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S > 23

Die Zeit musste arbeiten.

Doch würden diese klaffenden Wunden wirklich so wieder heilen können?

Und würden irgendwann die frischen Wunden in Uruha’s Herzen verheilen?

Er wusste nun alles, nicht nur Kanae’s sondern auch Kim’s Vergangenheit…

 

23

 

"Wo bleibt Kimi? Wie geht es ihr?" hatte Kai sofort gefragt, als Kanae zusammen mit Uruha zu den anderen zurückkamen und mittlerweile war auch Ruki wieder anwesend.

Er musterte Kanae nur, als sie dicht neben Uruha stand, er wunderte sich über ihre verbundenen Hände und dennoch wagte er es nicht danach zu fragen, was passiert war.

"Sie ist beim Chef." meinte Kanae nur.

Im selben Augenblick stand dann ein älterer Mann neben ihr. Wer war er?

Es war ein Mann, der vielleicht gerade sein 45. Lebensjahr hinter sich gebracht hatte, obwohl er auch nicht wirklich alt aussah.

"Na Jungs, wie sieht’s aus?" fragte er und richtete danach seinen Blick auf Uruha.

Und ohne ein weiteres Wort kam dieser Mann auf Uruha zu und packte diesen an den Schultern.

"Alles Gute zum Geburtstag, Junge." meinte der Mann und grinste, brachte auch Uruha dazu, beschämt zu lächeln.

"Danke." sagte er leise und sah dabei in alle erdenklichen Richtungen.

Wie sich später herausstellte, war dieser Mann der Manager von Gazette - auch wenn er vielleicht einen ernsten Eindruck hinterließ, so war er doch wie ein Vater zu ihnen.

Es war schon verrückt, wie es so etwas geben konnte, aber es war auch nicht selten.

"Ruki, wann geht’s los?" fragte der Manager und sah Ruki von seinem Platz aus an. Ruki grinste bloß und ließ dabei seinen Blick durch die Menschenmenge wandern.

"Wenn das zweite Geburtstagskind eingetroffen ist." sagte Ruki und dann kam Kim auch schon. Kai sprang auf und stürmte zu Kim, die er sofort an den Schultern gepackt hatte.

Er tat schon regelrecht so, als wäre Kim gerade noch so vor dem Tod entkommen. Natürlich beobachtete der Manager und die anderen, insbesondere Uruha der einen leicht eifersüchtigen Eindruck hinterließ, amüsant und lachten - es sah schon irgendwie niedlich aus.

"Kimi, alles in Ordnung? Tut dir irgendetwas weh?".

Kai schien Kim wohl Löcher in den Bauch fragen zu wollen und obwohl Kim sich beruhigt hatte und es ihr wieder besser ging, hatte sie weniger das Bedürfnis, auf irgendwelche Fragen antworten zu müssen.

Es war ihr so oder so schon wieder alles zu viel, doch für Kai tat sie es gern.

"Mir geht es gut." sagte sie nur und lief an Kai vorbei zu den anderen.

"Wirklich?" fragte Kai wieder und Kim musste plötzlich lachen, obwohl eigentlich nichts zum Lachen war - doch sie hatte zuvor schon genug geweint und nun sollte es reichen.

"Ja." sagte Kim und erblickte nun den Manager der Jungs, vor dem sich Kim höflich verbeugt hatte und sich dann neben Uruha niederließ. Sofort raste Kim’s Herz und auch bei Uruha schien es nicht anders zu sein. Er sah sie von der Seite an, sah nun auch ihre blauen Flecken und nun war er sich selbst umso mehr bewusst, dass Kim wohl doch Hilfe brauchte - Hilfe die Kanae ihr nicht alleine geben konnte. Es war komisch.

"Jetzt lasst uns das Haus rocken." plärrte Ruki dann los und stand auf. Aoi, Reita und Kai folgten seinem Beispiel und trotteten zu dem roten Vorhang, welcher die eigentliche Tanzfläche verdeckte. Das Licht wurde gedämpft und es wurde mit einem Mal still - nur die Schritte und das laute Lachen der Jungs hinterm Vorhang war wahrzunehmen.

Man hörte Ruki räuspern, doch der Vorhang öffnete sich immer noch nicht und plötzlich ertönte ein unangenehmes Geräusch vom Mikro und es bereitete wohl jedem hier Anwesenden Gänsehaut - Gänsehaut, die so schnell nicht wieder verschwinden wollte. Dann trat auch schon Ruki hinter dem Vorhang hervor und das grelle Licht des Scheinwerfers strahlte genau in sein Gesicht. Obwohl Ruki die Aufregung vor einen Auftritt gut genug kannte, so kam es ihm dieses Mal so fremd vor - ja, als würde er das erste Mal vor vielen Menschen auftreten.

Sein Herz klopfte stark und sein Blick wanderte nervös durch die Menschenmenge und sah auch die erwartungsvollen Blicke der Leute - bis Ruki’s Blick bei Uruha und Kim hängen blieb, unauffällig hatte er auch Kanae angesehen, die jedoch mit gesenktem Kopf zwischen dem Manager und Uruha saß. Ruki räusperte.

"Also…" ertönte es und für Kanae, und auch für Kim klang Ruki’s Stimme durchs Mikro so unglaublich fremd.

Aber dieses Gefühl legte sich rasch wieder, als Ruki’s Stimme noch einmal ertönte.

"Ich versuche mich kurz zu halten…Gestern und heute, das waren zwei besondere Tage. Wahrscheinlich für den einen mehr und für den anderen weniger. Doch für uns waren sie besonders, denn gäbe es diese beiden Tage nicht, so gäbe es diese zwei Menschen nicht. Sie wurden an diesen Tagen geboren und auch wenn uns nicht wirklich die Möglichkeit gegeben wurde, ihnen alles Gute zu wünschen, so möchten wir es mit diesen Lied tun.

Es richtet sich natürlich an unseren Uruha und Kimi und wir haben es kurz und knapp einfach ´like´ genannt." erklärte Ruki - doch irgendwie war es ihm überhaupt nicht gelungen, sich kurz zu halten. Uruha hingegen fühlte sich verarscht.

Was sollte das denn auf einmal?

Hatte Ruki etwa einen Auftritt ohne Uruha geplant?

Irgendwie war es nicht fair, doch selbst sein Manager grinste und schüttelte dabei seinen Kopf. "Was soll das denn werden?" hatte Kanae gefragt und sah Uruha nur mit den Schultern zucken. Keiner von den dreien schien eine Ahnung von dem zu haben, was Ruki und die anderen vorhatten - dabei war es nur eine Geburtstagsüberraschung für Uruha und Kim, wie Ruki es erklärt hatte.

Richtige Geschenke würde es dann später geben.

Plötzlich ging das Licht aus und alles wurde mit einem Mal stockdunkel. Man hörte Ruki, der wieder hinterm Vorhang verschwunden war, ins Mikro flüstern

"I should like to know…" und dann ging der Vorhang auf, die Jungs fingen an zu spielen während Ruki begonnen hatte, sich hinter einem Klavier auszulassen und nebenbei gefühlvoll sang - dabei hörte man deutlich heraus, das Ruki gut der englischen Sprache mächtig war. Wer die Musik von Gazette kannte, der wusste auch, dass Ruki’s Englisch damals noch miserabel war. Doch das war eher ein unwichtiger Punkt an diesem Abend.

Man konnte in der Menge das Flackern von Feuerzeugflammen sehen, welche sich langsam hin- und herbewegten. Dieses Lied für Uruha und Kim war sehr gefühlsbetont und es rührte wohl jeden, wenn man genau hinhören und auch auf den Text achten würde. Die Jungs hatten sich sehr viel Mühe gegeben, das erkannte jeder. Selbst Kanae trieb es Tränen in die Augen, denn irgendwie hatte sie sich in diesem Lied verfangen - ein Lied, in dem es nicht nur um Liebe ging.

