am Tresen und beobachtete das amüsante Treiben. Er beobachtete auch Kim, wie sie ständig vom Tresen zu ihren Kunden pendelte. Natürlich war es für ihn auch kein schöner Anblick, wenn Kim sich von ihren Kunden anfassen ließ - aber so war ihr Job. Als Kim dann wieder am Tresen stand, musste Kai plötzlich lächeln.

"Würdest du mich dann auch irgendwann einmal so bedienen?" fragte Kai dann.

Kim erwiderte sein Lächeln.

"Klar, für dich sogar umsonst." meinte sie dann und wollte weiter, als Miki sie plötzlich zur Seite zog. Miki’s Blick wanderte sofort zu Kai.

"Wer ist der Kleine? Ich find ihn niedlich, darf ich ihn einweisen?" hatte Miki dann auch schon gefragt, doch Kim widerte es an - sie wollte auf keinen Fall, dass Miki ihre Finger nach Kai ausstreckt und ihn wohlmöglich versuchen würde, zu verführen.

Natürlich hatte Kai Miki’s Worte gehört, zwar war Miki hübsch, aber er mochte ihr Art nicht. "Hä?" reagierte er bloß verwirrt, doch Kim machte es wütend.

"Lass bloß die Finger von ihm oder ich breche sie dir alle einzeln. Sieh zu, dass du Land gewinnst und vergiss nicht, bei jemanden anderes die Beine breit zu machen!" wurde Kim laut und wendete sich Kai wieder zu. Miki lachte nur laut und verschwand in der Menge.

"Was war das denn für eine?" fragte Kai.

Kim schüttelte ihren Kopf und lächelte dabei. "Eine Frau, die du wohl lieber nicht kennen lernen willst. Sie ist schlimmer als die Schlange, von der Eva im Paradies verführt worden war." meinte sie und gönnte sich nun selbst ein Glas mit Wodkamischung.

"Ich finde sie hässlich." sagte Kai und griff darauf prompt nach Kim’s Händen.

"Sehr hässlich.".

Das verstand Kim nicht. Miki war eigentlich sehr hübsch mit ihren langen, rotbraun gefärbten Haaren und ihren dunklen Augen. Miki war auch sehr schlank, und sie konnte eigentlich alles anziehen - obwohl ihr persönlicher Kleidungsstil doch etwas gewöhnungsbedürftig war.

Kai musste darauf lachen. "Ihr Charakter ist sehr hässlich, nicht ihr Äußeres und trotzdem ist sie nicht mein Typ. Keiner ist so wie du und das sollte auch so bleiben." erklärte Kai, der Kim beobachtete, wie ihre Wangen leicht erröteten.

"Ich geh dann mal wieder." meinte Kim und verschwand vom Tresen wieder in die Menge, hatte ihr Glas einfach stehen lassen. Kai griff nun nach Kim’s Glas.

"Ach Kimi…." seufzte er dann leerte das Glas in einem Zug. Im nächsten Moment betrat ein junger Mann mit schwarzem hochgestylten Haaren das "Golden Gate" und er erschien wie einer dieser Yakuza-Schönlinge - dabei war es nur Toshi, welcher nun Ausschau nach seiner "Herzdame" namens Kim suchte. Auch Kanae, welche sich in der Menge tummelte hatte ihn bereits entdeckt. Jetzt musste sie Kim erst Recht finden, um das Schlimmste zu verhindern. Doch dafür war es bereits zu spät, Kim rannte ihrem "Freund" direkt in die Arme - sie ahnte weder das Toshi hier war, noch das sie ihm eigentlich schon entgegen kam. Kanae drängelte sich währenddessen immer noch durch die Menge und die Jungs, insbesondere Uruha, hatten von nichts eine Ahnung.

Was würde wohl passieren?

Was würde Toshi dieses Mal anstellen?

Würde er Kim schlagen?

Sie beschimpfen?

Sie wohlmöglich aus dem "Golden Gate " zerren?