Kim erging es ähnlich, noch nie hatte sie so etwas gehört und dabei hatte sie schon viel gehört. Und Uruha, Uruha war erstaunt und gleichzeitig berührt. Ihm war es nie in den Kopf gekommen, dass Ruki zusammen mit Aoi, Reita und Kai so etwas zustande kriegen würden. Vielleicht war er aber auch nur den Anblick nicht gewöhnt, nicht mit auf der Bühne zu stehen. Als Kanae ein Zellstofftaschentuch vom Manager der Jungs bekommen hatte, so griff Uruha nach Kim’s Hand - im ersten Moment zuckte Kim zusammen, doch war da dieses Gefühl von Uruha’s angenehmer Nähe und bereitete Kim ein sanftes Lächeln auf die Lippen.

Er war da.

Er war da, als Toshi ihr wehgetan hatte.

Er war da und das war wichtig.

Doch würde Uruha immer da sein können?

Würde es immer so bleiben, auch in nächster Zeit?

"Es tut mir leid." sagte Uruha, der sich mit seinem Gesicht ihrem näherte, sodass sie ihn besser hören konnte.

Wieder stiegen Kim Tränen in die Augen. Sie sah ihn an. "Das brauch es nicht, wirklich." hatte sie mit zitternden Lippen erwidert. "Danke…" hatte sie dann gequält lächelnd gesagt. Sie sah auf ihre Knie, um ihn nicht ansehen zu müssen und um nicht noch weicher zu werden. Und sie sah, dass sie wohl einen Glassplitter abbekommen haben musste, denn ihr linkes Knie blutete etwas. Aber bevor sie diese Feststellung äußern konnte, hatte Uruha auch schon ein Zellstofftaschentuch in den Händen, welches er in seinem halbleeren Wodkaglas tränkte und ihr auf die Wunde legte. Es brannte etwas.

"Kein Problem. Ich musste auch genug dafür einstecken." sagte er in einem eher herabgesetztem Ton. Aber bevor Kim sich darüber aufregen konnte, spürte sie auch schon Uruha`s Lippen auf ihrem Mund. Sie waren kalt, feucht und schmeckten nach Wodka.

"Aber ich habe es getan, weil du so ein scheiß Leben nicht verdient hast. Ich habe eine Möglichkeit gesehen, mich daran auszulassen, dass du mir die ganze Zeit eine Menge verschwiegen hast. Ich habe es für Kanae getan. Ich habe es getan, weil sie dich über alles liebt. Und ich habe es für dich getan." sagte er dann.

"Aber du hast es nicht getan, weil du vielleicht…" begann sie zu stammeln, bevor dann auch die Musik verstummte

"You are the one." ertönte es und der Raum wurde wieder so erhellt, wie es zuvor war.

Der Saal wurde mit Applaus, Gepfeife und lautem Jubel erfüllt. Und Kim`s Worte gingen in dieser Lautstärke unter. Wie es schien, schien das Geburtstagsgeschenk für Uruha und Kim gut angekommen zu sein.

"Danke!" hatte Ruki gesagt und der Vorhang schloss sich wieder. Nach einiger Zeit kamen die vier dann zu ihrem Tisch zurück, als dann auch schon die ersten Anfragen für Autogramme oder diversen Fotos, für die die Jungs posieren sollten. Doch sie wollten weder das eine, noch das andere und auch wenn es schwer fiel, so ließen es die vielleicht neu gewonnenen Fans auch.

Mittlerweile hatte sich auch der Manager verabschiedet mit den Worten "Wir sehen uns am Samstag im Studio und bringt die beiden Mädels mit, die sorgen sicher für frischen Wind.".

Bald würden sich die Zeiten wieder ändern und man würde sich weniger sehen - schließlich standen noch die Aufnahmen für das neue Album "GAMA" an und mussten erledigt werden. Photoshootings und Interviews mussten erledigt werden - das würde sicherlich Stress bedeuten, denn seit der Pause war viel Zeit vergangen, die die Jungs nun wieder herausholen mussten.

"Und nun? Irgendwer muss uns nach Hause fahren…" gähnte Reita, der seinen Kopf auf Aoi’s linker Schulter sinken ließ.

"Ich bin müde…" murmelte Reita dann - ihm fielen schon fast die Augen zu, obwohl er nicht viel getrunken hatte, doch die Wärme trug einiges dazu bei.

"Ich kann euch fahren und Kanae auch. Ihr seid doch mit einem Auto hier, oder?" hatte Kim gefragt und drückte Uruha’s Hand dabei fester in ihre. Sie sah Uruha auch dabei an und er nickte nur schweigend, bis er plötzlich aufstand und zur Männertoilette steuerte.

"Er muss sicher kotzen." grinste Ruki, der sich eine Zigarette angezündet hatte.

"Er muss hundert prozentig kotzen." sagte Kai und folgte Ruki’s Beispiel.

"Ich geh gucken." meinte Reita und schlurfte ebenfalls zur Männertoilette. Währenddessen beschäftigte Kanae sich mit Kim. Sie machte ein trauriges Gesicht, was natürlich nicht verwunderlich war nach dieser Aktion. Kanae fühlte sich auch nicht wohl in ihrer Haut, doch sie dachte immer zuerst an Kim, bevor sie an sich dachte.

"Alles in Ordnung?" fragte Kanae vorsichtig und rückte näher an Kim heran.

Kim lächelte und nickte dabei. "Mir geht es gut. Wie geht es deinen Händen? Sind alle Splitter raus?" entgegnete Kim nur und sah dann Kanae’s ernsten Gesichtsausdruck.

"Warum nur lügst du mich immer wieder an? Ich weiß doch, dass es dir nicht so gut geht, wie du es behauptest. Ich kenne dich gut genug, Kim." meinte Kanae und senkte ihren Kopf, spürte dabei, wie Kim nach ihrer rechten Hand griff.

"Es ist wirklich alles in Ordnung." sagte Kim.

"Na gut, wie du meinst. Aber du solltest wissen, dass ich vorhin deinen Worten fast wirklich geglaubt hätte." meinte Kanae dann - noch immer hatte sie das schmerzende Gefühl dieser Wort in ihrer Brust und es drückte immens.

Als Kim das hörte, lächelte sie und schüttelte dabei ihren Kopf.

"Nein, das war alles gelogen. Ich wollte Toshi einen Bären aufbinden und dich wollte ich darzubringen, dass du endlich irgendjemanden holst. Aber beides ging nach hinten los." seufzte Kim dann und drückte ihren Rücken dabei fester gegen die Rückenpolster.

"Aber es ist Gott sei dank noch mal alles gut gegangen und darüber bin ich wirklich froh. Ich wüsste nicht, was ich getan hätte, wenn es anders gelaufen wäre." erkläret Kanae dann und hielt einen Moment lang inne, bevor sie weitere redetet.

"Was hat Pierre noch dazu gesagt?" fragte sie anschließend und sah Kim abwartend an.

"Pierre hat mich vorerst freigestellt, falls Toshi doch versuchen sollte, wieder auftauchen. Er ruft mich an, sobald wieder alles in Ordnung gekommen ist. Solange musst du wohl ohne mich hierher." versuchte Kim zu erklären und sah Kanae nur nicken.

"Ich versteh schon." sagte Kanae tonlos und stand plötzlich auf.

Vielleicht machte es ja den Eindruck, als wäre sie beleidigt. Doch dem war überhaupt nicht so - Kanae wollte jetzt nur etwas für sich sein und genau das tun, was sie eigentlich immer hasste. Kanae rauchte immer dann, wenn Kim nicht da war. Sie empfand es selbst als unästhetisch, doch sie tat es trotzdem. Es war wie der Teufel der seine Opfer verführte.