Irgendwie dröhnte die Musik lauter als zuvor in Kim’s Ohren und als sie dann ihren Blick gerade aus gerichtet hatte, erblickte sie nun auch Toshi - er stand unmittelbar vor ihr und Kim hatte das Gefühl, dass alles um sie herum wie ein Zeitraffer wirkte. Die Menschen zogen an ihnen vorbei, als würden Kim und Toshi gar nicht existieren - alles zog so unglaublich schnell an ihnen vorbei. Die dröhnende Musik wurde auf einmal leiser und Toshi lächelte nur, als würde er es beeinflussen.

Kim hatte dann auch schon vor Schreck das Tablett mit leeren Gläsern fallen lassen und sie zerbrachen in viele Scherben - das Klirren vom Glas ließ alles irgendwie wieder real werden. Alles bewegte sich wie wieder normal um die beiden, doch Toshi grinste immer noch. Er bewegte sich auf Kim zu, kickte dabei das zerbrochene Klas außer Reichweite seines Weges.

"Hallo, Kimi." hatte Toshi dann auch schon gesagt und bevor Kim verschwinden konnte, hatte Toshi sie auch schon grob an den Armen gepackt - er war immer grob und er drückte genau auf Kim’s blaue Flecken.

"Ich habe dich vermisst, weißt du das eigentlich?" fragte er nun und irgendwie wurde das Gefühl eines Irren wieder in ihm wach - bald würde er wieder andere Seiten aufziehen "müssen".

"Schön und jetzt lass mich wieder los, ich muss arbeiten." meinte Kim und wollte sich von Toshi losreißen. Er lachte nur und schüttelte dabei seinen Kopf.

"Das nennst du also arbeiten? Sieh dich doch mal an, du siehst aus wie’ne Nutte, die gerade auf’m Sprung ist. Ich weiß doch, dass du wie wild durch die Gegend vögelst. Du lässt dich doch von jedem ficken, wenn die Kasse stimmt." meinte er und sein Griff wurde dabei immer fester. Natürlich tat es Kim weh, auch seine Worte schmerzten in ihren Ohren und am liebsten würde sie schreien.

"Halt die Klappe und denk doch was du willst. Im Gegensatz zu dir ficke ich nicht mit nutzlosem Viehzeug." konterte Kim, womit Toshi am wenigsten rechnete - selten hatte sie Toshi widersprochen oder gegen das, was er sagte, gekontert.

Kim schien auch zu ahnen, dass Toshi wohl so etwas wie eine Affäre haben könnte - doch das interessierte Kim überhaupt nicht.

Sie wollte weg.

Sie wollte zu Uruha.

"Du kleine Dreckschlampe hältst gefälligst dein Maul und widersprichst mir nicht und ich sagte doch schon zu dir, dass du mich so schnell nicht loswirst. Also gewöhn dich besser wieder daran, sonst könnte es wohlmöglich wehtun." grinste Toshi, sein Gesicht war ihrem so nahe und irgendwie widerte es Kim an. Alles an ihm widerte Kim an und sie versuchte sich nochmals von Toshi loszureißen. Im selben Moment kam dann auch schon Kanae aus der Menge und doch sah sie die beiden nicht sofort.

"Du widerst mich an." zischte Kim nun und sah förmlich die Wut in Toshi’s Augen aufsteigen. Er glaubte sich verhört zu haben, doch ihre Worte klangen viel zu real.

"Du kleine Drecksschlampe!" wurde Toshi laut und hob seine Hand - irgendwie schien niemand wahrnehmen zu wollen, was da gerade passierte. Niemand schien seine Nase in diese Angelegenheiten zu stecken. Die Einzige, die nun irgendetwas mitbekam und unternehmen wollte war Kanae - sie wollte Kim immer helfen und auch dieses Mal.

Sie hatte endlich Kim entdeckt und wie sie ahnte, war das Schlimmste schon eingetroffen.

"Nimm deine hässlichen Wichsgriffel von Kim!" fuhr Kanae Toshi an und kam ihn Eilschritten auf ihn zu. Toshi lachte nur laut.