Kanae stand unter dem Dach der Treppe des Hintereinganges. Dort standen Mülltonnen und auch Müllsäcke. Man hörte das Geschrei von Katzen - zusätzlich hatte es angefangen zu regnen und das Prasseln des Regens schien unaufhörlich.

Doch Kanae ließ sich nicht davon abbringen zu rauchen.

Aber was würde sie tun, wenn sie von Kim erwischt werden würde?

Sie würde ihr die Dinge so sagen, wie sie sind.

"Am besten ich bleibe für mein restliches Leben Single…" murmelte Kanae leise vor sich hin und pustete dabei den Rauch ihrer Zigarette aus. Sie war irgendwie enttäuscht von sich selbst und doch war sie der Meinung alt genug zu sein, um ihre Entscheidungen alleine treffen zu können. Und im Moment war Kanae sowieso alles egal.

"Deine Mutter arbeitet tagsüber in einer kleinen Drogerie als Verkäuferin und verwandelt sich in den Abendstunden in eine drogenabhängige Nutte, deine Schwester ahmt es ihr nach. Und dein Vater? Dein Vater ist ein arbeitsloser Säufer, der vom Verdienst deiner Mutter lebt und zu regelmäßigen Schäferstündlein zu deiner älteren Schwester geht. Doch was ist mit dir, der jüngsten Tochter? Du hast fleißig für die Aufnahmeprüfung zur Oberschule gepaukt und arbeitest nun als Hostess, schlägst dir die Nächte um die Ohren und verlierst damit genau das, was du liebst. Dann rauchst du auch noch heimlich…Hast du denn nicht schon genug Dummheiten angestellt?" ertönte es plötzlich hinter Kanae, welche sich erschrocken umdrehte und in Aoi’s schläfrig wirkendes Gesicht blickte.

Natürlich kannte er ihre Geschichte, nur die Art, wie er es eben rüberbrachte, war einfach nur grässlich - fast so, als wolle er sich darüber lustig machen, wo er doch damals so bestürzt darüber reagierte und das alles gar nicht glauben wollte.

"Was ich meine ist, dass es echt scheiße aussieht, wie du da stehst." meinte Aoi und wollte Kanae die Zigarette wegnehmen.

"Das ist mir egal. Ich rauche, ja und? Was ist denn dabei? Ich bin alt genug und weiß selbst, was gut oder schlecht für mich ist." zischte Kanae nur - ihr eigener Ton kam Kanae dabei vollkommen fremd vor.

Sie ließ nie jemanden ihre Launen spüren, zumindest nicht auf diese Art und Weise.

"Das Gefühl habe ich allerdings nicht. In meinen Augen bist du ein kleines Mädchen, das überhaupt nicht weiß, was nun richtig oder falsch ist. Du hast heute schon genug falsch gemacht und das weißt du." meinte Aoi und hörte Kanae nur höhnisch lachen.

"Schön, wie du über mich denkst. Tun das die anderen auch?" fragte sie dann und warf Aoi abwartende Blicke zu, während sie an ihrer Zigarette zog.

Irgendwie widerte dieser Anblick ihn an - weil er es nicht gewöhnt war und es zum aller ersten Mal sah. Außerdem hasste er es, wenn hübsche Mädchen rauchten.

"Ich weiß es nicht." meinte Aoi nur und warf einen kurzen Blick in den Himmel und ohne dabei Regentropfen in sein Gesicht zu kriegen.

Warum konnte der Regen denn nicht einfach alles wegwaschen?

"Trotzdem sieht es scheiße aus." fügte Aoi dann hinzu. Kanae jedoch lachte nur gespielt. Ihr gefiel diese Art und Weise nicht, wie er gerade mit ihr umging, dabei wollte er nichts Böses. Aoi machte sich schließlich auch nur Gedanken - wie schon seit geraumer Zeit.

Es war ihm selbst unheimlich genug und er versuchte es zu verdrängen.

Doch jedes Mal, wenn er Kanae sah, dann waren diese Gedanken wieder da.

"Hör auf mich zu bemuttern. Dir kann es doch egal sein, was ich zu tun und zu lassen habe." fuhr Kanae ihn wieder an.

Aoi war es aber keineswegs egal. Ihm war überhaupt nichts egal und umso mehr störte ihn Kanae’s plötzliches Verhalten - es lag auch garantiert nicht an den Worten, mit denen Aoi sie überrascht hatte. Er wusste, dass Ruki Kanae den Laufpass gegeben hatte, schließlich hatte er es ihm eben auf der Toilette erzählt. Aoi wusste auch, dass Ruki es bereute und Angst davor hatte, sich Kanae wieder zu nähern - seine Worte hatten sie verletzt, das glaubte Ruki. Doch Kanae verletzte nur die Tatsache, dass Ruki, ohne je ein Wort von Liebe in den Mund genommen zu haben, sie einfach aufgab - und nur wegen eines dummen Fehlers.

"Mir ist es aber nicht egal, verdammt!" zischte Aoi nun und drückte Kanae mit den Rücken gegen die Wand.

"Ruki würde in Ohnmacht fallen, wenn er dich so sehen würde. Als wenn das heute Abend für ihn nicht schon schlimm genug war. Weißt du überhaupt, was du ihm damit angetan hast? Weißt du überhaupt, was du dir antust?" fuhr Aoi fort und sah in Kanae’s erschrockenes Gesicht. Ja, Aoi verteidigte Ruki deutlich.

"Er hat es dir gesagt, nicht?" hatte Kanae nun mit gesenktem Kopf gefragt, warf dabei ihre glimmende Zigarette in den Regen.

"Wahrscheinlich ist es auch besser so." fuhr sie leise fort und begann zu wimmern.

Der plötzliche Schmerz in ihrer Brust schien ihr Herz in Fetzen reißen zu wollen.

"Er liebt dich und ihr tut euch gegenseitig weh. Erinnerst du dich noch an das, was ich dir damals gesagt habe? Weißt du das noch?" entgegnete Aoi und nahm nun vorsichtig Kanae’s Gesicht zwischen seine Hände. Kanae nickte.

"Ja, aber…Ich kann es jetzt nicht mehr ändern. Er ist enttäuscht von mir, weil ich ihm wahrscheinlich zu wenig vertraue und das werde ich so schnell nicht wieder ins Lot bringen können.".

" Nie wieder…" meinte sie dann.

"Ihr habt euch gegenseitig wehgetan. Ihr benehmt euch wie Teenager, dabei solltet ihr langsam aus diesem Alter raus sein." erwiderte Aoi und strich vorsichtig dabei über Kanae’s nass geweinte Wangen.

"Ich habe doch gesagt, ihr sollt euch nicht wehtun. Ihr seid dumm, ihr beide seid verdammt dumm." sagte er dabei und drückte Kanae dann an sich heran.

Ihm tat es irgendwie schon wieder leid, dass er sie angefahren hatte - doch anders schien Kanae es nicht verstehen zu wollen.

Er wusste, wie traurig sie wegen Ruki war, er schob auch das Rauchen darauf.

Doch auch er hatte einen kleinen Fehler gemacht - Aoi hätte wohl viel früher damit anfangen sollen, Ruki den Kopf zu waschen und es nicht erst heute tun sollen.

Aber selbst dies schien wohl umsonst gewesen zu sein, denn Ruki hatte Kanae aufgegeben. Und irgendwie kam es Aoi so vor, als würde er sich schon wieder zu viele Gedanken machen.

"Was soll ich denn jetzt machen?" hatte Kanae dann nur gefragt, doch Aoi hatte sie nur schweigend angesehen.