"Halt dich da raus, du kleines Miststück! Wegen dir hat Kim mich doch verlassen! Aber jetzt nimmst du sie mir nicht mehr weg, du kleine Hure!" wurde Toshi laut und stieß Kanae grob von sich, sodass sie auf ihren Steiß flog und ihre Hände in den Glassplittern landeten. Sofort stiegen Kanae Tränen vor Schmerzen in die Augen und auch wenn es überall noch so wehtat, musste sie Kim irgendwie helfen. Doch bevor Kanae sich überhaupt vom Boden aufrichten konnte, so musste sie schon mit ansehen, wie Toshi Kim eine schallende Ohrfeige auf beiden Seiten verpasste. Kanae tat dieser Anblick genauso weh, als wäre sie es, die geohrfeigt wurde. Und irgendwie half Kanae jemand auf die Beine - ein junger Mann, der aber gleich wieder in der Menge verschwand. Es schmerzte umso mehr in Kanae’s Rücken und der stechende Schmerz in ihren Handinnenflächen war nicht zu ignorieren. Blut rann in dünnen Bahnen zu ihren Fingerspitzen. Doch es brachte jetzt nichts, sich darum zu kümmern. Kanae’s einziger Gedanke war in diesem Moment nun mal Kim.

"Ich habe sie dir nicht weggenommen, Toshi." fuhr Kanae Toshi an und bewegte sich von Neuem auf Toshi zu. "Sie ist freiwillig gegangen. Hörst du? Freiwillig und das zu Recht. Niemand, aber auch niemand ist so ein Monster wie du. Kim ist viel zu schade für dich, also nimm endlich deine Hände von ihr." schluchzte Kanae nun und beobachtete Toshi, wie er große Augen bekam. Seine Hände, die immer noch Kim’s Oberarme festhielten, zitterten. "Ich bring dich um." zischte er und ließ von Kim ab.

"Kanae, geh weg. Verschwinde!" wimmerte Kim laut, doch Kanae schüttelte wild ihren Kopf. "Nein, ich lass dich nicht hier." widersprach sie dann und sah Toshi auf sich zu kommen. Ja, man konnte deutlich die Wut in seinem Gesicht erkennen.

Aber jetzt konnte man sich die Frage stellen, warum niemand etwas unternahm.

Waren die Menschen wirklich so feige geworden?

Kanae wünschte sich, dass Ruki auftauchen und sie beschützen würde.

Irgendwer sollte kommen - jetzt sofort und die Angst hatte Kanae paralysiert.

Wie versteinert stand sie nun da und zitterte - warum war sie nicht einfach gegangen und hätte jemanden geholt?

"Toshi, hör auf, bitte. Lass uns damit aufhören, dass ist kindisch." versuchte Kim Toshi zu bändigen, doch dabei stieß sie nur auf taube Ohren.

"Du kotzt mich an! Schon seit ich dich das erste Mal gesehen habe, hast du mich angekotzt und ich dachte, irgendwann schäffst du dieses kleine Miststück aus dem Weg, sie nimmt dir dein Mädchen weg." lachte Toshi wie ein Irrer, als er vor Kanae stand.

"Warum hast du es dann nicht getan?" fragte Kanae und sah abwartend in Toshi’s Gesicht.

"Kanae, hör auf. Provozier ihn nicht." meinte Kim und bewegte sich vorsichtig auf Toshi, sowie Kanae zu.

"Lauf." flüsterte Toshi Kanae ins Ohr. Und es war wie ein Schlag auf den Kopf. Es war genau derselbe Schmerz, den Kanae empfand und der ihr weiche Knie, fast zum Zusammenbrechen, bescherte.

"Du kriegst Kim nicht!" schluchzte Kanae, die Kim einen raschen Blick zuwarf - sie nickte Kanae zu und wollte eigentlich, dass Kanae endlich in der Menge verschwindet.

"Lauf, oder ich bring dich um." drohte Toshi nur wieder.

"Dann tu es doch gefälligst. Und um ehrlich zu sein, ging sie mir schon lange auf die Nerven, mit ihrer Mitleidstour." fuhr Kim plötzlich dazwischen.

Es war wie ein Filmriss, es war das Gefühl, welches Kanae bei diesen Worten empfand. Nein, das war nicht Kim. Das war nicht ihre Kim.

Allerdings reagierte Toshi auch verwirrt, über diese Worte. "Was?!".

"Kimi, das kann doch nicht dein Ernst sein?! Was…was redest du denn da?" stammelte Kanae, der unkontrolliert Tränen über die Wangen rollten.

"Immer wieder hast du mich Mitleid überhäuft. Du hast mich krank damit gemacht, kapierst du das nicht?!" zischte Kim. Sie selbst war sich indessen bewusst, was sie da sagte und es schmerzte, denn es war nicht ihre Redensart und auch nicht die Art, mit der sie Kanae sonst gegenübertrat.

"Falls du spielen willst, dann bist du hier an der falschen Adresse. Sonst habt ihr immer aneinander geklebt, dass es mich angewidert hat. Und jetzt redest du so’n Scheiß? Kimi, das ist nicht gut für dich." grinste Toshi, der anscheinend dahinter gekommen war.

Er ahnte Kim’s Schauspiel bereits.

Seine Gedanken waren dabei völlig von Kanae abgelenkt und doch stand er noch vor ihr.

"Ich spiele nicht." meinte Kim und setzte plötzlich ein kaltes Lächeln auf.

Man könnte meinen, man hätte es mit einer Fremden zu tun.

"Ich glaub das einfach nicht." schluchzte Kanae, die von Toshi weggerückt war und nun zwischen ihm und Kim stand.

"Kimi…" wimmerte sie wie ein kleines Kind und wollte Kim berühren.

Doch Kim schlug grob Kanae’s Hände von sich.

"Fass mich bloß nicht an." sagte sie - innerlich flehte sie Kanae um Verzeihung an.

Aber eigentlich hatte Kim mit ihrem "Schauspiel" ein völlig anderes Ziel…

"Ist das dein wahres Gesicht? Hast du meine Gutmütigkeit all die Jahre ausgenutzt? Bin ich dir all die Jahre nur ein Klotz am Bein gewesen? War ich dir nicht wichtig? Kim, was ist mit dir?" fragte Kanae mit tränenerstickter Stimme, die Kim fast schon das Herz zerriss. "Kimi!" wurde Kanae lauter und doch schien immer noch niemand dieses Szenario zu bemerken oder es wollte keiner bemerken.

"Du falsches Aas." lachte Toshi nur und schubste Kanae grob zur Seite. Er bewegte sich auf Kim zu, packte diese grob an den Schultern.

"Falsch? Ich?" fragte Kim sichtlich verwundert über Toshi’s Worte und doch spürte sie, wie sich die Schlinge um ihren Hals immer weiter zuschnürte, wie es ihr immer mehr die Luft raubte und sie zu ersticken drohte.

"Kimi, ich liebe dich doch. Ich habe dich schon immer sehr lieb gehabt. Ich weiß, dass du so etwas nie sagen würdest. Bitte hör auf. Bitte." heulte Kanae nun wie ein Schlosshund los und wollte zu Kim, als Toshi seine Hand ausholte und Kanae so kräftig schubste, dass sie eine der anderen Hostessen anrempelte. Erneut zerbrach Glas und es waren die Worte zu hören "Was soll denn das?".

In der Menge wurde das Gerede immer lauter und jeder hier schien sich nun endlich zu fragen, was da passiert.

Irgendetwas musste passieren…jetzt sofort.

Später ist es vielleicht zu spät dafür…

 

Währenddessen schien auch Kai, der immer noch am Tresen saß und eigentlich auf Kim wartete, etwas mitzubekommen, wenn er nicht plötzlich warme Hände in seinem Gesicht spürte. Als er sich umdrehte, sah Kai direkt in Miki’s Gesicht.