Währenddessen saßen die anderen da und warteten lediglich auf Kanae und Aoi, bevor sie endlich nach Hause konnten. Reita war müde und schlief fast ein, während Ruki vor sich hinstarrte und Kai sich mit Uruha unterhielt. Kim schwieg nur und beobachtete die Menschenmenge, die immer mehr abnahm und auch vom vorigen Ereignis kein weiteres Wort verlor. Viele der Leute, vor allem die männlichen Kunden, kamen persönlich bei Kim vorbei und verabschiedeten sich von ihr. Uruha beobachtete es und dachte sich lediglich seinen Teil - ändern konnte er nichts daran, es war halt Kim’s Job und als wenn das nicht schon schlimm genug war. Trotz alle dem wünschte sich Uruha nichts lieber, dass Kim vielleicht als eine Verkäuferin in einem kleinen Supermarkt oder in einem Blumenladen arbeiten würde. Aber es war nur ein Wunsch, der rasch von der Realität eingeholt wurde.

"Ich will endlich nach Hause. Können wir nicht schon mal losfahren?" quengelte Reita fast wie ein kleines Kind und gähnte. Ruki grinste unverschämt und kniff Reita in den linken Oberarm. Erschrocken zuckte Reita auf seinem Platz zusammen und brachte mit dem Ausdruck in seinem Gesicht die anderen zum Lachen.

Wenn doch alles nur so unbeschwert wäre.

"Geh doch deinen Herzallerliebsten suchen. Er muss irgendwo mit Kanae rumhängen. Und wenn du die beiden gefunden hast, dann schleif sie hier her." meinte Ruki.

"Schließlich wollen wir auch langsam nach Hause, ne, Kimi?" hatte Kai hinzugefügt und sah allerdings Kim an, die jedoch nur teilnahmslos nickte und mit einem leisem "Ja" antwortete.

Sie wurde von einem Gefühl geplagt, welches dem von Schuldgefühlen ähnlich kam.

Kim wollte sich bei Uruha entschuldigen und gleichzeitig bedanken. Sie wollte sich dafür entschuldigen, dass sie ihm kaum etwas von sich erzählt hatte. Doch gleichzeitig wollte sie sich bei Uruha dafür bedanken, dass er da war und ihr geholfen hatte, als Toshi ihr wehgetan hatte. Uruha’s Worte "Fass mein Mädchen nicht an !" rührten Kim immer noch, denn es schien ihr zu beweisen, dass Uruha wirklich da sein konnte, wenn Kim in "Gefahr" war. Aber innerlich wusste Kim, dass Kanae es war, die Uruha unbewusst zu ihr gebracht hatte, um ihr zu helfen - so hätte Toshi Kim wahrscheinlich mitgenommen und keiner hätte etwas davon bemerkt.

Irgendwie waren es überwiegend solche Gedanken, die Kim plagten.

Es war irgendwie viel zu viel auf einmal - der Abend fiel teilweise auch ins Wasser.

"Ich weiß doch gar nicht, wo ich ihn in dieser Saftbude suchen soll." meinte Reita und griff nach Aoi’s Zigarettenschachtel und nahm eine Zigarette heraus. Seine Stimme riss Kim aus ihrer Gedankenwelt und rasch wandte sie ihren Blick in die Richtung der anderen. "Aber das ist ja egal, ich wollte eh mal für kleine Jungs. Ich werde ihn sicher schon auffinden." fuhr Reita fort und verschwand darauf in der Menschenmenge.

Ruki seufzte nur und schüttelte dabei seinen Kopf, starrte anschließend wieder nur vor sich hin.

"Kimi, alles in Ordnung?" hatte Kai gefragt und beugte sich vor, um Kim ansehen zu können. Er schien wohl ihr Unbehagen spüren zu können - es war ja oft so. Immer wenn mit Kim etwas nicht stimmte, sie traurig oder unglücklich erschien, dann merkte Kai es auf Anhieb, trotz, dass Kim es äußerlich nicht zeigte. Kai schien wohl seelenverwandt mit Kim zu sein, ein unsichtbares Band schien die beiden zu verbinden und konnte auch nicht zum Reißen gebracht werden- irgendetwas war zwischen Kim und Kai, wo nicht einmal Kanae oder Uruha drüber kamen. Vielleicht war es auch wirklich das Schicksal, das die beiden so stark miteinander verband. Vielleicht war es diese starke Freundschaft, die die beiden unzertrennlich machte. Vielleicht war es auch nur Kai’s Liebe gegenüber Kim, die versucht sie etwas glücklicher zu machen. Denn irgendetwas war nicht in Ordnung - irgendwie schienen sich Gewitterwolken in das Leben von Kim und Uruha schieben zu wollen. Doch wahrscheinlich waren diese nur Teil eines großen, schweren Tests, den wohlmöglich alle bestehen mussten.

Vielleicht…

"Ob mit mir alles in Ordnung ist? Dumme Frage, natürlich. Kanae hatte mich das auch schon gefragt." hatte Kim nun endlich geantwortet.

Kai jedoch sah Kim genauso unglaubwürdig an, wie es Kanae auch schon getan hatte.

Wie gesagt, er merkte, wenn es Kim nicht gut ging.

"Sicher?" entgegnete Kai und sah Kim nicken.

"Ja, natürlich." erwiderte sie und lächelte, dabei schob sich wieder ein seltsames Gefühl dazwischen als Uruha wieder nach Kim’s Hand gegriffen hatte und diese festhielt.

Als der Auftritt stattgefunden hatte war es ähnlich - es war einfach seltsam. So hatte Uruha sich nie bemerkbar gemacht oder gezeigt, dass er Gefühle für Kim hegte. Kim machte es immer wieder traurig, auch wenn er es jetzt zum ersten Mal offen zeigte, obwohl es nicht alle sahen. Doch so in dieser Form tat er es nie - man könnte wirklich meinen, wenn man es selbst erleben würde, dass Uruha nur Sex von Kim wollte. Aber jeder wusste, dass Uruha Kim liebte und nur Angst gegenüber diesen Gefühlen zeigte.

Er rannte davor weg, genau wie Ruki - auch wenn es zwei verschiedene Gleise waren. Uruha hatte das Gefühl von Liebe nie richtig kennen gelernt, denn bisher war es immer nur Sex. Natürlich gab es die eine oder andere Frau in seinem Leben, die zu ihm sagte, dass sie ihn liebt. Doch sobald Uruha diese Worte hörte, mauerte er sich regelrecht ein.

Weil er das Gefühl nie kennen gelernt hatte.

Weil er glaubte, diese Frauen würden ihn nur wegen seines Geldes ausnutzen.

Weil Liebe auch viel zerstören konnte.

Genau das wollte Uruha nicht, deshalb gab es nur Sex mit Frauen und keine näheren Beziehungen. Er glaubte zwar nun, Kim zu lieben - er liebte sie hundertprozentig- doch wie gesagt, er hatte Angst davor.

Dass wahrscheinlich dieser Schuss nach hinten losgehen könnte, bedachte Uruha nicht, während es in Kim immer mehr drohte auszubrechen. Vielleicht würde es sich ja ändern, wenn sie Uruha sagen würde, was sie empfand.

"Sicher." sagte Kim und versuchte zu lächeln.

"Bist du dir auch wirklich sicher?" fragte Kai wieder und grinste.

"Ja…" antwortete Kim und richtete ihren Blick auf Uruha’s Gesicht - irgendwie schien er genervt von dieser Fragerei der beiden zu sein.

"Uruha?" ertönte Kim’s sanfte Stimme an seinem Ohr.