"Hi, Kleiner." sagte Miki lächelnd und streichelte dabei sanft Kai’s Wangen.

"H-hallo." stotterte Kai, der direkt einen Blick in Miki’s weiten Ausschnitt warf.

"Ich find dich niedlich." meinte Miki und lächelte wieder, ihre Hände wanderten dabei in Kai’s Nacken und Miki begann diesen zu streicheln - es sorgte bei Kai für Gänsehaut.

"A-ach so? S-sehr schön." stotterte Kai weiter. Er wusste gar nicht, wo ihm der Kopf stand. Miki verwirrte ihn wohl doch mehr, als erwartet und das, obwohl er sie nicht mochte. Aber selbst so etwas konnte sich rasend schnell ändern, wobei Miki nur versuchte, Kai abzulenken.

Sie würde ewig eine falsche und hinterlistige Schlange bleiben…

 

"Was ist denn da los?" fragte Reita, der aufgestanden war und dabei versuchte etwas zu erkennen. Aber sein Versuch war vergebens.

"Vielleicht kloppen sich da ein paar besoffene Opas." meinte Aoi teilnahmslos.

"Scheiß Alkohol." sagte Uruha dann und grinste.

"Ja, klar. Ich möchte nicht wissen, wie viel Wodka du schon intus hast." meinte Aoi und lachte auf. "Genug, schließlich mindert das den Gedanken an diesem Scheißabend." lächelte Uruha.

"So scheiße war er doch gar nicht." erwiderte Reita, der immer noch stand und es Aoi ziemlich auf die Nerven ging. Er zog an seiner weiten Hose aus weißem Stoff.

"Halt die Klappe und setzt dich wieder hin. Dein blödes Gestehe geht mir auf’n Sack.".

"So was hast du?" grinste Reita frech in Aoi’s Gesicht - auf Reita hinterließ der 26jährige einen irgendwie müde wirkenden Eindruck.

"Pass auf, was du sagst, Kleiner." meinte Aoi.

Uruha hingegen stöhnte nur genervt.

"Könntet ihr bitte still sein?! Euer blödes Gelaber nervt." zischte Uruha dann, als plötzlich jemand laut rief "Holt jemand einen Arzt?".

Einen Arzt?

Wer weiß, was passiert ist - ja, den Gedanken hatte Uruha wohl als erstes. Und plötzlich nahm er laut die Stimme von Kanae war und wie sie laut "Kim" sagte.

"Kim?" murmelte er und zog die Blicke von Aoi und Reita auf sich.

"Sie ist nicht hier." meinte Aoi und sah, dass Uruha nur seinen Kopf schüttelte.

"Das ist es nicht. Ich habe mir gerade eingebildet, ihren Namen gehört zu haben." erklärte er und fuhr sich mit beiden Händen übers Gesicht.

Erneut war wieder dieser Name zu hören und nun vernahmen selbst Aoi und Reita ihnen.

"Du, Uruha, ich glaube, da stimmt etwas nicht. Ruki ist auch immer noch nicht da." sagte Aoi dann, der wie Reita aufgestanden war.

Und wie Recht er damit hatte.

"Ich geh da jetzt hin. Mir egal, wenn Ruki nichts mitbekommt." meinte Uruha, der ruckartig aufgestanden und in die Menge gestürmt war - dabei hatte er sein Glas umgeworfen. Doch weder Reita noch Aoi interessierte es in diesem Moment. Auch sie bewegten sich auf die Menge zu, in der sie anschließend verschwanden

 

"Wir gehen jetzt." hatte Toshi zu Kim gesagt, nachdem er ihr vor Kanae erneut eine Ohrfeige verpasste und irgendwie schmerzte dieser Anblick immer mehr in Kanae’s Brust. Doch sie erkannte ihren Hoffnungsschimmer, als sie Uruha erblickte.

Wie gejagt kam sie auf ihn zu und hatte Uruha auch schon an beiden Hemdärmeln gezerrt. Auch diese waren jetzt blutig.