"Seid ihr jetzt fertig mit eurer Fragerei? Können wir jetzt auch endlich nach Hause?" begann Uruha zu fragen und sah nun Kim an. Ihr war klar, dass er auf die Fragerei von Kai reagieren würde - immer wenn Kai Kim näher war als man es vielleicht wollte, reagierte Uruha auffällig. Ja, man könnte es glatt als Eifersucht bezeichnen, doch diese Eifersucht erschein Kim eher "niedlich" als böswillig. Uruha reagierte nicht kratzig darauf, sondern wirklich niedlich.

Aber auch so etwas könnte sich ja eines Tages ändern - doch daran wollte jetzt keiner denken. "Ja, wir sind fertig. Allerdings müssen wir noch auf die anderen drei warten." meinte Kim und streichelte mit ihrer freien Hand seine linke Wange.

Uruha empfand dies als sehr angenehm, wehrte dann aber trotzdem fast schon kühl ihre Berührung ab. Skeptisch warf Kai ihm einen Blick zu. Es sah fast so aus, als wollte er so etwas sagen, wie "Wenn du ihr wehtust, tu ich dir weh". Ja, so oder ähnlich konnte man Kai`s Blick gegenüber Uruha beschreiben.

Währenddessen hatte sich Ruki wieder bemerkbar gemacht, als dieser sich eine Zigarette angezündet hatte. Auch er war sichtlich müde und drohte davor sofort einzuschlafen. Es war schon seltsam, denn sonst waren die Jungs von Gazette immer Ewigkeiten munter, manchmal sogar die ganze Nacht. Vielleicht würde sich ihre Müdigkeit spätestens dann ändern, wenn sie zu Hause ankommen würden.

"Können wir uns nicht wenigstens schon mal losmachen?" fragte Ruki und zog dabei intensiv an seiner Zigarette.

Natürlich wäre es möglich, aber es wäre auch den anderen unfair gegenüber.

"Ja, langsam ist es wirklich mal an der Zeit." meinte Uruha und sah erneut in Kim’s Gesicht, während Kai begonnen hatte, vor sich hinzuzappeln.

Man fragte sich schon des Öfteren, warum Kai immer so sichtlich nervös war.

Zur selben Zeit suchte Reita immer noch nach Aoi und Kanae, doch irgendwie schienen genau diese beiden vom Erdboden verschluckt worden zu sein. Sein müder Blick hing in der Menschenmasse, die ziemlich abgenommen und dennoch ausreichend war. Reita, der nun an der Wand, die etwas weiter weg von der Männertoilette war, stand, sah auch den Hostessen nach, die herumliefen und ihre Kundschaft bedienten. Reita war schließlich auch nur ein junger Mann und auch als solcher einige Gedanken hatte, vor allem weil es zurzeit nicht so gut mit Aoi lief - obwohl sie in einem Bett schliefen.

Aber auch Reita konnte sich vorstellen, von solchen hübschen Mädchen oder besser gesagt jungen Frauen bedient zu werden.

Reita musste plötzlich in sich hineingrinsen, als plötzlich eine der Hostessen vor Reita stand. Diese Hostess war keine andere als Sayuri, die Kanae zuvor zu den Jungs zurückgeordert hatte. Sie lächelte und musterte Reita von Kopf bis Fuß, dabei war auch sie nicht anders als die anderen Hostessen - auch Sayuri verdiente ihr Geld mit anderen Dingen als nur gut auszusehen, für ihre Kunden da zu sein oder sie zu bedienen.

Auch Sayuri schlief gegen gutes Geld mit anderen Männern. Und wahrscheinlich sollte Reita, auch wenn er nicht zu ihren Kunden gehörte, ihr "Opfer" sein.

"Hallo." sagte Sayuri. Auf Reita wirkte sie zwar niedlich und auch irgendwie schüchtern, doch er wusste dass auch der Schein trügen konnte.

"Hi." sagte Reita ohne zu lächeln und sah Sayuri einfach nur an.

Er sah wie sie näher heranrückte. "Ich hab dich beobachtet." meinte sie, als sie dann dicht genug vor Reita stand.

"Aha." sagte Reita leise und wollte seinen Blick zur Seite richten, wenn Sayuri ihn nicht daran gehindert hätte.

"Das ist aber nicht sehr nett von dir. Wenn ich mich mit jemanden unterhalte, möchte ich auch von demjenigen angesehen werden." meinte sie und berührte mit beiden Händen Reita’s Wangen - irgendwie war es ihm unangenehm, doch er wagte es nicht, sich dagegen zu wehren.

"Tut mir leid." meinte Reita nur und sah dann trotzdem an Sayuri vorbei in die Menge, in der Hoffnung eventuell Kanae oder Aoi zu sehen - doch vergebens und erneut drehte Sayuri vorsichtig sein Gesicht in ihre Richtung.

"Suchst du deine Freundin?" fragte sie dann auch schon und grinste frech. Freundin war ein gutes Schlagwort, obwohl es sich hierbei eher um einen Freund hielt.

"So in etwa." meinte Reita und streifte vorsichtig Sayuri’s Hände aus seinem Gesicht. Doch sie sah ihn nur verdutzt und gleichzeitig mit einem Blick an, der wohl so viel zu sagen schien wie "Dann soll sie doch kommen".

"Hast du ein Date?" fragte Sayuri neugierig weiter und brachte Reita zum Auflachen, was er jedoch rasch versuchte zu verstecken. "Nein." antwortete Reita nur kurz und endlich fiel ihm ein, Sayuri nach Kanae zu fragen - schließlich waren sie doch Kolleginnen.

"Aber hast du vielleicht Kanae irgendwo gesehen?" fragte Reita dann auch schon und Sayuri lachte in sich hinein. Sie begann nun ihr Spiel zu spielen und das nur wegen Geld. Vielleicht würde Reita es von selbst merken, das etwas nicht richtig lief oder er merkte es nicht und war Sayuri nächstes "Opfer".

"Komm mit." meinte Sayuri nur und zog Reita an den Händen zum Treppenaufgang des Hotels.

Natürlich kam es Reita seltsam vor, doch ausschließen konnte er auch nichts - entweder Kanae war wirklich mit Aoi hier oder nicht.

Kurz darauf befanden sich die beiden vor jenem Zimmer, in dem Kanae zuvor mit Ruki war. Sayuri lächelte wieder und es verwirrte Reita - nicht das Sayuri kein hübsches Gesicht hatte, verdammt schlank und sexy gekleidet war, nur ihre seltsame Art verwirrte Reita. Wahrscheinlich trug auch der Alkohol seinen Teil dazu bei, seine "Sinne" zu verwirren.

"Na, du musst die Tür schon aufmachen." sagte Sayuri, die Reita nun am rechten Arm gepackt hatte und ihn hinter sich her ins Zimmer zog und dabei die Tür ins Schloss fallen ließ. Reita wurde irgendwie komisch zumute - irgendetwas stimmte nicht, doch das hätte ihm eigentlich von vornherein klar sein müssen.

"Du willst mich doch verarschen?!" reagierte Reita etwas gereizt und wollte zur Tür, wenn Sayuri ihn nicht prompt aufs Bett gedrückt und sich auf ihn gesetzt hätte.

Reita’s Herz schlug wie verrückt und für ihn war das kein Spaß mehr - für Sayuri schon.

"Du kommst hier eh nicht raus, Kleiner." meinte Sayuri und lächelte schelmisch. Irgendwo hatte diese junge Frau ja recht, denn die Türen wurden von außen mit Karten geöffnet. Und der Schlüssel, um die Tür von innen öffnen zu können, lag irgendwo in diesem Zimmer versteckt und nur Sayuri wusste, wo er lag. Natürlich war es widersinnig, wenn man bedenkt, dass man nur von außen die Türen mit Karten öffnen konnte und sie von innen mit einem Schlüssel öffnen musste - doch so viel Geld, um auch von innen solche Schlösser zu installieren hatte das "Golden Gate" noch nicht zusammen.

Vorerst musste es so gehen, doch das war jetzt weniger das Problem für Reita.

"Das ist echt mies, mich so zu verarschen." fuhr Reita Sayuri an.

"Du bist halt noch zu naiv, sonst hättest du gleich merken müssen, dass es hier anders zu geht." erklärte Sayuri und begann Reita’s dunkelrotes Hemd auf zu knöpfen - nein, das wollte er nicht.

Doch was sollte er tun?

Sollte er etwa um Hilfe schreien?

Sollte er sie von sich stoßen?

Sollte er Sayuri etwa anflehen aufzuhören und ihn gehen zu lassen?

Alles schien plötzlich irgendwie unmöglich und es fühlte sich fast genauso wie damals an, als er Sex mit Aoi hatte - irgendwie überrumpelt. Alles war so plötzlich, auch als Sayuri ihren linken Arm lang machte und die Schublade damit öffnete. Was sie dann plötzlich herausholte wollte Reita überhaupt nicht glauben, geschweige denn je zu Gesicht bekommen. Der "Wolf im Schafspelz" holte tatsächlich Handschellen hervor.

"Und für deine Naivität musst du bestraft werden." grinste Sayuri, doch irgendwie schien Reita schneller als Sayuri gewesen zu sein und hatte sie von sich gestoßen, sich dann mit einem Mal über sie gekniet.

"Du musst ja ein tolles Leben haben, wenn du für jeden die Beine breit machst. Verdienst du gut? Sicher, wenn man es so wie du fertig bringt." sagte Reita leise, ja schon fast flüsternd - Sayuri, die unter ihm lag, schien wohl auch gar keine Ahnung davon zu haben, wer Reita war und zu wem er überhaupt gehörte.

Doch Sayuri schien das völlig egal zu sein, denn für sie spielte so etwas gar keine Rolle.

"Halt deine Klappe." zischte Sayuri - ja, sie konnte in der Tat rotzfrech werden und verlor wohl auch manchmal jeglichen Respekt - und Reita spürte dann nur noch einen kräftigen Tritt und diesen unerträglichen Schmerz in der Magengegend, der ihn seitlich aufs Bett sinken ließ.

Sich vor Schmerzen krümmend wimmerte Reita nun wie ein kleines Kind - Sayuri’s Tritt schien wohl doch heftiger zu sein, als die junge Frau es selbst erwartet hatte.

Reita hingegen konnte froh sein, dass Sayuri keine Highheels trug, denn das wäre weitaus schlimmer.

"Selbst schuld." meinte Sayuri und irgendwie machte sie plötzlich den Eindruck einer Irren. Ohne Rücksicht auf Reita’s Schmerzen zu nehmen, drückte sie ihn wieder auf Bett und packte anschließend seine Hände, die sie dann mit den Handschellen am Bett fesselte. Reita spürte deutlich diese unangenehme Kälte der Handschellen, die eigentlich auch viel zu eng waren und alles erschien ihm so unreal - war es nicht nur ein Traum?

Für ihn war es jedoch fast wie ein Alptraum und vielleicht hatte Sayuri sogar recht, vielleicht war er ja auch zu naiv - schließlich war das Abschleppen von irgendwelchen Männern hier Gang und Gebe und er war nur einer von ihnen - ohne das Reita es selbst wollte. Das Einzige was er wollte war, Kanae und Aoi zu finden und dann endlich nach Hause zu fahren, denn keiner von den Jungs war dazu noch in der Lage. Trotzdem wollte er das alles hier nicht, doch die Schmerzen in der Magengegend lenkten Reita von seinem Drumherum ab.

Er bemerkte nicht einmal, dass Sayuri wieder mit gespreizten Beinen auf ihm saß.

"Dir wird es auch nicht anders ergehen. Jeder musste das hier mit mir durchmachen und alle haben es überlebt und ihnen gefiel es auch. Also hab dich nicht wie ein Mädchen." sagte Sayuri, die ihre Hände um Reita’s Hals gelegt hatte - sie spürte deutlich, wie sein Puls raste und für manche ihrer "Opfer" empfand Sayuri im Endeffekt gar Reue, ihnen Schmerzen zugefügt zu haben. Aber so war es nun mal. Für Reita waren Sayuri’s Worte eben genauso ähnlich wie die von Aoi.

Ja, warum konnte Aoi nicht hier sein?

Warum war Aoi überhaupt verschwunden?

Reita fühlte sich allein gelassen und hilflos. In ihm wurde das Gefühl wach, für alles und jeden nur eine Puppe zu sein - jeder wollte über ihn verfügen.

Reita wollte das nicht. Er wollte es nie wieder und wenn das hier vorbei sein würde, dann würde er damit anfangen, genau diese Tatsache zu ändern. Er wollte nicht weiter der "dumme Junge" von nebenan sein, auch wenn die Jungs von Gazette ihn immer so nahmen, wie er war - sie waren die Einzigen, die ihn nicht so behandelten.

Natürlich zählten Kim und Kanae auch dazu.

"Du bist das Letzte, wenn du das hier tun solltest." meinte Reita und sah Sayuri an - sein Gesicht war immer noch schmerzverzerrt.

"Es ist abartig." fuhr er fort und wollte unbewusst seine Arme vom Bettgitter ziehen, wenn es nicht plötzlich schmerzhaft an seinen Handgelenken gezogen hätte.

Schmerzen, wieso waren es immer nur Schmerzen die Reita empfinden musste?

So etwas wie Liebe, Glück, Geborgenheit und Respekt empfand Reita nur bei den Jungs und auch Kim und Kanae, auch wenn er überhaupt nicht so viel mit den beiden zu tun hatte. Aber das war egal, sie akzeptierten und respektierten ihn und das tat das Miststück, welches da auf ihm saß, nicht.

"Hör auf zu meckern." sagte Sayuri und beugte sich zu Reita runter.

"Es wird dir gefallen, glaub mir." fuhr sie fort und berührte nun mit ihren Lippen die von Reita. Er spürte nur, wie Sayuri vorsichtig ihre Zunge in seinen Mund schob und dabei mit ihrer linken Hand seine nackte Brust streichelte. Natürlich fühlte sich das alles gut an, trotz das Reita so etwas lange nicht mehr hatte - doch die Tatsache, das man ihn eigentlich dazu gezwungen hatte, brachte ihm das Grauen. So wollte er es garantiert nicht. Er wollte auch nicht, das Sayuri’s Hand immer weiter nach unten wanderte und dann an seinem Hosenbund stoppte. Sayuri spürte, wie Reita zitterte. Ob er nun Angst hatte oder vielleicht erregt war, war ihr egal.

"Alles wird gut." sagte Sayuri und richtete ihren Oberkörper wieder auf und knöpfte nun Reita’s Hose auf. Konnte das alles denn überhaupt wahr sein?

Immer mehr stieg in ihm das Gefühl auf, nach Hilfe, nach Aoi zu schreien - doch da war die Tatsache, dass Sayuri Reita regelrecht das Maul mit seinem Nasentuch gestopft hatte und umso mehr hatte Reita nun das Gefühl keine Luft mehr zu kriegen und zu ersticken. Alles glich dabei einem schlechten Film, doch war es kein Krimi oder Horrorfilm - es war irgendwie alles auf ein Mal. Und dann kam es, wie es Reita schon befürchtete - Sayuri hatte ihm jegliche Klamotten, bis auf sein Hemd, vom Leib gerissen und Reita stellte nun auch fest, das Sayuri überhaupt keine Unterwäsche getragen hatte - er wurde, wenn man es so nennen konnte, zum Sex gezwungen und das von einer Frau!