"Du musst Kim helfen." schluchzte Kanae und sah ihn nur flehend an.

"Uruha…bitte" wimmerte sie dann und wurde dann auch schon von ihm zur Seite geschoben.

"Was ist denn passiert?" fragte Reita, der plötzlich neben Kanae stand. Sie antwortete nicht, sondern weinte einfach.

"Kanae, deine Hände bluten ja?!" erschrak Reita dann und zerrte Kanae neben sich. Auch Aoi hatte die beiden entdeckt, nachdem er Reita aus den Augen verloren hatte.

"Massenansammlung? Was ist das für’ne Visage, die da Kim bedrängt?". Aoi stellte in diesen Moment viel zu viele Fragen auf einmal.

"Aoi, sieh dir das an." forderte Reita und deutete auf Kanae’s Hände - das Blut war frisch angetrocknet und sah jetzt irgendwie bräunlich aus.

"Uruha, mach was." flehte Kanae nochmals, als dieser sich umdrehte, nachdem er dieses Szenario einen Moment lang beobachtet hatte. Ihm erschien es völlig unrealistisch.

"Uruha, es geht um dein Mädchen. Hör doch wenigstens einmal auf, wegen jedem Scheiß nachtragend zu sein." meinte Aoi. Reita hielt sich raus und nickte trotzdem.

"Tu es für Kim." sagte Aoi dann.

Im selben Moment knallten bei dem Anblick von Toshi alle Sicherungen im Kopf von Uruha durch. Ohne weiter zu zögern kam er nun auf Toshi zu, alle konnten es sehen - Kim hatte Uruha nur erschrocken angesehen, als sie ihn erblickte und dabei liefen ihr unaufhaltsam Tränen über die glühenden Wangen.

Sie weinte nicht, weil ihre Wangen schmerzten.

Sie weinte, weil Uruha hier war und Toshi von ihr losriss. Weil er da war.

"Nimm die Pfoten von meinem Mädchen!" zischte Uruha und stellte sich schützend vor Kim, nachdem er sie aus Toshi’s Fängen befreit hatte.

Irgendwie sah dieses Bild amüsant aus, weil Toshi um einiges kleiner als Uruha war.

Toshi lachte "Was bist du denn für’ne Schwuchtel? Der neue Lover von Kim? Wie süß, sie steht wohl doch mehr auf Weicheier.".

Wie es schien wollte Toshi Uruha provozieren, doch seine Worten prallten eiskalt an ihm ab. Währenddessen hatte Kanae sich von Aoi und Reita abgelöst und hatte Kim dann aus dem Treiben gezogen. Und plötzlich ergab sich ein erschreckendes Bild für beide Mädchen und Uruha spürte nur den heftigen Schmerz in seinem Gesicht, nachdem er Toshi’s Faust zu spüren bekam. Uruha’s Schläfen pochten, seine Lippen brannten und warmes Blut lief von seiner rechten Unterlippe herab, tropfte ihm vom Kinn. Es war irgendwie grausam, es fühlte sich grausam an und ohne es selbst begreifen zu wollen, hatte Uruha nun auch Toshi seine rechte Faust zu spüren gekriegt und ein knackendes Geräusch ertönte dabei. Und Toshi sah nun so aus, als hätte er nicht nur einmal Uruha’s Faust zu spüren gekriegt.

Ihm schmerzte die Nase und sie fühlte sich unglaublich taub an, als würde sie jeden Moment abfallen. Toshi schmeckte deutlich das bittersüße Blut auf seiner Zunge, auf die er bis ins Fleisch gebissen hatte. Er spürte auch deutlich das warme Blut von seinem Kinn herabtropfen - es hinterließ wirklich hässliche Flecken auf seinem beigefarbenen T-Shirt.