Es war Reita unbegreiflich, sodass ihm bereits Tränen über die Wangen rollten und er verzweifelt versuchte zu wimmern.

"Du wirst gleich aufhören zu weinen." meinte Sayuri bevor sie angefangen hatte, Reita oral zu befriedigen - denn irgendwie musste sie seinen "kleinen Freund" ja in Gang kriegen. Natürlich erregte es Reita, auch wenn er es nicht wollte. Er wollte nichts von alledem hier.

Er wollte diese grausame Ewigkeit in diesem Zimmer, auf diesem Bett nicht…

Und nachdem das erledigt war, hatte Sayuri sich wieder auf Reita gesetzt und begonnen sich immer schneller auf ihn zu bewegen und Reita wünschte sich nunmehr zu sterben. Doch dieses Gefühl beim Sex, schien ihn wohl doch etwas ablenken zu können.

Alles war viel zu real - aber warum konnte es kein Traum sein?

Irgendwann war auch das endlich vorbei - und beide hatten ihren Höhepunkt erreicht.

Für Sayuri war es viel zu kurz, aber für Reita war es diese qualvolle Ewigkeit und auch die Schmerzen in der Magengegend, die eigentlich schon vergangen sein müssten, waren wieder da - Reita heulte nun richtig los, während Sayuri sich rasch ihre Klamotten angezogen hatte. Sie belächelte Reita nur, als sie sich neben ihn gesetzt und sich eine Zigarette angezündet hatte. "Ich wusste von Anfang an, dass du dich wie ein Mädchen aufführst. Aber dafür war es doch gar nicht mal so schlecht und ich dachte, ich hätte eine Jungfrau unter mir liegen." meinte Sayuri und befreite Reita vorsichtig von seinem eigenen Nasentuch. Er hustete als hätte er Staub in der Kehle, denn so fühlte es sich auch an. "Halt bloß dein verdammtes Maul!" fuhr Reita sie unter Tränen an, doch Sayuri lachte nur. "Sei doch nicht gleich eingeschnappt. Aber davon abgesehen verzichte ich auf Bezahlung von Memmen. Sei froh. Aber ich hatte ja meinen Spaß." erklärte sie - Reita war ihre erste Ausnahme, jedem anderen hätte sie ohne zu zögern das Geld aus der Tasche gezogen. "Das war’s dann." fuhr sie fort und drückte Reita noch einen Kuss auf die Lippen, bevor sie dann einfach verschwand.

Zurück blieb nur Reita, immer noch gefesselt, im offenen Hemd bekleidet und lediglich nur zugedeckt. Man konnte nun wirklich sagen, dass man ihn vergewaltigt hatte - ja, eine Frau hatte ihn vergewaltigt. Man könnte so etwas gar nicht für möglich halten, doch es war wahr und es fühlte sich verdammt grausam an.

Innerlich schrie Reita bereits. Er schrie wie wild nach Aoi - doch er konnte es nicht wirklich. Reita schluchzte nur, schluchzte wie ein kleines Kind.

"Aoi…" wimmerte er dann und tat es auch immer wieder, bis er nicht mehr konnte.

Sein Hilferuf schien jedoch Unbehagen bei Aoi auszulösen. Ja, Aoi spürte innerlich, dass irgendetwas nicht in Ordnung war - und es machte sich nach außen hin bemerkbar.

Selbst Kanae schien es zu spüren.

"Aoi? Hast du was?" fragte Kanae und versuchte einen Blick von Aoi zu erhaschen.

Doch er schien irgendwie mit seinen Gedanken ganz wo anders zu sein und genau deshalb schien er Kanae’s Worte wohl nicht wahrzunehmen.

Vielleicht wollte er sie auch gar nicht wahrnehmen.

"Aoi, was ist los?" fragte Kanae weiter und zerrte vorsichtig an Aoi’s Hemd.

Erschrocken zuckte er zusammen, hatte ihre Worte eben aber mitbekommen.

Wie ein verwirrtes Kind sah er Kanae an, schüttelte dann aber seinen Kopf.

"Ich weiß es nicht. Es fühlt sich so…" Aoi unterbrach seinen Satz und schwieg nun. "Was?" verwirrt sah Kanae ihn an, doch Aoi schüttelte nur wieder seinen Kopf und lächelte nun. "Lass uns reingehen." meinte er nur und verschwand nach drinnen.

Kanae ließ nur einen Seufzer und folgte ihm. Nachdem sie sich dann durch die Menschenmenge gekämpft hatten, erblickten Aoi und Kanae Kim, die plötzlich hinter dem Mikrophon stand. Beide bemerkten auch, dass das Drumherum still und das Licht wieder gedämpft worden war. Kanae sah verwirrt zu Uruha, zu dem sie sich rasch gesetzt hatte, um nicht im Wege herum zu stehen.

"Was hat Kim denn schon wieder vor?" flüsterte Kanae, doch selbst Uruha wusste nicht einmal, was Kim vorhatte. Sie war einfach aufgestanden und hinter dem Vorhang verschwunden. "Ich weiß es doch auch nicht." reagierte Uruha leicht genervt - böse meinte er es nicht, er war nur verdammt müde. Demnach widmete sich Kanae Uruha nicht weiter, sondern wandte sich an Kai ."Weißt du, was sie vorhat?" fragte sie ihn nun, doch Kai zuckte nur schweigend mit den Schultern und schüttelte mit seinem Kopf.

"Nein." sagte er dann und irgendwie bekam Kanae das Gefühl, das wirklich keiner wusste, was Kim tun wollte.

"Vielleicht will sie uns ja auch ein Lied singen." bemerkte Ruki und warf Kanae einen müden Blick zu. Sie waren alle müde, sie wollten alle nach Hause. Nur Aoi wurde von seinem Unbehagen gequält und wach gehalten. Doch plötzlich ertönte Kim’s Stimme aus dem Mikro. "Es fällt mir wirklich nicht leicht, aber ich muss dir etwas gestehen, Uruha." begann Kim und kam mit dem Mikrophon, gefolgt vom Scheinwerferlicht, dem Knipslicht von Fotoapparaten und den Blicken der Kundschaft, auf Uruha zu. Uruha’s Herz begann plötzlich wie verrückt zu rasen.

Er dachte "Was stellt sie denn jetzt schon wieder an?"

Innerlich hatte er schon eine Vorahnung, die er jedoch nicht wahrhaben wollte.

Er lächelte nur verlegen.

"Seit ich dich das erste Mal im Krankenhaus gesehen habe, war mir plötzlich vieles klar…ich weiß, dass es kindisch klingt. Aber als ich in deine Augen gesehen habe, traf es mich wie ein Blitz. Ich habe seither immer an dich gedacht, auch wenn ich es selbst vielleicht nicht wahrhaben wollte. Vielleicht hatte ich auch nur Angst davor, mit etwas Neuem zu beginnen. Aber wenn ich es jetzt so betrachte, weiß ich, was es ist. Und jetzt muss es raus, sonst platze ich vielleicht noch." fuhr Kim fort und zog Uruha an der linken Hand zu sich herauf. Als Kim seine Hand berührte, bekam Uruha unglaublich starke Gänsehaut - doch er fror nicht. Man könnte sogar meinen, dass ihm die Nackenhaare zu Berge standen, was aber in diesem Sinne nichts Negatives war. Aber noch ein weiters, anderes Gefühl schob sich dazwischen. Im ersten Moment konnte Uruha es nicht beschreiben, bis ihm von selbst klar wurde, was es war - er hatte einfach nur Angst. Angst vor dem, was wahrscheinlich passieren würde. Vielleicht täuschte er sich aber auch nur und trotzdem hatte Uruha nun das Verlangen, einfach zu verschwinden.

"Ich habe angefangen, mich zu fragen, was das wohl zwischen uns ist. Und ich frage mich schon seit Wochen, was das in mir ist, was mich so verrückt und gleichzeitig auch sensibel macht. Auch, wenn ich jetzt weiß, was da in mir wütet, habe ich trotzdem keine Antwort darauf, was du fühlst und was du die ganze Zeit in dir trägst. Ich möchte nichts mit dem erreichen, was ich dir jetzt sagen muss. Ich erwarte auch nichts von dir, außer, dass du begreifst, warum ich all die Wochen immer wieder zu dir gekommen bin, auch wenn du immer nur mit mir geschlafen hast und sonst nichts weiter. Ich will, dass du es hörst, dass du es weißt und in Erinnerung behältst…" fuhr sie fort.

"Ich liebe dich, Uruha." hatte Kim dann auch schon gesagt und jeder begann laut zu jubeln, zu pfeifen und zu klatschen. Doch Uruha war es plötzlich irgendwie unangenehm, während Ruki nur laut dazwischenrief "Das wurde ja langsam auch mal Zeit!". Aber genau das war nun der ausschlaggebende Punkt dafür, dass Uruha Kim nur verwirrt und total perplex angesehen hatte. Er erwiderte nichts - nicht was Ruki sagte und was Kim eben gesagt hatte. Uruha hatte lediglich das Gefühl, jeden Moment zu versteinern.

Es ging viel zu schnell, doch Uruha’s Reaktion - gerade weil er eigentlich überhaupt nichts erwidert hatte - verletzte Kim und es schmerzte in ihrer Brust. Sie hatte wenigstens auf eine Gegenreaktion gehofft, doch Uruha hatte sie nur schweigend angesehen und war darauf einfach geflüchtet. Ihr stiegen sofort Tränen in die Augen.

"Jetzt hab ich es versaut." murmelte sie, als sie das Mirkophon prompt auf den Boden fallen ließ und sich die Hände vors Gesicht geworfen hatte.

Jeder hatte sie dann nur angesehen, während Kai seufzend aufgestanden war und das Mikrophon an seinen Platz gebracht hatte.

"Das wird schon." fügte Kanae währenddessen hinzu und kam auf Kim zu, die sie dann auch schon tröstend in den Arm genommen hatte- vielleicht hatte sie ja recht.

Ja, sie mussten Recht haben und natürlich war es klar, das Kanae versuchte, ihr mit diesen Worten irgendwie Trost zu spenden..

"Warum hat er nichts erwidert? Ist Uruha hohl in der Birne geworden, oder was?!" regte Ruki sich auf und zündete sich eine Zigarette an - dabei brauchte Ruki sich nicht aufregen, er war auch nicht viel besser. Er lief doch auch immer davon.

Warum sind Männer immer nur so feige?

Niemand konnte das verstehen. Niemand wollte es verstehen. Uruha selbst konnte sich nicht einmal verstehen - er war einfach zum Hinterausgang geflüchtet und hatte sich in den Regen gestellt. Hoffte er, dass der Regen alles wegwaschen würde?

Währenddessen kam Kai zurück - nicht das man es ihm unbedingt ansah, aber er wirkte irgendwie traurig. Traurig wegen Kim’s Geständnis. Und um so schlimmer wurde es, als er Kim dabei beobachten konnte, wie sie ebenfalls zum Hinterausgang flüchtete. Natürlich wünschte er sich nichts sehnlicher, als Kim glücklich zu sehen - egal wie. Und wenn sie glücklich war, dann war es Kai auch. Er wollte nur ihr Bestes. Doch das es ihn jetzt so plötzlich niederreißen wollte, begriff er selbst nicht.

Aber er wollte stark sein, stark für Kim.

 

"Du wirst ganz nass…." hatte sie zu Uruha gesagt, als sie ihn dort im Regen rauchend stehen sah. "Und? Nimmt da irgendwer Rücksicht drauf?" fragte er in einem recht schroffen Ton. Kim war erschrocken zusammengezuckt. War es vielleicht falsch, ihm endlich zu sagen, dass sie ihn liebte? In diesem Moment gab er ihr regelrecht das Gefühl, das es so war und nicht anders.

"Es tut mir leid." seufzte sie, als nun auch sie vor ihm im Regen stand.

Nervös und auch zitternd zog Uruha an seiner Zigarette.

"Pah!". Er machte einen fast schon gleichgültigen Eindruck.

So hatte sie ihn noch nie erlebt.

"Du hast echt ein Scheißleben und wagst es dir dann trotzdem noch, mir vor versammelter Masse zu sagen, dass du mich liebst?". Kühl, aber auch irgendwie verletzt sah er sie an.

Er war nicht verärgert darüber, dass sie ihm so etwas gesagt hatte. Er ärgerte sich viel mehr über sich selbst - weil er damit nicht umgehen konnte.

Denn zu sehr prägten ihn die Gedanken und Erinnerungen aus der Vergangenheit. Er hatte Angst. Angst vor sich und seinen Gefühlen. Aber am meisten hatte er Angst davor, Kim nicht das geben zu können, was er ihr eigentlich geben wollte, was sie sich wünschte. Er hatte einfach Angst davor, sie zu verlieren.

"Ja.". Kim hingegen schien dabei aber noch relativ gefasst zu sein. Natürlich. Sie war überzeugt von dem, was sie sagte. Denn, es war nichts anderes, als die Wahrheit - ihre Wahrheit, die am besten die ganze Welt erfahren sollte.

Er war dann näher an sie herangerückt und hatte seine Zigarette vor ihr auf dem Boden ausgetreten. "Ich kann das nicht so, wie du." flüsterte er, während man gut beobachten konnte, wie ihm einzelne Regentropfen von der Stirn tropften.

"Ich kann nicht einfach so sagen, ich liebe dich. Ich kann es nicht, verstehst du?" sagte er, während er seine Hände auf ihre Schultern legte und sie an sich zog.

Kim mochte es noch nie, wenn ein Mann nach Zigarette roch. Uruha schien wohl in ihrem Leben in allem eine einzige Ausnahme zu sein.

"Ist okay." erwiderte sie leise. Wäre es nicht einfacher gewesen, wenn er einfach gesagt hätte, dass er überhaupt nicht so für sie empfand, wie sie für ihn?

Sollte sie das einfach so hinnehmen? Ja, sie tat es. Sie tat es, weil sie ihn liebte und innerlich hoffte, dass alles doch noch irgendwie anders kommen würde.

Sie war fast schon überzeugt davon, dass auch er es eines Tages zu ihr sagen konnte.

Und vielleicht war sie ja blind. So blind, dass sie zu ließ, wie er sie im nächsten Moment einfach küsste, sie berührte und mit seinen Händen über ihren Hintern wanderte.

"Das war echt mutig von dir." kicherte er dann an ihrem Hals. Und man könnte fast glauben, dass Uruha kurz davor war, verrückt zu werden.

Beide schienen dabei zu ignorieren, dass sich jeder einzelne Regentropfen wie Eis anfühlte.

Der Schauder, der Kim kurz darauf über den Rücken lief, holte sie auf den Boden der Realität zurück.

Ja, es war Realität, das Uruha ihre Gefühle nicht erwidert hatte.

Es war auch Realität, dass sie sich trotzdem weiterhin von ihm küssen und berühren ließ.

Die Realität war die Wahrheit, die sie ihm offenbarte.

Die, die er jetzt vielleicht noch nicht, aber bestimmt irgendwann, vertragen konnte.

 

 

"…nur weil ich dich liebe…"

 

 

Kapitel 7

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update: 18-Feb-2008  
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