Doch so schnell Toshi überhaupt etwas erwidern konnte, so hatte Uruha ihn schon am Kragen gepackt und an sich herangezogen. Sein Blick könnte glatt dem eines Mörders gehören. "Fass Kim noch ein Mal an und ich bring dich um!" drohte Uruha ihm an und stieß Toshi angewidert von sich. Im selben Moment kam auch schon Pierre und sah die beiden Männer völlig verärgert an.

"Was soll das? Wenn ihr euch prügeln wollt, tut das bitte draußen und nicht in meinem Club." zischte Pierre, bis Kim plötzlich vor ihm stand - sie war völlig aufgelöst und das bewies Pierre nur, dass irgendetwas nicht stimmen konnte.

Er kannte Kim’s Probleme, doch glaubte er nie wirklich, dass es wohl so schlimm sein konnte. "Es ist meine Schuld, Pierre." sagte Kim und erklärte diesem Mann darauf, was und wie es passiert war - natürlich hatte Pierre sich nicht davor gescheut, Toshi vom Sicherheitsdienst rauswerfen zu lassen und ihm Hausverbot zu geben. Miki war seither auch verschwunden, nachdem sie Kai ausgiebig bezirzt hatte und er dann einfach vom Tresen verschwand - es war zu viel und es störte Kai gewaltig.

Aber kurze Zeit darauf kehrte nun wieder etwas Ruhe ins "Golden Gate" und Kanae hatte Uruha zum Treppenaufgang, welcher in die Pension führte, gebracht.

Beide saßen sie nun da und verpflegten gegenseitig ihre Wunden.

"Was war das für ein Kerl?" fragte Uruha, während er vorsichtig mit einer Splitterpinzette, die er von Kim aus dem erste Hilfekasten bekommen hatte, die Glassplitter aus Kanae’s Hand entfernte.

"Ein Monster." sagte Kanae und beobachtete Uruha - wieder war da dieses seltsame Gefühl, welches sie beim letzten Mal so verwirrt hatte. Doch dieses Mal war es nicht so schlimm, da das Gefühl um Kim Angst haben zu müssen viel stärker war.

"Damals war er völlig anders. Toshi hatte Kim regelrecht auf Rosen gebettet, aber irgendwie lief dann doch alles schief und aus war der Traum von der großen Liebe." fuhr Kanae fort und reichte Uruha die andere Hand, nachdem Uruha die linke verbunden hatte, weil kein Pflaster ausreichte. Irgendwie schmerzte diese Hand aber mehr, doch das war egal. Sie achtete nicht auf den Schmerz in ihren Händen oder ihrem Rücken, denn der Schmerz in ihrem Herzen war weitaus schlimmer - aber Kanae versuchte es zu verdrängen, irgendwie hatte sie das Gefühl, dass es jetzt nicht hier herpasste. Kim war wichtiger, für Uruha sollte es wichtiger sein.

Warum sollte Kanae ihm auch erzählen, was mit Ruki vorgefallen war?

Doch das war völliger Quatsch, auch ihm konnte sie es erzählen - wenn sie wollte.

"Also ihr Freund?" fragte Uruha nur wieder und brachte Kanae, die durch Uruha’s Stimme aus den Gedanken gerissen wurde, zum Seufzen.

"Nenn ihn wie du willst, für mich ist und bleibt er ein Monster" antwortete sie und zog nach den darauf folgenden Minuten ihre Hand zurück, nachdem Uruha diese nun auch verbunden hatte. Doch dann nahm Kanae sein Gesicht zwischen ihre Hände und sah Uruha wieder mit diesem flehenden Blick an.

"Du musst Kim helfen, sonst wird er sie eines Tages umbringen. Alleine schaffe ich das nicht mehr." sagte Kanae und ihre Stimme klang dabei so, als würde sie gleich wieder in Tränen ausbrechen - aber das was sie sagte, dass sie es nicht mehr alleine schaffen würde, war falsch. Kanae hatte Kim schon viel mehr geholfen, als sie es selbst wahrnehmen konnte.

"Ich will Kim nicht verlieren, nicht wegen diesem Monster. Sie ist alles für mich und wenn sie nicht mehr wäre…Ich will das nicht. Bitte hilf ihr…ich weiß, dass du das kannst, Uruha." flehte Kanae nun und ihr rannen bereits einige Tränen über die roten Wangen.

"Ich kann nicht sagen, ob ich wirklich fähig dazu bin." sagte Uruha nur leise und streifte vorsichtig Kanae’s Hände von seinen Wangen. Sofort hatte Kanae ihm einen mit Wodka getränkten Wattebausch gereicht.

"Desinfiziere deinen Mund damit." meinte Kanae und wimmerte dann.

Verzweifelt versuchte sie sich die Tränen aus dem Gesicht zu wischen.

"Du liebst Kim doch, oder etwa nicht? Dann musst du ihr helfen…du hast doch gesehen, dass ihr Leben nicht einfach ist." schluchzte Kanae dann und warf sich die Hände vors Gesicht. Doch Uruha gab nichts darauf - er war verwirrt. Alles verwirrte ihn plötzlich, denn er sollte etwas tun, wovon er nicht einmal sagen konnte, dass er zu so etwas überhaupt in der Lage war. Aber vielmehr war er enttäuscht, denn er glaubte langsam, dass Kim ihm wohl nicht vertraute.

Wieso kam sie nicht einfach zu ihm, wenn sie Hilfe brauchte?

Wieso hatte sie ihm nie die Wahrheit gesagt?

"Ich weiß es nicht." sagte Uruha nur wieder und sah Kanae an - sie war völlig in Tränen aufgelöst und er erkannte nun doch, dass Kim Kanae wohl sehr wichtig war.

Vermutlich würde nicht einmal Ruki drüber kommen, auch wenn Kanae ihn noch so sehr liebte. Uruha liebte Kim auch, doch er hatte vor so vielem Angst - er hatte dabei das Gefühl, irre zu werden. Es war irre und doch war es nicht unreal.

"Wenn es so schlimm ist, wieso hat Kim ihn noch nicht angezeigt?" hatte Uruha plötzlich gefragt und in Kanae’s Ohren klang es so, als wäre diese Frage etwas völlig Neues für sie - doch Kanae hörte diese Frage oft genug von irgendwelchen Leuten, die von dieser Sache wussten. "Weil sie Angst hat." antwortete Kanae bloß und wischte sich erneut die Tränen aus dem Gesicht. "Der Typ ist irre und würde Kim ihn anzeigen, dann würde er ihr das Leben zur Hölle machen….mehr als er es jetzt schon tut. Er lässt sich nicht einsperren, von niemanden. Ich habe das alles doch schon selbst miterlebt, ich weiß auch wie sich so etwas anfühlt." in Kanae klafften erneut die Wunden ihrer Vergangenheit - denn sie kam dem Leben von Kim in gewisser Weise nahe.

"Hat er dich etwa auch geschlagen?" hatte Uruha vorsichtig gefragt, worauf Kanae nur lächelnd ihren Kopf geschüttelt hatte und als wenn sie von irgendetwas gesteuert wurde, hatte sie ihm das erzählt, was bisher nur Aoi und Kim wussten. Es waren die Dinge aus ihrer Vergangenheit und Uruha durchfuhr das Gefühl, als würde sich diese Geschichte wie ein Film vor seinen Augen abspielen.

Aoi reagierte damals ähnlich, doch seitdem existierte in ihm das Gefühl, Kanae unbedingt beschützen zu müssen - er sah in ihr eine kleine Schwester und er liebte sie auch wie eine.

Doch warum hatte es Kanae Ruki nie erzählt?

Der Gedanke auf Ablehnung zu stoßen war zu groß.

Die Angst davor, war zu schmerzhaft.

Kanae wollte es verdrängen - doch die alten Wunden rissen mit diesem Abend wieder auf und es brauchte einige Zeit, bis diese wieder heilen würden.

Vielleicht mit viel Liebe.

Vielleicht durch einen Menschen, der immer für sie da ist.

 

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update: 18-Feb-2008  
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